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“pulsnetz.de – gesund arbeiten”: Technologien für die Pflege- und Sozialwirtschaft

Gemeinsam mit insgesamt acht weiteren Partnern will die Hochschule Hof eines von deutschlandweit sieben Zukunftszentren für Künstliche Intelligenz aus der Taufe heben. Die dafür neu gegründete Forschungsgruppe „Innovative Gesundheitsversorgung“ am Institut für Informationssysteme (iisys) beginnt ihre Arbeit mit dem Projekt Regionales Zukunftszentrum KI „pulsnetz.de –gesund arbeiten“ (pulsnetz KI), das KI-basierte Technologien für die Pflege- und Sozialwirtschaft entwickeln und dort etablieren will. Ein Service-Truck soll die Innovationen in Pflegeeinrichtungen, Kindergärten sowie Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung vor Ort erfahrbar machen.

Die neue Forschungsgruppe: v.l. Sina Ferfers, Désirée Neeb, Sophia Giegold; links hinten Yvonne Großmann und Prof. Dr. Dietmar Wolff, Vizepräsident Lehre der Hochschule Hof; Bild: Hochschule Hof;

Fachkräftemangel, hohe Fluktuation sowie hohe physische und psychische Belastungen der Beschäftigten bei gleichzeitiger Zunahme der Anzahl pflege- und hilfsbedürftiger Menschen sowie immer komplexeren Krankheits- und Einschränkungsszenarien: Dies ist die meistgehörte Beschreibung der aktuellen Situation der Sozial- und Pflegewirtschaft, wenn man mit den dort Beschäftigten spricht. Spätestens die Corona-Krise führte zudem vor Augen: Nur gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können hilfsbedürftige Menschen versorgen, pflegen und fördern. Gesunderhaltende Arbeitsbedingungen sind daher für die Beschäftigten in der Sozial- und Pflegewirtschaft von existenzieller Bedeutung. Genau hier setzt das Projekt pulsnetz KI an. Es soll sich direkt an Pflegekräfte und Beschäftigte im Erziehungs- und Sozialsektor wenden.

Potentiale KI-basierter Technologie nutzen

„Wir wollen für Beschäftigte und Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen der Branche die Kompetenz entwickeln, nützliche digitale oder KI-basierte Technologien für die eigene Arbeit zu erkennen, zu nutzen und auch kreativ weiterzuentwickeln. Dadurch werden sie selbst entlastet, sie sparen Zeit und ihre Arbeitsorganisation wird gestärkt. In unserem Konsortium arbeiten wir dazu mit Partnern aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Berlin zusammen“, erklärt Prof. Dr. Dietmar Wolff, Leiter der neuen Forschungsgruppe, das Ziel des Projektes.

pulsnetz KI als virtuelle Lernplattform

In einem ersten Schritt soll die bereits bestehende Plattform www.pulsnetz.de zu einer Wissens- und Lernplattform ausgebaut werden. Ein auf künstlicher Intelligenz basierender, digitaler Gesundheitsassistent soll Beschäftigte, Fach- und Führungskräfte zum gesunden Arbeiten beraten und lotsen. Verschiedene Lernforen zu unterschiedlichen Themenfeldern werden auf der Webseite zudem die Chance bieten, deutschlandweite und branchenübergreifende Communitys aufzubauen. Darüber hinaus sollen virtuelle Räume die Möglichkeit zum digitalen Lernen eröffnen.  Die angebotenen virtuellen Räume und die digitale Vernetzung zeigen auch Vorteile, wenn es darum geht, an Seminaren oder Messen teilzunehmen.

Wir möchten Technologie anfassbar machen und Künstliche Intelligenz transparenter darstellen.“

Sophia Giegold, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Virtual Reality-Brillen können bei Demenzerkrankten eingesetzt werden; Bild: Hochschule Hof;

Service-Truck will Einrichtungen besuchen

Allerdings kann die digitale Welt das Erfahren und Erleben nicht ersetzen, räumen auch die Forscherinnen und Forscher ein. pulsnetz KI will deshalb mit drei mobilen Service Points (Trucks) direkt in den Pflege- und Sozialeinrichtungen vor Ort sein.

So ermöglichen wir vor Ort das unkomplizierte Ausprobieren der neuen Technologien und bauen Zugangsbarrieren ab.”

Désirée Neeb, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Einige Beispiele der gezeigten Techniken: Schwere Lasten fühlen sich beim Heben mit einem „Exoskelett“ plötzlich kinderleicht an, eine Simulation bringt die Beschäftigten in Sekundenschnelle zum Entspannen in die Natur –  inklusive Blumen- und Walddüften. Auch Roboter können ausprobiert werden, ebenso wie neue Software-Systeme. Die Trucks fungieren als Erprobungs-Werkstatt, in der verschiedenste digitale Anwendungen getestet werden können. Zusätzlich dienen sie als Anlauf- und Beratungsstelle für alle Fragen rund um die Digitalisierung.

Individuelle Beratungsveranstaltungen und KI-Garage

Zur nachhaltigen Entlastung und Stärkung der Sozialwirtschaft sollen im Rahmen von pulsnetz KI zudem Beratungsveranstaltungen vor Ort angeboten werden: Durch eine vorab durchgeführte Befragung werden die Beratungen individuell auf die Themen und den Digitalisierungsstand der jeweiligen Einrichtung angepasst.

Darüber hinaus tüfteln unsere KI-Experten im Konsortium an neuen Möglichkeiten des Arbeitens, Kooperierens und Lernens. Dabei sollen zum Beispiel KI-Lösungen zur Prüfung und Gestaltung von Dienstplänen oder Bewertungen KI-basierter Recruiting-Softwaren entstehen. Je nach individuellen Bedarf sind auch hier KI-Einstiegs- und Anwendungsberatungen möglich. Dabei sind wir auf die Mitarbeit sowohl von Softwareanbietern als auch sozialer Einrichtungen angewiesen.“

Prof. Dr. Dietmar Wolff, Forschungsgruppenleiter

Bundesweites Konsortium

Das Projekt pulsnetz KI wird im Rahmen des Förderprogramms „Zukunftszentren KI“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Das im Rahmen des Förderprogramms des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) „Zukunftszentren (KI) – Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen und Beschäftigten bei der modellhaften und partizipativen Erprobung von neuen Technologien, wie Künstliche Intelligenz, für die betriebliche Praxis“ entstehende Zukunftszentrum hat zum Ziel, Mitarbeitende der Sozialwirtschaft durch digitale und KI-gestützte Anwendungen zu entlasten und zu stärken. An diesem Ziel arbeiten:

  • AOK Baden-Württemberg
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege
  • CAS Software AG (Karlsruhe)
  • Contec GmbH (Bochum/Berlin)
  • Diakonisches Werk Baden-Württemberg
  • FINSOZ e.V. Fachverband Informationstechnologien in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (Berlin)
  • FernUniversität in Hagen – Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik
  • Hochschule Hof, Institut für Informationssysteme (iisys)
  • IAT – Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (Stuttgart)
  • Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (vediso e.V.), Stuttgart

Weitere Informationen

Damit kleine und mittelständische Unternehmen und ihre Beschäftigten vor Ort Unterstützung im digitalen Wandel finden können, fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit Bundesmitteln Zukunftszentren in Westdeutschland und Berlin. Bis zum 30. September 2020 konnten sich interessierte Organisationen für die Trägerschaft eines “Regionalen Zukunftszentrums” und/oder des übergeordneten “KI-Wissens- und Weiterbildungszentrums” bewerben. Das BMAS hat gemeinsam mit den zuständigen Landesministerien entschieden, welche Träger bzw. Trägerverbünde zur Antragstellung aufgefordert wurden. Für das übergeordnete “KI-Wissens- und Weiterbildungszentrum” wurde das Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH ausgewählt. Die “Zukunftszentren” haben ihre Arbeit zum Ende des ersten Quartals und teilweise zu Beginn des zweiten Quartals 2021 aufgenommen.

Rainer Krauß

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