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7. Institutskolloquium mit neuem Konzept – Fokus auf stärkerer Vernetzung

„Forschung lebt davon neue Wege zu gehen und viel auszuprobieren!“ – unter diesem von Moderator Benedikt Hiller eingangs zitierten Motto präsentierten die fünf Forschungsinstitute der Hochschule Hof ihre Schwerpunkte und aktuellen Projekte beim Institutskolloquium 2026. Unter anderem eine 90-minütige Postersession und Einblicke in Promotionsmöglichkeiten ergänzten das diesmal vom ibp gestaltete Programm.

Eine breite Forschungslandschaft – die Mitwirkenden des Institutskolloquiums 2026; Bild: Hochschule Hof;

Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsinstituten der Hochschule Hof weiter stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 7. Institutekolloquiums, das diesmal vom Institut für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere der Hochschule Hof (ibp) ausgerichtet wurde. Nachdem bereits alle Forschungsinstitute einmal Gastgeber der jährlichen Veranstaltungsreihe gewesen waren, nutzte das ibp die Gelegenheit, das bisherige Konzept weiterzuentwickeln. Statt einzelne Forschungsprojekte ausführlich in den Mittelpunkt zu stellen, ging es diesmal vor allem darum, die Institute, ihre Kompetenzen und die Möglichkeiten einer institutsübergreifenden Zusammenarbeit besser kennenzulernen.

„Wir wollten das Institutekolloquium noch etwas stärker nutzen, um die Vielfalt unserer Forschung sichtbar zu machen und die Menschen hinter den Projekten miteinander ins Gespräch zu bringen“, erklärte Prof. Dr. Michael Nase, Leiter des ibp.

„Wenn wir wissen, welche Kompetenzen, Geräte und Erfahrungen an den anderen Instituten vorhanden sind, entstehen daraus vielleicht ganz neue Ideen für gemeinsame Projekte. Gerade für neue Mitarbeitende ist es wichtig, von Anfang an einen Überblick über diese Möglichkeiten zu bekommen.“

Prof. Dr. Michael Nase, Institutsleiter ibp

In einem Grußwort verwies Prof. Dr. Gerald Schmola, Vizepräsident Forschung, Entwicklung und Entrepreneurship der Hochschule Hof, auf eine beeindruckende Bilanz:

„Wir werden auch in diesem Jahr wieder über 10 Mio. EUR an Drittmitteln für unsere Forschungsprojekte einwerben. Dies wäre ohne das richtige Team niemals denkbar.“

Prof. Dr. Gerald Schmola, Vizepräsident Forschung, Entwicklung und Entrepreneurship

Vizepräsident Prof. Dr. Gerald Schmola; Bild: Hochschule Hof;

Man wolle aber nicht nur die Forschung befördern, sondern auch den Transfer in die Wirtschaft und das Thema Gründung stärken: „Prüfen Sie Ihre Projekte immer auch darauf, ob sich eine Ausgründung lohnen könnte!“

Fünf Institute im Spotlight

Zum Auftakt blickte Nase auf die bisherigen Institutekolloquien zurück, bevor das neue Veranstaltungsformat der Zuhörerschaft im Audimax der Hochschule vorgestellt wurde. Im Anschluss präsentierten sich die fünf Forschungsinstitute dann in jeweils rund siebenminütigen Spotlight-Vorträgen. Dabei standen nicht einzelne Projekte, sondern das jeweilige Profil, die Mitarbeitenden, vorhandene Geräte und die Möglichkeiten zur Kooperation im Vordergrund. Auch Leuchtturmprojekte blieben Bestandteil des Programms, wurden diesmal jedoch kompakter behandelt.

Spotlight ibp

Institutsleiter Prof. Dr. Michael Nase stellte die Kompetenzen und Forschungsaktivitäten des Instituts für Kreislaufwirtschaft der Bio (ibp) vor, an dem derzeit 31 Mitarbeitende an 27 Projekten arbeiten. Mit rund drei Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln, neuen Forschungsgeräten und vielfältigen Unternehmenskooperationen baut das Institut seine Aktivitäten weiter aus.

Vier Projekte verdeutlichen die Bandbreite der Forschung: BioVerBiss entwickelt gemeinsam mit der BKW Kunststoff GmbH biobasierte Schutzmanschetten, die junge Bäume vor Wildverbiss schützen sollen. RE-TUBE arbeitet an einem Recyclingsystem für thermoplastisches Polyurethan, um nachhaltige Fahrradschläuche aus recycelten und biobasierten Materialien herzustellen. KREATIK unterstützt kleine und mittlere Kunststoffunternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte und Produktionsverfahren. Dafür verbindet das Projekt Kunststoffrecycling und Biokunststoffe mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Das EFRE-geförderte Leuchtturmprojekt TechCirclePolymers umfasst neun Teilprojekte mit zahlreichen Unternehmenspartnern. Gemeinsam werden neue Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen und biogenen Reststoffen sowie verbesserte Recyclingverfahren erforscht. Die Ansätze reichen von der Verwertung von Bäckereiresten bis zur Wiederverwendung von Kunststoffabfällen aus der Medizintechnik. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und die Kunststoffverarbeitung nachhaltiger zu gestalten.

Prof. Dr. Michael Nase; Bild: Hochschule Hof;

Spotlight iwe

Das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik (iwe) präsentierte seine Forschungsaktivitäten und mögliche Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte. Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing stellte die Arbeit der 21 Mitarbeitenden in fünf Forschungsgruppen vor. Neben aktuellen Vorhaben blickte das Institut auf abgeschlossene Projekte zurück: EnerNET unterstützte Unternehmen beim Austausch über Energieeffizienz und innovative Technologien, während HyBaBo die grenzüberschreitende Wasserstoffwirtschaft zwischen Bayern und Böhmen voranbrachte. Bei der kommunalen Wärmeplanung für Schwarzenbach an der Saale untersuchte das iwe zudem, wie industrielle Abwärme für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann.

Die neuen Projekte decken ein breites Themenspektrum ab. EnerFuel erforscht gemeinsam mit dem ibp die Herstellung von Kraft- und Brennstoffen aus biogenen Reststoffen und Kunststoffabfällen. Das ResilienceLab entwickelt mit dem inwa und dem ibp Lösungen für klimaresiliente Städte, etwa durch Regenwasserspeicherung und begrünte Gebäude. EnerKMU unterstützt Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Energieeffizienz, während OUR-E eine intelligente Steuerung der Energieversorgung von Gebäuden untersucht. AmmOx erforscht die effizientere Aufbereitung von Wasserstoff aus Ammoniak, ITSOpt die bessere Nutzung von Wärme- und Kältespeichern.

Als Leuchtturmprojekt stellte Plessing EnerTECH+ vor, das Unternehmen praxisnahes Wissen zu Wasserstofftechnologien, Energiespeichern und Energieeffizienz vermittelt. Workshops und Netzwerkveranstaltungen stärken dabei den Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft. Mit der geplanten Eröffnung des neuen Zentrums für Wasserstoff- und Energietechnik (ZWE) Ende des Jahres soll zudem die Forschungsinfrastruktur am Standort Hof weiter ausgebaut werden.

Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing; Bild: Hochschule Hof;

Spotlight iisys

Das Institut für Informationssysteme (iisys) präsentierte, vertreten durch Institutsleiter Prof. Dr. René Peinl, seine Kompetenzen rund um Informationssysteme und digitale Technologien. In 14 Forschungsgruppen arbeitet das Institut interdisziplinär an Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Ein besonderer Erfolg sind fünf erfolgreich abgeschlossene Promotionen von Marcin Czaban, Adrian Wöltche, Sebastian Pahl, Martin Heckel und Katharina Schiller. Ihre Forschungsarbeiten befassen sich unter anderem mit der Übertragbarkeit von Fahrsimulator-Ergebnissen auf den Straßenverkehr, digitalen Kartenverfahren und IT-Sicherheit.

Auch die technischen Möglichkeiten werden kontinuierlich erweitert: Die Sprach- und Bildgenerierungsmodelle Lisa und Luis sind an der Hochschule bereits etabliert. Mit Sara kommt ein weiteres Werkzeug hinzu, das als Forschungsdatenmanagementsystem insbesondere Bild- und Textdaten erschließen, strukturieren und für die Forschung nutzbar machen soll.

Als Leuchtturmprojekt stellte das Institut die StoryMachine unter Leitung von Prof. Dr. Claus Atzenbeck vor. Das auf drei Jahre angelegte, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Verbundprojekt entwickelt gemeinsam mit Forschungsteams aus Deutschland und Großbritannien eine digitale Infrastruktur, um traditionelle und moderne Erzähltraditionen zu bewahren, zu erforschen und zugänglich zu machen. Damit verbindet das iisys informationstechnische Forschung mit neuen Möglichkeiten der digitalen Wissensvermittlung und Erschließung kultureller Inhalte.

Prof. Dr. René Peinl; Bild: Hochschule Hof;

Spotlight inwa

Dr. Andreas Aicher stellte in Vertretung von Prof. Günter Müller-Czygan die Arbeit des Instituts für nachhaltige Wassersysteme (inwa) vor. 25 Mitarbeitende aus acht Nationen arbeiten in vier Forschungsgruppen an Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser. In diesem Jahr wurden 6,22 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Drei Promovierende forschen derzeit am Institut, weitere Mitarbeitende streben eine Promotion an.

Zu den Aktivitäten zählt die Transferwerkstatt Wasser in Zusammenarbeit mit hoferLand.digital. Sie unterstützt Kommunen dabei, Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser und die Folgen des Klimawandels zu entwickeln. Auch das Kompetenz- und Transferzentrum nachhaltige Schwammstadt/-region (ktns) vermittelt praxistaugliche Konzepte, mit denen Städte und Gemeinden Regenwasser besser speichern und nutzen können. Die Förderung des Zentrums läuft allerdings Ende 2026 aus.

Drei Leuchtturmprojekte zeigen die thematische Vielfalt des Instituts: ReKorD entwickelt aus Reststoffen der Tierhaltung organisch-mineralische Düngerpellets, um Nährstoffkreisläufe zu schließen und mineralische Düngemittel einzusparen. Teichkreis untersucht, wie natürliche Materialien überschüssige Nährstoffe in Fischteichen binden und dadurch die Wasserqualität verbessern können. WasABI entwickelt ein modulares Wasseraufbereitungssystem für Aquakulturen, das die mehrfache Nutzung von Wasser ermöglicht und mit Biogasanlagen zur Verwertung organischer Reststoffe und Wärmenutzung verknüpft werden soll. Mit dem geplanten Umzug in das neue Zentrum für Wasser und Energie (ZWE) erhält das inwa zusätzliche Möglichkeiten für Forschung und Kooperation.

Dr. Andreas Aicher in Vertretung von Institutsleiter Prof. Günter Müller-Czygan; Bild: Hochschule Hof;

Spotlight ifm

Das Institut für Materialwissenschaften (ifm) stellte, vertreten durch Institutsleiter Prof. Dr. Frank Ficker, seine Forschungsschwerpunkte und technischen Möglichkeiten vor. 32 Mitarbeitende arbeiten derzeit an 28 laufenden Projekten. Zwei große Fachveranstaltungen stärken den Austausch mit der Industrie: Die internationale NTC Conference zu Schmaltextilien, Flechttechnologien und intelligenten Textilien brachte rund 100 Teilnehmende zu 35 Fachvorträgen zusammen. Die Hofer Vliesstofftage ziehen jedes Jahr rund 500 Fachleute aus Industrie und Forschung an.

Um neue Materialien und Fertigungsverfahren zu entwickeln, wurde die technische Ausstattung um mehrere Anlagen erweitert. Dazu gehören eine Schmelzspinnanlage zur Herstellung von Fasern, Flechtmaschinen für komplexe textile Strukturen sowie Laborgeräte zur Verarbeitung und Prüfung von Fasern und Kunststoffen. Damit kann das Institut innovative Materialien entwickeln und deren Eigenschaften gezielt untersuchen.

Ein Leuchtturmprojekt ist SALIX AFS, das Weidenholz als nachwachsenden Rohstoff für textile Anwendungen nutzbar machen soll. Ziel ist es, Holzfasern zu kontinuierlichen Fäden zu verarbeiten und daraus mithilfe von Web- und Flechttechnologien neue Strukturen für Architektur, Innenausbau und Leichtbau herzustellen. Auch textile Fahrradschlösser und Space Mesh verdeutlichen die Anwendungsbreite der Forschung: Während bei Fahrradschlössern textile Materialien für innovative Sicherungslösungen untersucht werden, geht es bei Space Mesh um textile Strukturen für Anwendungen in der Raumfahrt.

Prof. Dr. Frank Ficker; Bild: Hochschule Hof;

Die kurzen Präsentationen sollten bewusst einen Überblick ermöglichen und Gespräche über mögliche Kooperationen anstoßen. Zugleich erhielten die Teilnehmenden ein Update darüber, was sich seit dem letzten Institutekolloquium in den Instituten getan hatte.

90 Minuten für persönliche Gespräche: der Posterwettbewerb

Ein fester Bestandteil der Veranstaltung blieb der Posterwettbewerb. Allerdings fand erstmals vor Ort dazu auch eine 90 minütige Postersession statt, um möglichst viel Raum für den persönlichen Austausch zu schaffen.

Die Teilnehmenden konnten sich im Foyer ausführlicher mit den vorgestellten Forschungsarbeiten beschäftigen, Fragen stellen und direkt mit den Forschenden ins Gespräch kommen. Alle Anwesenden waren dann eingeladen, die Poster zu bewerten und damit die aus ihrer Sicht überzeugendsten Beiträge auszuwählen.

Die Gewinner des Posterwettbewerbs:

  • 1. Platz (200 Euro):   CataCOD, Axel Wolfram (inwa)
  • 2. Platz (100 Euro):   TechCirclePolymers, Isabell Kleiber & Dr. Christin Baumgart (ibp)
  • 3. Platz (50 Euro):     „Wer widerspricht der KI?“, Shantall Cisneros Saldana (iisys)
Die Siegerinnen und Sieger des Posterwettbewerbs: Axel Wolfram, Isabell Kleiber, Dr. Christin Baumgart sowie Shantall Cisneros Saldana (iisys) – sie wurden ausgezeichnet von ibp-Institutsleiter Prof. Dr. Michael Nase (links) und Kübra Aslan in Vertretung des Sponsors MEDIAN Kunststoff Service GmbH; Bild: Hochschule Hof;

Unterstützt wurde der Wettbewerb von der MEDIAN Kunststoff Service GmbH – einer Ausgründung der Hochschule Hof -die Preisgelder in Höhe von 200 Euro für den ersten, 100 Euro für den zweiten und 50 Euro für den dritten Platz bereitstellte. Die Preisverleihung bildete den Höhepunkt des zweiten Veranstaltungsteils.

Promotionsmöglichkeiten und Resilience Lab

Ergänzend zu den Spotlight-Vorträgen griff das Kolloquium zuvor zwei weitere Themen auf. Promoventin Denise Bohrisch informierte über Promotionsmöglichkeiten an der Hochschule Hof und zeigte damit Wege auf, sich wissenschaftlich weiterzuentwickeln und eigene Forschungsvorhaben voranzutreiben.

Promoventin Denise Bohrisch; Bild: Hochschule Hof;

Abschließend stellte Dr. Andreas Aicher dann noch das Projekt Resilience Lab etwas ausführlicher vor. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Städte und ländliche Regionen besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden können. Auf dem Hofer Campus entsteht dafür ein realer Forschungsraum, in dem Maßnahmen wie Dachbegrünung, Regenwasserspeicherung und begrünte Fassaden unter anderem im Hinblick auf Starkregen und Trockenperioden untersucht werden. Sensoren und digitale Daten helfen dabei, Wasserflüsse zu erfassen und ein vorausschauendes Wassermanagement zu entwickeln. Das interdisziplinäre Projekt verbindet Forschung mit praxisnahen Lernangeboten und bringt Kompetenzen aus verschiedenen Fachgebieten zusammen, um klimaangepasste Lösungen zu entwickeln und den Umgang mit komplexen Herausforderungen zu vermitteln.

Austausch als Ausgangspunkt für neue Kooperationen

Mit der Weiterentwicklung des Institutekolloquiums rückte die Hochschule Hof die Vernetzung ihrer Forschungslandschaft stärker in den Mittelpunkt. Die Kombination aus kurzen Institutspräsentationen, Postersession und ergänzenden Fachvorträgen bot unterschiedliche Möglichkeiten, Forschung kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.

„Gute Forschung lebt nicht nur von der Expertise des eigenen Teams, sondern auch vom Blick über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinaus. Das Institutekolloquium sollte dafür einen Rahmen schaffen – damit aus dem gegenseitigen Kennenlernen konkrete Gespräche und im besten Fall neue gemeinsame Forschungsprojekte entstehen.“

Prof. Dr. Michael Nase

Zum Abschluss wurde der Staffelstab an den nächsten Gastgeber, das Institut für Materialwissenschaften (ifm) übergeben, bevor die Veranstaltung kulinarisch ausklang. In einer ersten Befragung äußerten sich im Nachgang 93% der Besucherinnen und Besucher positiv zum neuen Konzept des Institutskolloquiums.

Rainer Krauß
Veröffentlichung: 16.10.2026

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