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#kickstart2025: Mit finanziellem Boost in Richtung Gründung

Mit KICKSTART hat die Hochschule Hof ein Förderprogramm aufgelegt, das in einer sehr frühen Phase einer möglichen Gründung ansetzt – bei den Ideen bzw. Prototypenentwicklung. Sechs Monate haben die KICKSTART-Teams Zeit, ihre Idee zu einem MVP (Minimum Viable Product) oder Prototyp zu entwickeln.

Wir stellen vor: Testanlage für Kassettenfiltersysteme zur Reinigung von Abwässern in Entlastungsbauwerken – FilTex

Die Mission

Unsere Mission ist es, die Wasserqualität unserer Gewässer nachhaltig zu schützen. Nach Starkregenereignissen gelangen oft ungeklärte Abwässer aus Entlastungsbauwerken von Kläranlagen und Kanalsystemen in die Umwelt. Bestehende Systeme filtern zwar grobe Partikel heraus, lassen jedoch Feinpartikel, Medikamentenrückstände und biologische Schadstoffe passieren. Wir lösen dieses Problem durch die Entwicklung eines innovativen, modularen Kassettenfiltersystems. Diese anpassbare Zusatzstufe für bestehende Anlagen nutzt spezielle Filtertextilien, um auch feinste Schadstoffe zuverlässig aus dem Abwasser zu entfernen. Um die Wirksamkeit unter realen Bedingungen zu validieren, konstruieren wir eine kostengünstige Testanlage im Labormaßstab. Mit dieser können wir das Rückhaltevermögen des Systems präzise mit künstlich erzeugtem, definiertem Abwasser testen und optimieren. Unser Ziel ist es, Kommunen und Stadtwerken eine effektive und nachrüstbare Lösung anzubieten, um zukünftigen, strengeren Anforderungen an die Gewässerreinhaltung gerecht zu werden und die Einleitung von Schadstoffen in die Natur signifikant zu reduzieren.

Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?

Der Auslöser war die bekannte Schwachstelle im System: Bei Starkregen sind Kläranlagen überlastet und Schadstoffe fließen ungefiltert in die Natur. Da bestehende Filtersysteme hier an ihre Grenzen stoßen, wollten wir eine pragmatische Lösung finden. Unsere Idee war es daher, die Entwicklung eines effektiven Zusatzfilters direkt mit einer realistischen Testmöglichkeit zu koppeln. So entstand der Plan für ein flexibles, modulares Kassettenfiltersystem, das wir in einem kostengünstigen Teststand gezielt verbessern und validieren können.

Ein Studium oder Beruf allein ist schon sehr zeitintensiv und anstrengend. Dennoch, beschäftigt Ihr Euch parallel dazu noch mit der Entwicklung einer eigenen Gründungsidee. Woher nehmt ihr die Motivation?

Die Zeit ist definitiv eine Herausforderung. Doch die Motivation kommt daher, dass wir nicht nur über ein Problem reden, sondern es aktiv anpacken. Es ist der Gedanke, dass wir mit unserer Arbeit direkt dazu beitragen können, unsere Flüsse und Seen sauberer zu machen. Während der Alltag oft anspruchsvoll ist, ist dieses Projekt unser Weg, etwas Greifbares und Nachhaltiges zu schaffen. Diese Aussicht motiviert uns jeden Tag aufs Neue.

Das Kickstart-Programm ist gedacht, um die Weiterentwicklung von Ideen, die sich in einem sehr frühen Stadium befinden, zu fördern. Dafür stehen Euch bis zu 7.500 Euro finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Wie setzt Ihr die Förderung konkret ein?

Die Förderung von 7.500 Euro ermöglicht es uns, aus dem Konzept einen Prototyp in verkleinertem Maßstab zu bauen, die hydraulischen Erfordernisse zu prüfen und zu optimieren sowie seine Wirksamkeit zu beweisen. Die Mittel werden konkret wie folgt eingesetzt:
Ein Großteil fließt in die Ausstattung der Testanlage, also in 3D-Druck- und Frästeile für den Aufbau sowie in die Steuerung (Raspberry Pi, Motoren).
Ein weiterer Teil wird für die intelligente Sensorik und Elektronik verwendet, um die Filterleistung präzise und live zu messen.
Der Rest wird für die Durchführung der Tests benötigt, indem wir aus Materialien wie Medikamentenresten und Mikroplastik ein definiertes Abwasser herstellen, um die Funktion wissenschaftlich zu validieren.

Nach Ablauf der sechs Monate, wisst Ihr bereits, wie es mit Euch weitergehen soll? Was sind Eure langfristigen Ziele? Strebt Ihr eine Gründung an?

Nach erfolgreichem Abschluss der Prototypentwicklung werden wir den nächsten entscheidenden Schritt gehen und aktiv auf potenzielle Kooperationspartner zugehen. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf Stadtwerke sowie Hersteller von Entlastungsbauwerken. Parallel dazu setzen wir die technologische Weiterentwicklung unseres Systems fort. Wir planen, weitere Textilien zu erproben, um Schadstoffe noch effektiver zu eliminieren. Zudem werden wir verschiedene Filterformen und -kombinationen in unserer Anlage testen, um die Reinigungsleistung kontinuierlich zu optimieren. Unser übergeordnetes, langfristiges Ziel ist es, das Filtersystem zur Marktreife zu entwickeln. Wir streben an, dass es sich als feste Standardausrüstung in Entlastungsbauwerken etabliert.

Was sind Eure Learnings bisher aus dem Projekt? Was möchtet Ihr anderen Gründungsinteressierten gerne mit auf den Weg geben?

Unser zentrales Learning aus der Entwicklung unserer Testanlage für Kassettenfiltersysteme ist, dass ein gutes Konzept allein nicht ausreicht – die praktische Umsetzung ist das, was wirklich zählt und oft unterschätzt wird. Wir haben schnell gemerkt, dass der Aufbau unseres Prototyps aus 3D-Druck- und Frästeilen sowie die Integration der Sensorik zur Überwachung des künstlichen Abwassers weitaus zeitintensiver ist als ursprünglich geplant. Anderen Gründungsinteressierten möchten wir daher mit auf den Weg geben, sich nicht zu lange in der Theorie zu verlieren. Es ist entscheidend, mutig den Schritt zur praktischen Umsetzung zu wagen, frühzeitig einen Prototyp zu bauen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Lösung eines echten Problems für eine klare Zielgruppe. Denn erst der funktionierende Prototyp beweist potenziellen Partnern wie Stadtwerken und Herstellern, dass die eigene Idee – in unserem Fall die effektivere Reinigung von Abwässern zur Einhaltung zukünftiger Umweltauflagen – nicht nur innovativ, sondern auch realisierbar ist.

Skizze: Hochschule Hof
Camilla Lenz

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