Mit der traditionellen Lehrerfortbildung und der anschließenden Auftaktveranstaltung an der Hochschule Hof ist die CONTACTA HochFranken 2026 gestartet. Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler werden am 23. und 24. September an der Hochschule erwartet. Rund 60 Unternehmen und Institutionen geben Einblicke in Ausbildungsberufe, Studiengänge und weitere Möglichkeiten nach der Schule. Ergänzt wird das Messeangebot durch zahlreiche persönliche Gespräche und Vorträge aus der Berufspraxis.

Den Auftakt der diesjährigen CONTACTA bildete traditionell die Regionale Lehrerfortbildung im Audimax der Hochschule Hof, die vor der Rekordzahl von über 120 Lehrkräften – u.a. dem gesamten Kollegium des Luisenburg-Gymnasiums Wunsiedel – stattfand.
„Unsere Fortbildung unterstreicht den Anspruch der CONTACTA, Berufs- und Studienorientierung nicht isoliert zu betrachten. Gute Orientierung beginnt bereits mit der Wissensvermittlung im schulischen Alltag. Natürlich hat die KI hier einiges verändert, denn sie wird unter anderem für Hausaufgaben genutzt, ob uns das gefällt oder nicht. Daraus alleine ergeben sich viele Veränderungen“, so Dr. Dorothee Strunz, CONTACTA-Initiatorin und Vorsitzende des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT Hof, bei ihrer Begrüßung.

Mehr Verantwortung für das eigene Lernen tragen
Im Mittelpunkt der Lehrerfortbildung stand auch deshalb diesmal das Thema „Selbstreguliertes Lernen als neue Form der Wissensvermittlung. Chancen, Risiken und praktische Erfahrungen“. Sie wurde in diesem Jahr von Katja Plank von der Staatlichen Schulberatungsstelle für Oberfranken gemeinsam mit Oberstudienrätin Danièlle Müller vom Hochfranken-Gymnasium Naila gestaltet. Im Mittelpunkt stand damit eine Lernform, bei der Schülerinnen und Schüler stärkere Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen.
„Die richtige Strategievermittlung durch Lehrerinnen und Lehrer ist dabei ganz wichtig. Wenn das nicht passiert, entfällt fast schon jede Grundlage des selbstregulierten Lernens – denn von alleine eignet sich das fast niemand an.“
Katja Plank, Staatliche Schulberatungsstelle für Oberfranken
Grundlegende pädagogische Ziele
Für Lehrkräfte stellt sich dabei unter anderem die Frage, welche Modelle selbstregulierten Lernens welche Chancen eröffnen, wo mögliche Herausforderungen liegen und welche Erfahrungen sich bereits für die praktische Umsetzung nutzen lassen. Bei der Erarbeitung entsprechender Antworten wurden die Pädagoginnen und Pädagogen immer wieder auch interaktiv einbezogen. Grundlegende Ziele der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern seien demnach u.a. die Schaffung von autonomiebezogenen Lernumgebungen, die Aufrechterhaltung der Motivation, die Förderung von Selbstwirksamkeit und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie die Befähigung zu lebenslangem Lernen.
Das „Churer Modell“ für eine bessere Strategievermittlung
Darüber hinaus wurden allerlei Tipps zur Umsetzung einer geeigneten Strategievermittlung gegeben – unter anderem über das „Churer Modell“, das von Danièlle Müller vorgestellt wurde. Dies ist ein Unterrichtsmodell, bei dem Schülerinnen und Schüler möglichst selbstständig und in wechselnden Sozialformen lernen, während die Lehrkraft den Lernprozess gezielt begleitet und unterstützt. Kennzeichnend sind eine klare Strukturierung des Lernraums, kurze gemeinsame Inputs und anschließende individuelle bzw. kooperative Lernphasen, in denen die Lernenden selbst Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen.
Orientierung bei fast grenzenlosem Angebot
Zur anschließenden Auftaktveranstaltung kamen rund 120 Gäste aus Schulen, Wirtschaft und den unterstützenden Serviceclubs in den größten Vorlesungsraum der Hochschule Hof. Dr. Dorothee Strunz begrüßte dazu die Ehrengäste Stefan Schmalfuß, Oberbürgermeister der Stadt Hof und Martina von Waldenfels, stellvertretende Landrätin des Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge, und betonte:
„Seit 16 Jahren steht die CONTACTA für das Brückenbauen zwischen Schule und Arbeit, Theorie und Praxis und jungen Menschen und ihrer Zukunft. In einer Zeit, in der 22.000 Studiengänge und über 1000 Ausbildungsgänge zur Verfügung stehen, braucht man authentische Vorbilder – und genau diese findet man hier! Alleine die Berufsinformation der Serviceclubs umfasst 55 Vorträge aus unterschiedlichsten Berufsfeldern.“
Dr. Dorothee Strunz, Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT
Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff, Vizepräsident Lehre und Weiterbildung der Hochschule Hof, sprach bei seinem Auftaktimpuls die Herausforderungen an, die sich aus der jüngsten PISA-Studie ergeben:
„Wenn ein Drittel der 15- und 16-Jährigen nicht mehr über grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik verfügt, dann verändert das auch unsere Lehre. Ganz wichtig ist: Studierfähigkeit ist aber mehr als eine reine fachliche Kompetenz, sondern sie bedeutet auch methodische Kompetenz, Zeitmanagement, Durchhaltevermögen und Neugier. Hier stehen wir vor einer großen Herausforderung: Wir wollen weder die Lücken kompensieren, noch wollen wir unser eigenes Niveau der Lehre absenken. KI ist dabei nicht nur die größte Revolution seit dem Internet, sondern auch Chance und Gefahr.“
Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff, Vizepräsident Lehre Hochschule Hof
Stefan Schmalfuß, Oberbürgermeister der Stadt Hof, betonte in seinem Grußwort:
„Als Stadt Hof sind wir stolz, dass wir die CONTACTA in Hof durchführen können. Bevor uns junge Menschen aber fragen, welche Möglichkeiten sie hier haben, müssen wir uns dieser vielen Möglichkeiten zunächst selbst immer wieder bewusst sein – denn die haben wir im Hofer Land. Für eine gute Zukunft muss man weder nach München, nach Stuttgart oder in eine andere Stadt gehen.“
Stefan Schmalfuß, Oberbürgermeister der Stadt Hof
Martina von Waldenfels, Stellvertretende Landrätin des Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge, gab zu bedenken:
„Niemand muss schon nach dem Abitur den gesamten eigenen Lebenslauf kennen oder vorplanen – Orientierung darf schließlich mitwachsen. Bei der CONTACTA dürfen alle ihre eigenen Fragen stellen. Vielleicht entstehen dort bereits erste Kontakte, vielleicht aber auch nur eine erste Idee – beides ist wertvoll!“
Martina von Waldenfels, Stellv. Landrätin des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge
Oberstudienrätin Martina Schmidt-Kessel, Stellvertreterin des Ministerialbeauftragten für Gymnasien in Oberfranken, Schulleitung des Jean-Paul-Gymnasiums Hof, bemerkte in ihrem Grußwort schließlich:
„Was diese Veranstaltung so besonders macht, ist der Kontakt zu realen Menschen, die kompetent über ihre Berufe informieren – mit allem positiven und negativen Aspekten. Das kann zumindest glaubhaft noch keine KI.“
Martina Schmidt-Kessel, Stellv. des Ministerialbeauftragten für Gymnasien in Oberfranken






Im Rahmen eines Podiumsgespräch mit Moderatorin Maniana Füg vom Hofer Jean-Paul-Gymnasium rekapitulierten dann die Referentinnen der Lehrerfortbildung, Danièlle Müller und Katja Plank, zunächst das Thema „Selbstreguliertes Lernen als neue Form der Wissensvermittlung“.
Ein besonderer Höhepunkt war dann einmal mehr die Verleihung des P-Seminarpreises 2026 der Unternehmerinitiative Hochfranken, die von Sprecher Jürgen Werner vertreten wurde. In diesem Jahr wurden dafür 20 Seminare und Projekte von zehn Schulen eingereicht. Fünf Projekte erhielten einen gleichwertigen Preis in Höhe von jeweils 300 Euro. Die Schülerinnen und Schüler stellten ihre Projekte bei der Preisverleihung selbst in kurzen Präsentationen vor. Ausgezeichnet wurden Projekte, die durch Eigeninitiative, Kreativität, Praxisnähe, regionale Wirkung und gesellschaftliche Relevanz überzeugten.
Medienarbeit mit internationaler Reichweite
Vom Jean-Paul-Gymnasium Hof wurde das Seminar „Inside the International Violin Competition Henri Marteau 2026“ ausgezeichnet. Unter Leitung von Tatjana Drechsler begleiteten die Schülerinnen und Schüler den Internationalen Violinwettbewerb Henri Marteau medial und produzierten Beiträge für dessen offizielle Social-Media-Kanäle. Die Jury würdigte insbesondere die hohe Eigenverantwortung der Jugendlichen bei einer professionellen Medienproduktion, den Erwerb von Medienkompetenz sowie den Umgang mit Kamera-, Licht- und Tontechnik. Das Projekt verbindet damit kulturelle Bildung und praktische Medienarbeit mit einer regionalen und zugleich internationalen Ausstrahlung.

Inklusion praktisch erlebbar
Das Schiller-Gymnasium Hof erhielt den P-Seminarpreis für „Behindert mich nicht! – Inklusion aktiv mitgestalten und erleben“. Unter Leitung von Michaela Berner-Sebald beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler über ein gesamtes Schuljahr hinweg mit dem Thema Inklusion. Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Eislaufen, Theaterbesuchen, Kochen, Bowling, Zoobesuchen oder Adventure Golf entstanden persönliche Begegnungen zwischen Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Die Jury hob neben dem gesellschaftlichen Engagement insbesondere die nachhaltige Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung und den Beitrag zu Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt hervor. Gleichzeitig erhielten die Jugendlichen Einblicke in soziale und pädagogische Berufsfelder.

Junge Ausbilder für mehr Sicherheit im Wasser
Am Walter-Gropius-Gymnasium Selb stand mit dem Projekt „Seepferdchen-Ausbilder“ ein besonders praxisorientierter Ansatz im Mittelpunkt. Unter Leitung von Patrick Bachmann wurden Schülerinnen und Schüler zu jungen Multiplikatoren in der Schwimmausbildung ausgebildet. Dabei erwarben sie praktische, pädagogische und sicherheitsrelevante Kompetenzen, die sie anschließend an jüngere Kinder weitergeben konnten. Die Jury überzeugte insbesondere die Verbindung von sportlicher Ausbildung, Ehrenamt und gesellschaftlicher Verantwortung sowie der Peer-to-Peer-Ansatz. Das Projekt leistet damit einen konkreten Beitrag zur Schwimmförderung und zur Sicherheit von Kindern und Jugendlichen in der Region. Die Gruppe war aufgrund eines aktuellen Vorfalls leider verhindert, weshalb Schulleiterin OStDin Tabea-Stephanie Amtmann das Seminar vorstellte.

Wissenschaft trifft Bürgerbeteiligung
Das Hochfranken-Gymnasium Naila wurde für das Seminar „Hydrologie – Wissenschaft, Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung“ ausgezeichnet. Unter Leitung von Ann-Katrin Marquardt verbanden die Schülerinnen und Schüler wissenschaftliches Arbeiten mit Fragen des nachhaltigen Wassermanagements und der Beteiligung der Bevölkerung. Besonders hervor hob die Jury die große Zahl externer Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Hand sowie den regionalen Nutzen des Projekts. Als Citizen-Science-Projekt bezog das Vorhaben Bürgerinnen und Bürger in die Datenerhebung ein. Ergänzt wurde die wissenschaftliche Arbeit durch die eigenständige Planung und Durchführung eines Wasserfestes mit mehr als 500 Besucherinnen und Besuchern.

Menschenrechte sichtbar gemacht
Das fünfte ausgezeichnete Projekt stammt vom Frankenwald-Gymnasium Kronach. Im Seminar „Mensch, du hast Recht(e)!“ unter Leitung von Matthias Simon setzten sich die Schülerinnen und Schüler kreativ mit den 30 Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auseinander. Entstanden ist unter anderem eine öffentliche Schaufensterausstellung in Kronach. Die Jugendlichen gestalteten Plakate und organisierten eine Auftaktveranstaltung, um das Thema Menschenrechte in die Stadtgesellschaft zu tragen. Die Jury würdigte die zeitgemäße Auseinandersetzung mit Menschenrechten ebenso wie die Förderung von Demokratieverständnis, Wertebildung und gesellschaftlicher Verantwortung.

Zwei Messetage mit vielen persönlichen Kontakten
Nach dem Auftakt richtet sich der Blick nun auf die beiden eigentlichen Messetage am 23. und 24. September. Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler aus den regionalen Gymnasien sowie der FOS/BOS erhalten an der Hochschule Hof die Gelegenheit, unterschiedliche Bildungs- und Berufswege kennenzulernen. Rund 60 Unternehmen und Institutionen stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Dabei geht es nicht allein darum, Informationsmaterial zu sammeln. Die Jugendlichen können direkt mit Unternehmen, Hochschulvertretern und erfahrenen Berufstätigen ins Gespräch kommen, Fragen stellen und unterschiedliche Perspektiven auf die Arbeitswelt kennenlernen.
Unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Jahrgangsstufen
Das Konzept der CONTACTA berücksichtigt dabei, dass Schülerinnen und Schüler je nach Jahrgangsstufe vor unterschiedlichen Entscheidungen stehen. Für die 11. Klassen geht es beispielsweise um erste Einblicke in die Arbeitswelt, Praktika, Ferienarbeit und Kontakte für P-Seminare. In der 12. Jahrgangsstufe stehen persönliche Berufsbiografien und Erfahrungen im Mittelpunkt. Für die 13. Klassen bietet die CONTACTA unter anderem Informationen zu Studienwahl, Bewerbung, Studienfinanzierung und Auslandsaufenthalten.
Ein wichtiger Bestandteil ist außerdem die Berufsinformation der hochfränkischen Rotary-, Lions- und Soroptimist-Clubs. In zahlreichen Vorträgen berichten Fach- und Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen über ihren Berufsalltag und ihren persönlichen Weg. So erhalten die Jugendlichen Einblicke in Berufsfelder wie Architektur, Ingenieurwesen, Informatik, Medizin, Journalismus, Lehramt, Sozialarbeit, Management, Marketing oder Kunst.
CONTACTA verbindet Schule, Hochschule und Arbeitswelt
Die CONTACTA HochFranken wird vom Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT Hof und der Hochschule Hof gemeinsam getragen und von den hochfränkischen Rotary- und Lionsclubs sowie dem Soroptimist Club International Hof/Saale unterstützt. Die Veranstaltung bringt damit Schulen, Hochschule, Unternehmen und engagierte Fach- und Führungskräfte zusammen.
Weitere Informationen und das vollständige Programm unter www.contacta-hochfranken.de.





