
Fünf Tage, neun kreative Köpfe, ein gemeinsames Ziel: Lösungen für eine bessere Zukunft entwickeln – das ist die Ideationweek an der Hochschule Hof. Auch 2025 stand die Woche wieder ganz im Zeichen der Innovation. Studierende verschiedenster Disziplinen kamen Mitte Juni zusammen, um mit Design Thinking reale Herausforderungen zu lösen. Unterstützt von Coaches und Methoden-Trainings tauchten sie in ein hoch relevantes Thema ein: “From Waste to Future – Wolle braucht deine Idee!”
Warum Schafwolle?
Der Themenschwerpunkt 2025 setzte ein klares Zeichen für regionale Nachhaltigkeit: Die Teams beschäftigten sich mit dem ungenutzten Potenzial von deutscher Schafwolle, insbesondere vom robusten Schwarzkopfschaf. Während Merinowolle aus Australien boomt, bleibt heimische Wolle meist als Abfallprodukt liegen – eine Ressourcenverschwendung mit großem Innovationspotenzial. Ziel war es, Anwendungen zu entwickeln, die der heimischen Wolle einen neuen, marktfähigen Wert verleihen. Typisch und charakteristisch für den Design Thinking Prozess ist es, zunächst das Problem aus Anwender und Kundensicht zu verstehen. Gleich zu Beginn der Woche stand deshalb eine Exkursion zum Schäfer Michael Ulsamer an, der zusammen mit einer Kollegin mit seinen über 600 Schafen das grüne Band beweidet und ersten Kontakt zu der Wollproblematik und das Thema Schaf für die Studierenden bot.

Weitere, tiefgehende Insights lieferte der Fachvortrag von Lena Bächer, welche im Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof u.a. an der effizienten Produktion von Lebensmitteln forscht. Auch in diesem Bereich spielt Rohwolle vom Schaf bereits eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem Institut für Materialwissenschaften (ifm) wir hier an der Möglichkeit von Schafwolle als Ersatz für Pflanzensubstrat geforscht (Hier geht es zum Campulsartikel). Das fachliche Know-How zu den technischen Eigenschaften des Rohprodukts “Schafwolle” bzw. der Wollfasern von Frau Bächer führte die Ideenentwicklung der Studierenden weiter in die Tiefe möglicher, spannender Anwendungsbereiche.

Zusammen mit den Ideen aus der ersten Ideationsrunde, entstand im Verlauf des Workshops von Frau Bächer ein breites Sammelsurium an innovativen, ersten Lösungsansätzen. Die besten und vielversprechendsten Ideen wurden von den Studierenden durch ein Ranking herausgearbeitet. Die drei Teams fokussierten sich auf die folgenden Lösungsideen und entwickelten sie während der Ideationweek weiter:
GreenLine: Das Woll-Vlies gegen tropfende Biomülltüten
Das Team “GreenLine” entwickelte eine Lösung für ein bekanntes Haushaltsproblem: durchweichte Biomülltüten. Der Ansatz: ein biologisch abbaubares Woll-Vlies, das als Einlage in die Tüten gelegt wird. Der Prototyp aus Schwarzkopfwolle zeigte beeindruckende Ergebnisse: Er hielt Feuchtigkeit über eine Stunde lang ab – herkömmliches Papier versagte bereits nach einer Minute. Das Team setzte auf ein cleveres Geschäftsmodell mit Abo-System und Freemium-Testpaketen für öffentliche Einrichtungen. Ein starker USP: Die Wolle wirkt nicht nur stabilisierend, sondern reduziert auch unangenehme Gerüche – und das ganz ohne Kunststoff.

LanoPot: Der Topf, der mitwächst
Nachhaltiger Pflanzenanbau ohne Plastik – dafür steht der “LanoPot”. Das Team um dieses Produkt entwickelte einen biologisch abbaubaren Pflanztopf aus Schwarzkopfwolle, der nicht nur kompostierbar ist, sondern auch aktiv Wasser speichert und Nährstoffe liefert. Der Topf wird einfach mit in die Erde gesetzt und verbessert dort langfristig die Bodenqualität. Besonders spannend: die emotionale Komponente. Der LanoPot soll nicht nur funktional, sondern auch als nachhaltiges Geschenkset erhältlich sein – etwa mit Samen oder Kräutern. Im Pitch überzeugte der Topf als plastikfreie, regionale und ästhetisch ansprechende Alternative für den Gartenbau.

TerraWool: Der Dünger für urbane Gärten
Ein weiteres Team setzte auf die Synergie von Nachhaltigkeit und Urban Gardening. Ihr Produkt “TerraWool” kombiniert Pflanzerde mit ungewaschener Schwarzkopfwolle zu einem natürlichen Langzeitdünger mit Wasserspeichereffekt. Die Zielgruppe: städtische Balkongärtner und -innen, Hochbeet-Fans und alle, die in kleinen Räumen ökologisch gärtnern möchten. Der Clou: Die Schafwolle zersetzt sich langsam, reichert den Boden an und speichert Wasser – besonders wertvoll in heißen, trockenen Sommern. Auch das Geschäftsmodell überzeugt: Direktvertrieb über einen Online-Shop mit QR-Code und Storytelling zur Herkunft der Wolle. Ganz im Sinne des “Trash-to-Cash”-Prinzips.

Teamwork, Kreativität – und eine Floßbauchallenge
Ein besonderes Highlight der diesjährigen Ideationweek war der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Unterstützung des kreativen Prozesses. In einem interaktiven Workshop zum Thema Prompting von Bastian Schatz lernten die Teilnehmenden, wie sie mit gezielten Eingaben – sogenannten Prompts – innovative Ideen aus KI-Systemen wie ChatGPT herauskitzeln können. Ob beim Brainstorming, zur Visualisierung von Prototypen oder zur Bewertung von Konzepten: Die KI wurde von vielen Teams als wertvolles Tool erlebt, das Denkprozesse erweitert, Perspektivwechsel ermöglicht und die Ideenfindung beschleunigt. Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie digitale Werkzeuge sinnvoll in kreative Prozesse integriert werden können – nicht als Ersatz, sondern als inspirierende Ergänzung menschlicher Innovationskraft.
Neben intensiver Projektarbeit bot die Ideationweek auch Raum für Spaß und Teambuilding. Bei der legendären Floßbauchallenge am Untreusee traten zwei Teams gegeneinander an, um mit Paletten, Fässern, Brettern und Seilen ein schwimmfähiges Gefährt zu bauen. Beide Konstruktionen hielten stand – wurden aber, für alle Fälle – von der DLRG Hof bei ihrer Fahrt abgesichert. Die Challenge zeigte eindrucksvoll, wie viel Kreativität, handwerkliches Geschick und Teamgeist in den Studierenden steckt – eine perfekte Metapher für den Innovationsprozess selbst.

Fazit: Von der Idee zum Prototyp – und darüber hinaus
Die Ideationweek 2025 zeigte einmal mehr, wie aus einer scheinbar banalen Ressource wie ungenutzter Schafwolle marktfähige, kreative Produkte entstehen können. Mit Methoden aus dem Design Thinking, KI-gestützter Ideengenerierung und viel Engagement entwickelten die Studierenden Lösungen, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich tragfähig sind. Die Woche war nicht nur ein Innovationslabor, sondern auch ein Erlebnis, das Mut macht – für die Zukunft, für regionale Rohstoffe und für junge Startups an der Hochschule Hof.



