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3. “Dies Academicus”: Forschung zum UV-Schutz für Obst und Modellauto in der Lehre gewinnen erste Preise

Der Dies Academicus der Hochschule Hof 2025 gab Vertreterinnen und Vertreter aus regionalen Organisationen und Unternehmen erneut die Möglichkeit, die laufende Forschung der Hochschule Hof aus erster Hand kennenzulernen. Die Fachjurys wählten hierzu aus eingereichten Lehr- und Forschungsprojekten die Finalistinnen und Finalisten aus, die ihre Projekte präsentierten und sich dem Live-Publikumsvotum stellten. Fachlich und finanziell wurde die Veranstaltung von den Freunden und Förderern der Hochschule Hof unterstützt.

Das Institut für Informationssysteme (iisys) war Schauplatz der Preisverleihungen im Zuge des 3. Dies Academicus an der Hochschule Hof; Bild: Hochschule Hof;

„Ich hätte nie gedacht, dass ich nach über 30 Jahren einmal hier stehen würde – bei einer Hochschule, die trotz aller Widrigkeiten so dynamisch gewachsen ist.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Christian Heinrich Sandler, Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule Hof, den Dies Academicus 2025, und nahm damit Bezug auf die Gründungsgeschichte der Hochschule Hof. Die Veranstaltung sei eine akademische Feierstunde und ein Zeugnis dafür, was möglich ist, wenn Hochschule und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten.

Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann betonte:

Ein Format wie der Dies Academicus erlaubt den Blick von außen – und genau dieser Blick ist wertvoll für unsere Arbeit.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann

Absolventen der Hochschule finden ihren Weg in Beschäftigungen und in Führungspositionen mittelständischer Unternehmen aus der Region, und die Forschenden der Hochschule arbeiten angewandt mit ihnen zusammen. Die besten Projekte aus dieser kooperativen Spannweite wurden anlässlich des Dies Academicus ausgezeichnet.

Dr. Christian Heinrich Sandler; Bild: Hochschule Hof;

Gewinner beim Preis der Forschung: Sonnenschutz für den Obstanbau

Den ersten Preis für die Forschung, ausgewählt durch das Publikum, gewannen Dr. Enrico Putzke, Karline Großer, Roxana Miksch und Daniela Storch, ForscherInnen des Instituts für Materialwissenschaften (ifm). Ihr Thema: Sich selbst analog regulierende Sonnenschutznetze für Obst. Das Problem: Im Zuge des Klimawandels können in unserer Klimazone angebaute Früchte im Juni/Juli durch UV-Strahlung regelrecht verkochen, weswegen Netze aus Textil werden über den Bäumen und Sträuchern gespannt werden. „Dies kann zu einem Ernteverlust von bis zu 30 Prozent führen“, so Projektleiter Putzke. Traditionell hielten diese Netze bislang Hagel ab, jetzt werden neue Funktionalitäten ergänzt: Die Garne des ifm haben fotochrome Werkstoffe, die angepasst an die UV-Werte ihrer Umwelt ihre Farbe von farblos auf dunkel und zurück regulieren können. So wird ohne Sensorik und Apps passiv und klimaneutral die Sonnenintensität geregelt, ohne zu viel Schatten auf die Früchte zu werfen. Getestet wird an Äpfeln und Beeren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Südtirol.

Dr. Enrico Putzke pitchte das Projekt SUNSET. Hier mit Vorstand Dr. Christian Heinrich Sandler (rechts) und Vizepräsident Valentin Plenk (links). Bild: Hochschule Hof;

“Closed Loop” für Kunststoffteile

Das 50-köpfige Publikum votete das Projekt „Thermoplastic blends“ auf den zweiten Platz. Hier wurde Textil, das für Autoinnenraumteile mit Plastikfolie hinterspritzt wird und schwer wieder zu trennen ist, zu neuem Granulat verarbeitet. So kann der Werkstoff für den Kreislauf zurückgewonnen und neu verarbeitet werden. Zur Verdeutlichung hatten die beiden Vortragenden Bauteile dabei und ließen sie im Publikum herumgehen.

Professor Thomas Meins stellt den wissenschaftlichen Teil des Projekts vor, Bernd Trinkwalter (Motherson) den praktischen Part; Bild: Hochschule Hof;

Gründächer verstehen für Kids

Die Grundschule Schauenstein verfügt über ein besonderes Highlight: ein smartes Gründach. Ein Team des Instituts für nachhaltige Wassersysteme (inwa) hat dafür ein 3D-Modell des Gebäudes sowie Entscheidungsalgorithmen entwickelt. Das Dach überwacht kontinuierlich den Zustand seiner Pflanzen, bezieht Wetterprognosen ein – und steuert seine Bewässerung vollautomatisch. Bei kommendem Starkregen kann das Dach seine Tanks leeren und als Aufnahmegefäße für das Regenwasser zur Verfügung stellen. So wird die Kanalisation entlastet und gleichzeitig Leitungswasser gespart.

Robert Kuhn und Harikrishnan Thanipparambu Narayanan Kutty nahmen den Preis für die Arbeit ihres Teams in Zusammenarbeit mit der Universität Münster und der Grundschule Schauenstein vor; Bild: Hochschule Hof;

Im Projekt sollten diese Sensoren und Algorithmen kindgerecht dargestellt werden.  Über Feedbackschleifen wurde ein Lernprogramm für den PC geschrieben, in dem Trockenheit, Starkregen und die Reaktion des Gebäudes ausprobiert werden kann. „Ziel ist es, aus diesem digitalen Modell ein haptisches Modell zu erstellen, in dem das Wasser zirkuliert wie im echten Dach“, so Robert Kuhn. Neben der Grundschule ist die Universität Münster mit ihrer pädagogischen Expertise ein wichtiger Projektpartner. Das Modell konnte auch auf der Nacht der Wissenschaft ausprobiert werden.

Fach-Arbeitskreise am Institut für Wasserstoff- und Energietechnik

Das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik (iwe) gab Einblicke in die von ihm organisierten Fachnetzwerke zu Klima- und Kältetechnik, Nahwärme sowie Energiemanagement. Netzbetreiber, Kommunen, Handwerk und Planungsbüros treffen sich über EnerNET regelmäßig zum fachlichen Austausch. Ergänzend bietet das iwe passgenaue Weiterbildungen mit Vorträgen, Workshops und Praxisbesuchen an. Abgerundet wird das Angebot durch individuelle Beratung bei konkreten Herausforderungen. „Unternehmen in Oberfranken spüren den Klimawandel stark“, so Diana Stein. Hier will das Institut unterstützen.

Diana Stein (Mitte), wissenschaftliche Mitarbeiterin am iwe, präsentierte das Projekt EnerNET, ein Weiterbildungsnetzwerk für Energie, Kälte und Nahwärme; Bild: Hochschule Hof;

Preis der Lehre: Publikum zeichnet Modellauto-Projekt “Apollon” aus

Beim Publikumsvoting gewann Professor Marco Linß mit seinem Lehr-Modellfahrzeug Apollon: „Sie kennen doch mein Lieblingsprojekt: Kaputtmachen“, kommentierte er schmunzelnd. Ingenieurstudierende bauen dabei Schritt für Schritt eigene Modellautos – von der modularen Basis bis hin zu Lenkung, Antrieb, Werkstoffen, Energieversorgung und steigendem Automatisierungsgrad. Mit jedem neuen theoretischen Lerninhalt wächst auch die Komplexität des zu bauenden Modellfahrzeugs.

Prof. Dr.-Ing Marco Linß präsentiert Apollon im Anfangsstadium; Bild: Hochschule Hof;
Gewinnerauszeichnung des Sonderpreises Lehre mit Prof. Dr.-Ing Dietmar Wolff, Vizepräsident Lehre der Hochschule Hof, Dr. Christian Heinrich Sandler, Präsident Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann; Bild: Hochschule Hof;

Der zweite Platz ging an StudyBuddy FLUID, vorgestellt von Prof. Manuela Wimmer und Dr. Harvey Harbach. Der Lern-Bot berät und motiviert Studierende rund um die Uhr, beantwortet Fragen und gibt Lerntipps – verweigert aber konsequent das Erledigen von Hausaufgaben. So überwindet StudyBuddy FLUID die Hürde im Vorlesesaal, Fragen zu stellen.

Prof. Dr. Manuela Wimmer und Dr. Harvey Harbach (3.v..l.) freuen sich über den zweiten Platz bei den Lehrprojekten; Bild: Hochschule Hof;

Gesamtgesellschaftliche Bedeutung des “Dies Academicus”

Beide Vizepräsidenten der Hochschule Hof legten im Rahmen des Abends ihre Visionen auf die Zusammenarbeit mit der Region dar.

Vizepräsident Lehre Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff betonte dabei:

Durch die Einführung innovativer Lehrformate und die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Lehre sichern wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und das Wissenspotenzial der Region.“

Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff

„Es reicht heute nicht mehr, zu lehren und zu forschen“, betonte Prof. Valentin Plenk, Vizepräsident für Forschung, Entwicklung und Entrepreneurship. Und weiter:

„Wir müssen zeigen, dass die wissenschaftliche Art, sich mit Fakten zu beschäftigen, die richtige ist.“

Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk

Die Hochschule Hof präsentierte im Rahmen der Nacht der Wissenschaften ihre Forschungsprojekte der Öffentlichkeit. Die Integration des Dies Academicus in diese lang erwartete Wissenschaftsnacht war ein bewusstes Signal dafür, dass Wissenschaft ein gesamtgesellschaftliches Unterfangen ist, das Akzeptanz braucht, Dialog sucht und Verantwortung übernimmt.

Katrin Müller

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