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Ideationweek 2026: Klimaresiliente Städte neu denken

Wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, entstehen neue Ideen. Die Teilnehmenden der Ideationweek 2026 entwickelten in interdisziplinären Teams Lösungsansätze für klimaresiliente Städte; Bild: Hochschule Hof

Wie entwickelt man Lösungen für Herausforderungen, die so komplex sind, dass keine einzelne Disziplin sie alleine beantworten kann?

Genau hier setzt die Ideationweek des StartUpLabs der Hochschule Hof an. Einmal im Jahr kommen Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen zusammen, um gemeinsam an realen Herausforderungen zu arbeiten und dabei ihre unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen einzubringen. Das diesjährige Thema: klimaresiliente Städte. Mit Prof. Günter Müller-Czygan als fachlichem Impulsgeber aus dem neu gegründeten ResilienceLab entwickelten die Teilnehmenden im Rahmen der Ideationweek des StartUpLab Ideen und Lösungsansätze für urbane Räume, die den Folgen des Klimawandels künftig besser begegnen können.

Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Starkregenereignisse zeigen bereits heute, dass die Stadt von morgen neue Antworten braucht – und genau danach suchten die Teilnehmenden eine Woche lang.

Neun Studiengänge, eine Herausforderung

Die Grundidee der Ideationweek lautet: Komplexe Herausforderungen benötigen unterschiedliche Perspektiven. Deshalb kommen hier bewusst Studierende verschiedenster Fachrichtungen zusammen, um gemeinsam an einer Fragestellung zu arbeiten. Denn auch Klimaresilienz ist nicht nur eine technische oder ökologische Herausforderung. Sie betrifft ebenso soziale, wirtschaftliche, gestalterische und infrastrukturelle Fragestellungen.

Genau das spiegelte sich auch in der diesjährigen Gruppe wider. Die 13 Teilnehmenden repräsentierten neun verschiedene Studiengänge aus den unterschiedlichsten Fachbereichen: Von Textildesign und Kommunikationsdesign über Design & Mobilität, Sustainable Water Management and Engineering sowie Digitalization and Innovation bis hin zu Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspsychologie, Operational Excellence und Internationalem Projektmanagement reichte die fachliche Bandbreite.

Klimaresilienz ist mehr als eine technische Herausforderung. Die interdisziplinären Teams vereinten gestalterische, wirtschaftliche, soziale und technische Perspektiven in ihren Konzepten; Bild: Camilla Lenz

Wo im Studienalltag häufig innerhalb der eigenen Fachrichtung gearbeitet wird, trafen hier technische, gestalterische, wirtschaftliche und soziale Perspektiven aufeinander. Diese Vielfalt machte die Woche besonders wertvoll – und stellte die Teams zugleich vor die Herausforderung, zunächst ein gemeinsames Verständnis für das Problem zu entwickeln.

Verstehen statt vorschnell lösen

Im Mittelpunkt der Ideationweek stand deshalb wieder der Design-Thinking-Ansatz. Anders als in klassischen Projektarbeiten beginnt dieser Prozess nicht mit der Entwicklung einer Lösung, sondern mit einem möglichst tiefen Verständnis des Problems.

Nach einer fachlichen Einführung in die Themen Klimaresilienz und Schwammstadt durch Prof. Müller-Czygan nutzten die Studierenden die ersten Tage der Woche bewusst nicht für Brainstormings oder Prototypen. Stattdessen recherchierten sie, führten Gespräche mit potenziellen Nutzergruppen und hinterfragten eigene Annahmen.

Design Thinking beginnt nicht mit der Lösung, sondern mit dem Verstehen. Erste Modelle, Notizen und Erkenntnisse machten die Herausforderungen klimaresilienter Städte Schritt für Schritt greifbar; Bild: Prof. Oliver Mauroner

Für viele war genau dieser Perspektivwechsel eine der wichtigsten Erfahrungen der Woche. Immer wieder zeigte sich: Gute Ideen entstehen oft erst dann, wenn man die eigentliche Herausforderung und die Perspektive der Betroffenen wirklich versteht.

Kreativität lässt sich trainieren

Kreativität, Teamarbeit und der konstruktive Umgang mit Unsicherheit gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten in Innovationsprozessen. Genau deshalb sind sie fester Bestandteil der Ideationweek und werden nicht nur theoretisch besprochen, sondern gezielt erprobt. In diesem Jahr wurde dafür erstmals die von René Göhring im Makerspace angebotene McGyver-Challenge in die Ideationweek eingebunden. Aus vorgegebenen Materialien sollten die Teams Wasserfahrzeuge entwickeln, die möglichst lange fahren können. Was zunächst wie eine spielerische Aufgabe wirkte, hatte einen klaren Hintergrund: gemeinsam experimentieren, unter Zeitdruck Entscheidungen treffen, Ideen verwerfen, neue Ansätze ausprobieren und dabei als Team handlungsfähig bleiben.

Kreativität entsteht selten am Schreibtisch. Bei der McGyver-Challenge wurde gebaut, getestet, verworfen und neu gedacht – genau die Fähigkeiten, die später auch bei der Entwicklung innovativer Lösungen gefragt sind; Bild: Camilla Lenz

Gleichzeitig lernten viele Teilnehmende den Makerspace erstmals als kreativen Arbeits- und Prototypingraum kennen. Die Erfahrungen mit Materialien, Werkzeugen und experimentellem Arbeiten bereiteten die Teams bereits auf den nächsten Schritt der Woche vor.

Vom Problem zum Prototyp

Nach den ersten Tagen voller Recherche, Gespräche, Reflexion und Ideenentwicklung wurde es zum Ende der Woche zunehmend praktisch. Beim Makerthon am Donnerstag verwandelten die Teams ihre Konzepte erstmals in greifbare Prototypen. Zwischen 15 und 20 Uhr wurde im Makerspace gebaut, getestet, verworfen und weiterentwickelt – immer mit dem Ziel, die zuvor identifizierten Probleme möglichst konkret erfahrbar und die eigenen Lösungsansätze sichtbar zu machen.

Von der Skizze zum Modell: Beim Makerthon wurden erste Lösungsansätze im Makerspace sichtbar, testbar und diskutierbar gemacht; Bild: Camilla Lenz

Dabei wurden drei sehr unterschiedliche Konzepte erlebbar, die eines gemeinsam hatten: Sie alle betrachteten Klimaresilienz aus einer anderen Perspektive.

Neue Perspektiven für bestehende Dächer

Ein Großteil urbaner Flächen befindet sich bereits in Nutzung. Umso spannender ist die Frage, wie bestehende Gebäude künftig stärker zur Klimaresilienz von Städten beitragen können. Das entwickelte Konzept beschäftigt sich mit der Speicherung von Regenwasser und der Kühlung von Gebäuden direkt über bestehende Dachstrukturen. Insbesondere für dicht bebaute Stadtgebiete entstand daraus ein innovativer Ansatz, der auch über die Ideationweek hinaus interessante Perspektiven eröffnet.

Die Stadt von morgen entsteht oft auf den Gebäuden von heute. Das entwickelte Konzept zeigt, wie bestehende Dachflächen aktiv zur Klimaresilienz beitragen können; Bild: Hochschule Hof

Urban Oasis – Klimaresilienz erlebbar machen

Klimaresilienz muss nicht unsichtbar bleiben. Mit der „Urban Oasis“ entstand die Idee eines multifunktionalen Begegnungsortes für den öffentlichen Raum. Begrünung, Regenwassernutzung, Verschattung und Aufenthaltsqualität werden dabei in einem einzigen Konzept zusammengeführt. Die Urban Oasis verbindet ökologische Wirkung mit sozialem Mehrwert und zeigt, wie klimaresiliente Stadtentwicklung im Alltag sichtbar und unmittelbar erlebbar werden kann.

Mit der „Urban Oasis“ entstand die Vision eines öffentlichen Ortes, an dem Klimaresilienz nicht nur wirkt, sondern für Menschen unmittelbar erlebbar wird; Bild: Hochschule Hof

Feuerwehr trifft Schwammstadt

Wenn über klimaresiliente Städte gesprochen wird, stehen meist Themen wie Hitzeschutz, Starkregen oder Begrünung im Mittelpunkt. Die Rolle der Feuerwehr wird dabei jedoch selten mitgedacht. Das entwickelte Konzept verknüpft daher Schwammstadt-Elemente mit den Anforderungen des Brandschutzes. Gespeichertes Regenwasser könnte künftig nicht nur zur Klimaanpassung beitragen, sondern gleichzeitig als zusätzliche Löschwasserreserve dienen. Die Idee eröffnet damit einen neuen Blick auf die Frage, welchen Mehrwert klimaresiliente Infrastruktur für Städte und Kommunen schaffen kann.

Neue Perspektiven entstehen oft dort, wo bisher getrennte Systeme zusammengedacht werden. Das entwickelte Konzept verknüpft Klimaresilienz und Brandschutz zu einem gemeinsamen Lösungsansatz; Bild: Hochschule Hof

Mehr als nur drei Ideen

Die entwickelten Konzepte stießen bei den Expertinnen und Experten aus dem Themenfeld Klimaresilienz auf großes Interesse. Besonders überzeugen konnte dabei die „Urban Oasis“, die in der abschließenden Abstimmung von den Teilnehmenden und Gästen aus dem Eintsein1-Netzwerk mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Der eigentliche Wert der Woche lag jedoch nicht allein in den Ergebnissen.

Die Ideationweek schafft einen Raum, in dem Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam lernen, diskutieren, hinterfragen und neue Perspektiven entwickeln. Gerade bei komplexen Herausforderungen entsteht Innovation oft nicht dadurch, dass jemand die richtige Antwort kennt – sondern dadurch, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen bereit sind, gemeinsam nach ihr zu suchen.

Camilla Lenz
Veröffentlichung: 15.06.2026

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