Wie wird Hof von den Menschen wahrgenommen, die hier leben, studieren, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen? Und wo sehen sie Verbesserungsbedarf? Mit diesen Fragen haben sich zwölf Studierende des sechsten Semesters Wirtschafts- und Organisationssoziologie der Hochschule Hof im Sommersemester 2026 beschäftigt. In einer umfangreichen Befragung wurden 225 Studierende sowie 229 Passantinnen und Passanten im Hofer Stadtgebiet zu Mobilität, Innenstadt, Einkaufsverhalten, kommunalen Aufgaben, Verbundenheit mit Hof und weiteren Themen befragt.

Dabei wird vor allem eines deutlich: Studierende und die übrige Bevölkerung blicken nicht immer aus derselben Perspektive auf Hof. Gleichzeitig gibt es bei vielen Themen überraschend große Übereinstimmungen. Besonders deutlich werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim öffentlichen Nahverkehr, bei der Innenstadtentwicklung und bei der Frage, wofür die Stadt Geld ausgeben sollte.
„Die einzige Vorgabe war: Die Fragestellungen müssen sich rund um die Stadt Hof drehen.“
Gerhard Plietsch, Seminarleiter
Wichtig sei gewesen, dass die Studierenden die Fragen weitgehend selbst entwickeln und die Ergebnisse später einen praktischen Nutzen haben können.
Das Auto dominiert – aber der Wohnort macht den Unterschied
Das Auto bleibt in Hof das mit Abstand am häufigsten genutzte Verkehrsmittel. 55 Prozent der befragten Passantinnen und Passanten fahren nahezu täglich Auto, bei den Studierenden sind es 46 Prozent. Betrachtet man tägliche und wöchentliche Nutzung zusammen, kommt in beiden Gruppen etwa drei Viertel regelmäßig mit dem Auto voran. Entscheidend ist allerdings der Wohnort. Studierende, die außerhalb Hofs wohnen, fahren zu zwei Dritteln täglich mit dem Auto; bei den in Hof wohnenden Studierenden sind es 38 Prozent. Umgekehrt gehen 66 Prozent der in Hof lebenden Studierenden täglich zu Fuß, aber nur 34 Prozent der Studierenden, die von außerhalb einpendeln.
Damit zeigt sich ein grundlegendes Muster der Untersuchung: Wer in Hof wohnt, kann häufiger auf das Auto verzichten. Wer von außerhalb kommt, ist stärker auf den Pkw angewiesen.
ÖPNV: Hoher Bedarf, aber deutliche Unzufriedenheit
Besonders viel Aussagekraft besitzt die Untersuchung beim öffentlichen Personennahverkehr. Studierende nutzen Bus und Bahn deutlich häufiger als die befragte übrige Bevölkerung – und sie leisten mit dem Semesterticket einen nicht ganz unerheblichen Finanzierungsbeitrag, weshalb sie wohl auch genau auf das Preis-Leistungsverhältnis schauen:
54 Prozent der Studierenden fahren mindestens wöchentlich mit dem ÖPNV, bei den Passantinnen und Passanten sind es lediglich 26 Prozent. Bei den in Hof wohnenden Studierenden liegt der Anteil sogar bei 57 Prozent. Gleichzeitig fällt die Bewertung des Angebots durchaus kritisch aus. Bei den Passantinnen und Passanten sind 55 Prozent mit dem Stadtbus eher oder sehr unzufrieden. Unter den Studierenden steigt dieser Anteil sogar auf zwei Drittel. Bemerkenswert: Selbst unter den Studierenden, die den ÖPNV häufig nutzen, sind 65 Prozent unzufrieden. Bei denjenigen, die selten oder nie Bus und Bahn fahren, sind es sogar 70 Prozent. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen den ÖPNV an sich als gegen seine Verfügbarkeit. Am häufigsten wird eine höhere Taktung gefordert: 57 Prozent der Studierenden und 36 Prozent der Passantinnen und Passanten wünschen sich häufigere Verbindungen. An zweiter Stelle steht ein besserer Abend- und Nachtverkehr, den 45 Prozent der Studierenden und 28 Prozent der Passanten nennen. Eine bessere Anbindung von Wohnort und Hochschule wünschen sich 26 Prozent der Studierenden und 16 Prozent der Passanten.

Auch bei der Frage nach den städtischen Ausgaben wird die Bedeutung des Themas sichtbar: 83 Prozent der Studierenden und 65 Prozent der Passantinnen und Passanten sprechen sich dafür aus, mehr Geld in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren. Kaum jemand plädiert für Einsparungen. Bemerkenswert ist zudem, dass die Zustimmung zu höheren ÖPNV-Ausgaben bei den älteren Befragten besonders hoch ist: Bei den über 70-Jährigen liegt sie bei 76 Prozent.
Busverkehr am Abend und in der Nacht
Die deutlichste Kritik betrifft den Spätverkehr. Zwischen 18 und 20 Uhr halten immerhin noch 56 Prozent der Passantinnen und Passanten das Angebot für ausreichend oder absolut ausreichend. Bei den Studierenden sind es nur 40 Prozent. Ab 20 Uhr kippt die Bewertung deutlich. Zwischen 20 und 22 Uhr beurteilen lediglich 20 Prozent der Passanten und neun Prozent der Studierenden das Angebot als ausreichend oder besser. Nach 22 Uhr sind es nur noch zwölf beziehungsweise vier Prozent. Umgekehrt bewerten 69 Prozent der Passanten und sogar 86 Prozent der Studierenden den Nachtverkehr als „gar nicht ausreichend“.
Damit wird der ÖPNV zu einem wichtigen Faktor für die Attraktivität Hofs – gerade für junge Menschen. Für Studierende geht es nicht nur um den Weg zur Hochschule, sondern auch um Innenstadt, Freizeitangebote und Ziele wie den Untreusee. Für ältere Menschen ist der Bus dagegen insbesondere für Einkäufe von Bedeutung.
Gerhard Plietsch hatte bereits bei Beginn der Untersuchung auf die besondere Sensibilität dieses Themas hingewiesen:
Wenn man Fragen zur Nutzung des ÖPNV direkt am Busbahnhof stellt, beeinflusst man womöglich bereits das Ergebnis. Daher war die sorgfältige Auswahl der Befragungsorte wichtig.“
Gerhard Plietsch, Seminarleiter
Die Ergebnisse zeigen nun allerdings, dass die Kritik keineswegs nur an einem bestimmten Befragungsort entstanden ist: Die Unzufriedenheit zieht sich durch unterschiedliche Gruppen und ist auch bei regelmäßigen ÖPNV-Nutzern sehr hoch.
Innenstadt: Attraktivität mit Licht und Schatten
Die Hofer Innenstadt wird insgesamt nicht schlecht bewertet. 55 Prozent der Passantinnen und Passanten und 59 Prozent der Studierenden sind mit ihrer Attraktivität eher oder sehr zufrieden. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede nach Alter: Während bei den unter 30-jährigen Passanten nur 37 Prozent die Innenstadt positiv bewerten, sind es bei den über 70-Jährigen 77 Prozent.
Besonders positiv fällt das Gastronomieangebot auf. 77 Prozent der Passanten und sogar 80 Prozent der Studierenden sind damit eher oder sehr zufrieden. Die Gastronomie gehört damit zu den großen Stärken der Innenstadt.
Deutlich kritischer wird dagegen die Vielfalt der Geschäfte beurteilt: Rund 59 Prozent der Passanten und 58 Prozent der Studierenden sind damit eher oder sehr unzufrieden. Auch die Atmosphäre der Innenstadt wird ambivalent wahrgenommen. Besonders schlecht schneiden die öffentlichen Toiletten ab: Mehr als 80 Prozent der Befragten äußern sich hierzu unzufrieden.
Leerstände wirken sich auf das Einkaufsverhalten aus
Leerstände sind aus Sicht der Befragten nicht lediglich ein optisches Problem. Rund 60 Prozent sowohl der Passantinnen und Passanten als auch der Studierenden sagen, dass sie häufiger in der Innenstadt einkaufen würden, wenn dort weniger Geschäfte leer stünden. Bei der gewünschten Nachnutzung gibt es klare Vorstellungen: Passanten wünschen sich vor allem neue Einzelhandelsgeschäfte, Cafés und Restaurants sowie kulturelle Angebote. Studierende setzen Cafés und Restaurants sogar an die erste Stelle und nennen außerdem häufiger Pop-up-Stores und andere temporäre Konzepte.
Auch bei der Frage, was Menschen häufiger in die Innenstadt bringen könnte, steht eine größere Auswahl an Geschäften ganz oben. 49 Prozent der Passanten und 46 Prozent der Studierenden nennen diesen Punkt. Für Studierende sind darüber hinaus Veranstaltungen besonders wichtig: 52 Prozent wünschen sich mehr Veranstaltungen in der Innenstadt.

Onlinehandel verändert das Einkaufsverhalten
Die Innenstadt konkurriert nicht nur mit anderen Städten, sondern zunehmend mit dem Internet. 50 Prozent der Studierenden kaufen monatlich online ein, weitere 32 Prozent sogar wöchentlich. Bei den Passanten liegen die Werte bei rund 30 beziehungsweise 27 Prozent. Besonders deutlich ist der Generationenunterschied: Unter den unter 30-jährigen Passanten kauft niemand niemals online ein; bei den über 70-Jährigen liegt dieser Anteil dagegen bei 57 Prozent.
Auch Veränderungen sind sichtbar: 29 Prozent der Studierenden und 22 Prozent der Passanten geben an, in den vergangenen drei Monaten häufiger online eingekauft zu haben.
Die Befragung legt damit nahe, dass eine attraktive Innenstadt künftig nicht allein über klassische Einzelhandelsangebote funktionieren wird. Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen, Aufenthaltsqualität und neue Nutzungskonzepte gewinnen an Bedeutung.
Wofür soll die Stadt Geld ausgeben?
Die angespannte finanzielle Situation der Stadt Hof wurde in der Befragung ausdrücklich berücksichtigt. Die Befragten sollten angeben, in welchen Bereichen die Stadt mehr, weniger oder gleich viel ausgeben sollte. Besonders deutlich fällt die Zustimmung zu höheren Ausgaben beim Leerstandsmanagement aus: 84 Prozent der Passanten und 79 Prozent der Studierenden wünschen sich hier mehr Engagement. Auch bei Treffpunkten für Jugendliche, der Sanierung von Schulgebäuden sowie beim ÖPNV überwiegt der Wunsch nach zusätzlichen Investitionen. Beim Unterhalt von Straßen sprechen sich dagegen vor allem die Passanten für höhere Ausgaben aus.
Ein interessantes Bild zeigt sich bei Sport und Bädern: Hier möchte die Mehrheit beider Gruppen die bisherigen Ausgaben beibehalten. Für höhere Investitionen sprechen sich 31 Prozent der Passanten und 37 Prozent der Studierenden aus.
Was Menschen an Hof bindet
Bei der Verbundenheit mit Hof zeigen sich erwartbare, aber auch interessante Unterschiede. Die befragte Bevölkerung ist insgesamt stärker mit der Stadt verbunden als die Studierenden. Für die Bevölkerung sind vor allem soziale Kontakte und Familie wichtige Bindungsfaktoren, gefolgt von Natur, Lebensqualität und kulturellen Angeboten. Bei den Studierenden spielen neben sozialen Kontakten insbesondere das Studium eine Rolle.
Dabei verändert sich die Bedeutung einzelner Faktoren mit dem Alter. Bei jungen Menschen stehen soziale Netzwerke im Vordergrund. In der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren gewinnen berufliche Perspektiven stark an Bedeutung. Ältere Menschen verbinden ihre Zugehörigkeit dagegen besonders mit Lebensqualität und Natur. Das ist zugleich eine positive Nachricht für die Stadt: Hof verfügt über Faktoren, die Menschen langfristig binden können. Die Herausforderung besteht darin, insbesondere Studierende und junge Menschen stärker in das städtische Leben einzubeziehen.
Rund 18 Prozent sehen sich als potenzielle Gründerinnen und Gründer
Ein weiteres interessantes Ergebnis betrifft die Gründungsabsichten der Studierenden. Rund sechs Prozent halten eine Unternehmensgründung in Hof für sehr wahrscheinlich, knapp zwölf Prozent für eher wahrscheinlich. Insgesamt ergibt sich damit ein Gründungspotenzial von knapp 18 Prozent.
Angesichts des Fachkräftebedarfs in der Region ist diese Gruppe von besonderem Interesse. Denn wer sich vorstellen kann, in Hof ein Unternehmen zu gründen, könnte nicht nur selbst am Standort bleiben, sondern zugleich neue Arbeitsplätze schaffen.
Ein differenziertes Bild von Hof
Die „Hofer Perspektiven“ zeichnen insgesamt weder ein reines Problem- noch ein uneingeschränktes Erfolgsbild. Vielmehr zeigen sie eine Stadt, deren Stärken und Schwächen von der jeweiligen Lebenssituation abhängen. Die Gastronomie, die Natur, soziale Kontakte und bestimmte Aspekte der Lebensqualität werden positiv wahrgenommen. Gleichzeitig bestehen klare Defizite bei der Angebotsvielfalt in der Innenstadt, bei Leerständen und insbesondere beim öffentlichen Nahverkehr.
Gerhard Plietsch sieht gerade in dieser Differenziertheit den Wert der Untersuchung. Die Studierenden hätten nicht nur Daten gesammelt, sondern sich intensiv damit auseinandergesetzt, welche Ergebnisse später auch einen praktischen Nutzen haben könnten.
Die Ergebnisse liefern dafür zahlreiche Ansatzpunkte: Ein leistungsfähigerer ÖPNV könnte Mobilität und Teilhabe verbessern, insbesondere am Abend und am Wochenende. Ein konsequentes Leerstandsmanagement könnte die Innenstadt attraktiver machen. Mehr Veranstaltungen, neue Gastronomie- und Nutzungskonzepte könnten vor allem jüngere Menschen stärker an die Innenstadt binden. Und nicht zuletzt könnte die Stadt versuchen, jene Studierenden stärker an Hof zu binden, die sich einen beruflichen Verbleib oder sogar eine Unternehmensgründung vorstellen können.
Die Befragung macht damit vor allem eines sichtbar: Hof hat aus Sicht seiner Bewohnerinnen, Bewohner und Studierenden durchaus Potenzial.
In einer ersten Reaktion äußert sich Hofs Oberbürgermeister Stefan Schmalfuß zu den Ergebnissen der Befragung und dazu, welche Ansatzpunkte sie für die Arbeit der Stadtverwaltung liefert:
„Die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt Hof zu steigern, ist ein Ziel, das wir konsequent verfolgen müssen. Die Befragung gibt uns einen wertvollen Einblick, was sich die Menschen für ihre Stadt wünschen. Dabei ist es wichtig, dass wir Probleme nicht nur benennen, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen, um Hof voranzubringen.
Der ÖPNV bleibt dabei ein wichtiges Thema, da damit verschiedene Aspekte des täglichen Lebens verbunden sind, z. B. die Arbeit, Einkaufen oder Freizeitgestaltung. Wenn wir hier Verbesserungen vorantreiben, wirkt sich das positiv auf andere Bereiche des Lebens in Hof aus.
Vielen Herausforderungen stellen wir uns als Stadt bereits. Ein erfolgreiches Beispiel, das viele Ziele miteinander verbindet, ist unser Projekt (T)Raum(E)rfüller. Damit füllen wir nicht nur Leerstände mit frischen Ideen, sondern werten gleichzeitig unsere Innenstadt auf und geben Menschen mit Ambitionen und Visionen den Raum, diese zu verwirklichen – davon profitieren wir alle.“
Stefan Schmalfuß, Oberbürgermeister Stadt Hof
