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„Hier wird knallhart geforscht“ – und zugehört: 50-mal Wissenschaft fürs Ohr!

Seit 2020 bringt der Podcast der „Forschenden Hochschule Hof“ (hörbar über Youtube und Spotify und überall da, wo es Podcasts gibt) Wissenschaft dorthin, wo sie sonst selten so nahbar ist: direkt ins Ohr. Initiiert als „Versuchsballon“ hat sich das Format etabliert – mit inzwischen 50 Folgen, spannenden Gästen und Einblicken in Forschung, die sonst zu oft hinter Labortüren bleibt. Die abwechslungsreichen Folgen zeigen, wie vielfältig, praxisnah und manchmal überraschend Forschung sein kann – von KI über Nachhaltigkeit bis hin zu studentischen Perspektiven. Zum Jubiläum der Reihe sprechen wir mit der Initiatorin Anne-Christine Habbel, Leiterin des Forschungsmarketings, über Idee, Entwicklung und Wirkung des Podcasts.

Ein rundes Jubiläum: 50 Podcast-Folgen haben Anne-Christine Habbel und ihr Team bislang aufgezeichnet; Bild: Hochschule Hof;

Anne, erinnerst Du Dich noch an den Moment, in dem die Idee für den Podcast entstanden ist – was war damals der Auslöser?

“2019 hatten wir erstmals den Zuschlag für ein INTERREG-Projekt erhalten und wir hatten im Team darüber gesprochen, wie wir uns für die europäischen Partnerländer noch weiter sichtbar machen könnten. Und da sind wir dann über den Umweg eines Kurzvideos für das europäische Projekt auf die Podcast-Idee für unsere eigene Region gekommen. Das war der Anfang.

Der Witz war: Mein Handy lag beim ersten Podcast im iisys vor uns auf dem Tisch, Jörg Scheidt, und ich saßen drumherum und haben zum Thema Kopfschmerzregister (#1) reingesprochen, Désirée Neeb hat aufgepasst, dass wir nichts vergessen. Also keine große Technik, sondern einfach angefangen als engagierte Laien mit einem Handy. Ich habe noch mal in die Folge reingehört, ich würde heute sagen, dass sie mittlerweile ganz schön scheppert.”

Der Webtalk ist ursprünglich als „Versuchsballon“ gestartet – wann war klar: Das Format bleibt?

“Irgendwie lief es einfach überraschend gut, wir hatten viel Spaß bei den Aufnahmen und haben viel Interessantes aus der Forschung erfahren, was wir auch für die Verbreitung außerhalb der Hochschule als spannend angesehen haben. Wir haben sehr darauf geachtet, dass keine Fremdwörter und schwierige Dinge zu hören waren, es sollte verständlich bleiben, nicht für eine wissenschaftliche Zuhörerschaft. Das halten wir auch bis heute durch. Es war und ist auch nicht schwer, „Freiwillige“ aus der Hochschule zu finden, die über ihre Forschung plaudern, das sind oft Profs oder wissenschaftliche Mitarbeitende. Dann haben wir einen Studenten hinzugezogen, der für Schnitt und guten Ton gesorgt hat, das hat vieles leichter gemacht.”

Nimm uns bitte kurz mit: Wie läuft eine typische Podcast-Produktion ab – von der Themenidee bis zur fertigen Folge?

“Meistens handelt es sich um Forschungsprojekte, die schon erste Ergebnisse erzielt haben oder abgeschlossen sind. Ich finde sie in Vorträgen, in Kolloquien oder der Vizepräsident Forschung schlägt sie mir vor. Dann frage ich bei den potenziellen Gästen an, ob sie mitmachen würden und wir legen ein Aufnahmedatum fest.

Ab dann mache ich mich intensiver mit den Themen vertraut, recherchiere, was dazu vorliegt und formuliere die Fragen: 10 Fragen, 10 Antworten, die Struktur ist simpel. Die letzte Frage ist immer eine private Frage, da können die Gäste dann gerne über Hobbies sprechen. So erfährt man dann, welche Profs Punk-Fans sind oder zu Hause eine Teichanlage mit Goldfischen haben, wer gerne segelt oder Tischtennis spielt als Kontrapunkt zum ständigen Sitzen vor dem Bildschirm.

In einem Vorgespräch sondieren wir, ob alles passt und dann geht es ein paar Tage später schon an die Aufnahme.

Wir treffen uns fast immer im iisys in der ersten Etage. Beim Team mit dabei war nach Désirée Neeb dann sehr lange Katrin Müller. Jetzt folgt Christa Sprengard nach. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Gäste und ich nichts vergessen, keine Logikfehler machen, die Türen im iisys nicht so laut knallen etc. Und dann haben wir mittlerweile auch Robert Bogler als professionellen Techniker dabei. Er achtet auf den Ton und sorgt für den Schnitt. Er macht auch die Fotos, die den Podcast nach draußen begleiten. Ohne das Gesamtteam geht es nicht.

Nachdem die Fotos fertig sind, geht es an die Aufnahme. Ganz wichtig: Die Gäste sollen entspannt sein, wir machen einige Sprechproben, damit alle warm werden. Manchmal sind auch zwei Gäste dabei, im Aufnahmeraum ist dann einiges los. In der Regel sind alle nach zwei Fragen im richtigen Modus und dann wird es spannend, wir tauchen in die Themen ein und ich bekomme dann gar nicht mehr so richtig mit, was um mich herum passiert, sondern bin ganz bei den Gästen. All das dauert nie länger als zwei Stunden.

Besonders charmant: Wenn dann das Mikro aus ist und wir schon einpacken, erzählen die Gäste ganz oft einfach weiter, sie sind dann richtig in Fahrt und dann kommen noch mal richtig spannende, oftmals Insider-Dinge.”

Gibt es Folgen oder Aufnahmen, die besonders herausfordernd waren – technisch, inhaltlich oder organisatorisch?

“Ich darf seit fünf Jahren bei Prof. Andreas Wagener als fingierte Auftraggeberin in seinem Marketing Seminar mit dabei sein. Sprich: Ich agiere wie eine echte Firma, die einen Auftrag an die Studis vergibt. Und da habe ich tatsächlich schon etliche Podcasts als Takeover bei den Masteranden in Auftrag gegeben: Zum Beispiel zur Fragestellung, wie es sich in Hof studiert – summer edition 25 (#42). Oder die Darstellung der studentischen Initiativen wie eSports (#28) und HofSpannung (#17). Auch ein Kinderpodcast war schon dabei, da ging es um Fische, Pflanzen und Recycling (#27).

Da wir jedes Sommersemester neue Studis haben, ist das immer wieder wie ein Reset. Und es ist schön, dass wir diese Zeit hatten, denn Prof. Wagener und ich sind viel besser in der genauen Aufgabenstellung geworden. Auch wir haben viel gelernt.”

Nach welchen Kriterien werden die Themen und Gäste ausgewählt?

“Es gibt verschiedene Kriterien: Forschungsthemen müssen „reif“ sein, es müssen schon Ergebnisse vorliegen. Dann gibt es Entwicklungen in der Hochschule selbst oder die Themen kommen von außen auf uns zu, weil sie gesellschaftlich oder politisch relevant sind

Wir laden auch gerne immer mal wieder die Forschungspartner aus der Wirtschaft ein, denn da zeigt sich am besten das gute Zusammenspiel zwischen Region und Hochschule. Das jüngste Beispiel dazu ist #49 Wie viel Nachhaltigkeit steckt im Auto?

Sehr aktuell sind für mich gerade auch die Themen Gründung und Entrepreneurship (#40), die an der Hochschule Hof zunehmend eine wichtigere Rolle spielen. Denn wir wollen unsere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verstärkt darüber informieren, bieten parallel auch Seminare dazu an. Auch das Thema Wasser (#48) ist weltweit von großer Bedeutung und da haben wir gefragt, wie wasserautark kann ein Campus werden?

Last but not least liegt auf meinen Schreibtisch auch das Thema Europa: Da geht es um die Förderlinien Interreg und HORIZON, also haben wir da auch einen Podcast gemacht: #41 Fördergelder nutzen statt verpassen – so klappt´s mit den EU-Kooperationen.”

Der Spagat zwischen wissenschaftlicher Tiefe und verständlicher Vermittlung für ein breiteres Publikum ist mit Sicherheit nicht immer einfach…

“Oh ja, das ist wahr. Wissenschaftler verbleiben natürlich sehr gerne in ihrer Fachsprache, aber da schreiten wir immer rigoros ein: „Was bedeutet die Abkürzung?“, „Was ist das für ein Fremdwort?“, „Können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?“. Ich muss zugeben, dass wir da manchmal auch wie abgesprochen im Chor einschreiten und dann erschrecken sich manche unserer Gäste richtig. Immerhin zeigt das auch, dass wir trotz aller Laienhaftigkeit sehr eingespielt sind.”

Gibt es etwas aus den sechs Jahren, das Dir persönlich besonders in Erinnerung geblieben ist – und warum?

“Als gebürtige NRW`lerin rede ich deutlich schneller als die Oberfranken. Ich habe oft gehört, dass ich langsamer sprechen muss, gerade im Podcast. Also bin ich zum Sprechtraining beim Hofer Theater gegangen. Ich habe gelernt deutlicher, betonter und sehr viel langsamer zu sprechen und weiß auch, dass ich mich warmsprechen muss. Meine Lieblingsübung ist „balali balalo balalü“, das klappt wirklich!”

Welche Rückmeldungen gibt es von Hörerinnen und Hörern – und stammen diese eher aus der Hochschule selbst oder auch darüber hinaus?

„Wir hören den Podcast beim Backen, Putzen, Waschen, beim Autofahren und auch im Büro und im Fitnesstudio“, das sind so die klassischen Aussagen. Wir bekommen auch immer wieder Feedback, welche Folgen gut sind oder wer gut spricht. Es sind sowohl Hörer und Hörerinnen aus der Region als auch aus der Hochschule und ihrem direkten Umfeld. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch, dass die Gäste den Podcast über ihre eigenen Kanäle teilen, damit machen sie sich und die Forschung an der Hochschule auch weiter bekannt.

Ganz klar, wir sind ein Nischenpodcast, mit Herz und Engagement gehen wir den Podcast an. Ganz wichtig auch: Unsere Gäste vertrauen uns, nichts geht raus in den Äther, wenn sie es nicht frei gegeben haben. Es ist schon für uns ein großes Privileg, dass wir mit den Forschern und Forscherinnen sprechen können, es ist für mich immer wie ein Blick in die Zukunft.”

Mit Blick auf die 50. Folge: Wie soll sich der Podcast in Zukunft weiterentwickeln – inhaltlich oder vielleicht auch im Format?

“Wir diskutieren, dass wir den Podcast insgesamt noch etwas lockerer machen möchten, also noch mehr in Richtung echtes Gespräch und weniger klassisches Interview. Vielleicht wäre eine Live-Aufnahme während der nächsten Nacht der Wissenschaft eine Idee? Dann denken wir über eine Kooperation mit einem anderen Podcast nach, mal sehen, ob das klappt. Ach, es gibt so viele Ideen. Aber leider bin ich im Hauptberuf nicht Podcasterin, sondern der Podcast nimmt nur einen sehr geringen Teil meiner Arbeitszeit ein, zu viel wünschen geht da leider nicht. Und den Spaß wollen wir uns ja erhalten.”

Vielen Dank für das Gespräch!

Zu allen Podcastfolgen in der Übersicht…

Rainer Krauß
Veröffentlichung: 12.06.2026

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