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Green-Tech: Die Hochschule Hof als Innovationstreiber für eine nachhaltige Region

Die Hochschule Hof verzeichnet aktuell nicht nur eine Rekordzahl an Studierenden, sondern gleichzeitig auch den höchsten Stand an Forschungsprojekten in ihrer Geschichte. Nicht wenige der derzeitigen Projekte und Entwicklungen sind dabei direkt oder indirekt mit dem Hofer Land und den angrenzenden Regionen verwoben: Viele Forschungsergebnisse vom Campus in Hof werden bereits heute in Unternehmen vor Ort umgesetzt oder stehen absehbar vor ihrer praktischen Anwendung.  Die Hochschule Hof ist damit ein gutes Vierteljahrhundert nach ihrer Gründung einer der großen Innovationstreiber der Region – insbesondere auf dem Feld ökologisch-nachhaltiger Entwicklungen.

Bild: Hochschule Hof;

Die Erwartungen der Regionen an „ihre“ Hochschulen als Innovationstreiber sind hoch: Wie die Hochschule Hof diesen gerecht wird, zeigt sich oft im Zusammenspiel der Netzwerke vor Ort und vor allem auch durch die Qualität der Forschung. Deckt diese die Themen der Unternehmen vor Ort ab? Und ist die Hochschule in der Lage, ihre Studierenden entsprechend auszubilden?

In der Hofer Region scheint dies stimmig zu sein. „Unsere berufsnahe Lehre geschieht mit hoher Qualität. Unsere Hochschule verzeichnet darüber hinaus zuletzt auch einen bemerkenswerten Zuwachs an eigenen Forschungsthemen und Innovationen. Diese stärken nicht nur die Attraktivität der Hochschule selbst, sondern sie kommen oft zuallererst unserer Region zugute. Vieles davon betrifft Wachstumsbranchen, die einen ökologischen Ansatz verfolgen“, so Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann.

Moderne Mobilität

Ein gutes und teilweise bereits sichtbares Beispiel ist die Frage der zukünftigen Mobilität. Die Hochschule Hof koordinierte das vom Bundesverkehrsministerium geförderten Forschungsprojekt „MobiDig“. Dort analysierten Forscherinnen und Forscher von 2017 bis 2020 zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Verwaltung die Mobilitätsbedarfe der Modellregion Hochfranken. Das Resultat sind belastungsfähige Prognosen zu künftigen Verkehrsströmen und es konnten Vorschläge für die bestmögliche Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsangebote erarbeiten werden – vom Bus bis zum Carsharing. Auf der Basis dieser Ergebnisse soll die Bevölkerung mittelfristig unabhängiger werden und auch jenseits des Individualverkehrs mehr Bewegungsfreiheit gewinnen.

Autonom fahrenden Busse der Shuttle Modellregion Oberfranken (SMO); Bild: SMO;

Hofer Landbus und autonom fahrende Busse

Eine Maßnahme ist der Ausbau der bedarfsgesteuerten Mobilität, zum Beispiel in Form des bereits fahrenden Hofer Landbusses. Die Hochschule Hof ist außerdem Forschungspartner der „Shuttle-Modellregion Oberfranken SMO“, die im Rahmen von Projekten in Kronach, Rehau und Hof autonom fahrende Busse weiterentwickelt. Die futuristisch aussehenden und mit geringer Geschwindigkeit verkehrenden Kleinbusse ohne Fahrer sorgen immer wieder für viel Interesse bei Passanten. Mit ihrem selbstlernenden System werden die Busse mit jedem Tag ihrer Einsätze in den Innenstädten besser und sollen in Zukunft zu einem leistungsfähigen Transportsystem beitragen.

Eine weitere Forschungsgruppe des Instituts für Informationssysteme (iisys) nimmt das Nutzerverhalten Autofahrern unter die Lupe. Zum Teil für regionale Wirtschaftspartner wurden Fahrtests mit autonomen Einparkassistenten in modernen KFZ durchgeführt. Mit Videoaufzeichnungen sowie quantitativen und qualitativen Befragungen wurden umfangreiche Daten erhoben und ausgewertet. Diese Forschung soll die Fahrsicherheit und die Bedienfreundlichkeit zukünftiger Steuerungssysteme verbessern helfen.

Regionaler Wasserstoff aus Biomasse

Innovationen für die Energiewende entstehen am Institut für Wasser- und Energiemanagement der Hochschule Hof (iwe): Mit Forschungspartnern wurde ein neuartiges Verfahren entwickelt, um aus Biomasse hochwertigen Wasserstoff herzustellen. In der Folge der Entwicklung kam es bereits zu einer Unternehmensgründung, die laut Geschäftsführer Dr. Andy Gradel auf reges Interesse seitens der Wirtschaft stößt. Neben dem Vertrieb schlüsselfertiger Anlagen zur Dampfreformierung von Biogas möchte die junge Firma BtX energy GmbH für die Region Hof ein Gesamtkonzept zur regionalen Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff erstellen – ein wegweisendes Unterfangen.

Umweltfreundliche Kunststoffprodukte mit Bioabfällen

Gibt es im Supermarkt bald Verpackungen mit Bioabfällen aus lokaler Herkunft oder Landwirtschaftsfolien mit altem Kaffeesatz? Gut möglich! Am Institut für angewandte Biopolymerforschung der Hochschule Hof (ibp) erforscht eine Nachwuchsforschergruppe den Einfluss natürlicher Strahlung sowie den Einsatz von biogenen Reststoffen auf die Eigenschaften und die Struktur von Biokunststoffen. Damit könnten diese Biokunststoffe in Zukunft für eine nachhaltige Produktwirtschaft im Sinne der Bioökonomie interessant werden. Unter anderem sollen dabei Bioabfälle aus der Lebensmittelindustrie und Forstwirtschaft in die Biokunststoffmischungen eingesetzt und so einer natürlichen Wiederverwendung zugeführt werden.

Abbaubare Folien für die Landwirtschaft

Eine Machbarkeitsstudie desselben Hochschulinstituts soll währenddessen die Grundlage für biologisch abbaubare Folien in der Landwirtschaft legen. Die zunehmen eingesetzten, sogenannten Silagefolien werden bislang konventionell produziert und basieren in der Regel auf Erdöl. Im Boden hinterlassen sie nachweisbares Mikroplastik, außerdem sind die gängigen Folien reine Einwegartikel. Ziel der Forscherinnen und Forscher ist es, dass die Folien zukünftig zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. So soll ein Produkt entstehen, das kompostierbar oder recyclebar ist und damit perfekt in den landwirtschaftlichen Produktionskreislauf integriert werden kann.

Innovative Textilproduktion

Doch auch die traditionelle Industrie der Region profitiert von der Hochschule Hof. Am Institut für Materialwissenschaften (ifm) am Campus Münchberg läuft das EFRE-Projekt (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) „Textilindustrie 4.0“. Es beschäftigt sich mit dem Technologietransfer vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen der Region. Vermittelt werden modernste und nachhaltige Verfahren zur Textilproduktion. Beteiligen können sich alle Unternehmen der regionalen Textilbranche, die nicht mehr als 250 Mitarbeiter haben und deren Umsatz 50 Mio. EUR nicht übersteigt.  

Austausch zwischen europäischen Regionen

Um Know-How-Transfer geht es auch im Interreg-Projekt “Digital Regions”, das am Institut für Informationssysteme (iisys) umgesetzt wird. Es will einen Beitrag leisten für einen besseren europaweiten Erfahrungs- und Informationsaustausch über Strategien und Methoden im Bereich der Digitalisierung und der Industrie 4.0. Die Potenziale bestehender europäischer, nationaler und regionaler Fördermöglichkeiten sollen dazu besser genutzt werden. Dabei schauen sich die acht Partnerregionen gegenseitig über die Schulter und lernen anhand sog. „Best Practices“ voneinander. Lokale Unternehmen müssen damit nicht immer das Rad neu erfinden, sondern profitieren von vorhandenem Wissen, auf das sie aufbauen können.

Anerkennung aus der Politik

Der Beitrag der Hochschule Hof zur Entwicklung der Region findet auch in der Politik Anklang:

Die Ausrichtung der Hochschule Hof als Green Tech University wird immer wieder mit Leben gefüllt. Nachhaltigkeit und die ökologische Zukunftsfähigkeit stehen bei einer Vielzahl von Forschungsprojekten im Mittelpunkt. Dass dieses Wissen auch vor Ort eingesetzt wird, ist ein großer Gewinn für das Hofer Land.”

Landrat Dr. Oliver Bär

Dem schließt sich auch Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla an:

Die Hochschule Hof ist einer der großen Standortfaktoren für unsere Stadt. Sie leistet weit mehr als Wissensvermittlung – sie schafft neues Wissen, verwertbare Erkenntnisse und befördert Innovationen. So freut mich beispielsweise ihre Beteiligung am Shuttle Modell Projekt Oberfranken. Hier werden Forschung und Fortschritt direkt in der Hofer City erlebbar.”

Oberbürgermeisterin Eva Döhla

Rainer Krauß

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