Der weltweite Energiebedarf steigt weiter, gleichzeitig wachsen immer noch die Mengen an Abfällen aus Industrie und Haushalten. Besonders biogene Reststoffe und Kunststoffabfälle stellen dabei in der Verwertung oft ein Problem dar: Viele dieser schwer recyclebaren Stoffe werden in Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Damit geht nicht nur wertvolles energetisches Potenzial verloren, sondern es entstehen auch vermeidbare CO₂-Emissionen. Das Projekt „EnerFuel“ der Hochschule Hof will hier Abhilfe schaffen: Ziel ist es, innovative Herstellungsprozesse für hochwertiger alternativer Brenn- und Kraftstoffe aus Materialien, die bislang kaum stofflich oder energetisch genutzt werden, zu entwickeln.

Bei der bei hohen Temperaturen stattfindenden thermochemischen Umwandlung werden Reststoffe in energiereiche Produkte überführt. „Konkret wird dafür das Verfahren der Gasifizierung angewendet. Dieses Verfahren wandelt feste, kohlenstoffhaltige Materialien unter Einsatz eines Vergasungsmittels (z. B. Luft, Sauerstoff, Kohlendioxid) in ein Synthesegas um”, erläutert Prof. Dr. Tobias Plessing, Leiter des Instituts für Wasserstoff und Energietechnik der Hochschule Hof (iwe). Dieses Gasgemisch welches überwiegend aus Kohlenmonoxid, Wasserstoff, Kohlendioxid, Methan sowie weiteren leichten Kohlenwasserstoffen besteht, dient als sogenanntes Plattformprodukt, also als vielseitig einsetzbarer Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedener Kraft- und Brennstoffe. “So sollen optimierte Brennstoffmischungen aus Kunststoff- und Biomassereststoffen entwickelt werden, um eine stabile und effiziente energetische Nutzung zu gewährleisten und einen Beitrag zur Energieversorgung leisten zu können.“

Und weiter:
„Mit EnerFuel schaffen wir die Grundlage, um regionale Reststoffe in marktfähige Energieträger zu überführen und gleichzeitig Emissionen zu reduzieren.“
Prof. Dr. Tobias Plessing (iwe)
Von der Laboridee zur industriellen Anwendung
Damit innovative Verfahren nicht im Versuchsstadium bleiben, kombiniert das Projekt experimentelle Forschung mit systematischer Modellierung. In Labor- und Technikumsversuchen werden geeignete Brennstoffmischungen entwickelt und experimentell validiert. Ergänzend kommen Systemsimulationen und validierte verfahrenstechnische Modelle zum Einsatz, um Prozesse realitätsnah abzubilden und zu optimieren.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt naturgemäß auf dem sogenannten „Scale-up“, also der Übertragung vom Labor- in den industriellen Maßstab. Ziel ist es, tragfähige Konzepte für eine wirtschaftliche Umsetzung zu entwickeln. Dabei müssen unter anderem die technische Handhabung heterogener Kunststoffabfälle in Vergasungsreaktoren, die Entwicklung stabiler Brennstoffmischungen sowie die Sicherstellung einer konstant hohen Prozess- und Produktqualität gewährleistet werden. Auch die Integration regionaler Stoffströme spielt eine zentrale Rolle, um Transportwege zu minimieren und regionale Wertschöpfung zu stärken.
Der Projektablauf gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauende Schritte: Zunächst werden regionale Reststoffe umfassend charakterisiert. Darauf aufbauend folgen die Entwicklung und Optimierung geeigneter Brennstoffmischungen, ihre experimentelle Validierung im Labor- und Technikumsmaßstab sowie abschließend Modellierung und Simulation als Grundlage für die industrielle Umsetzung.

Bild: Hochschule Hof;
Starke Partner für nachhaltige Energielösungen
Das Projekt „EnerFuel“ wird gemeinschaftlich vom Institut für Wasser- und Energiemanagement (iwe) sowie dem Institut für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere der Hochschule Hof der Hochschule Hof (ibp) durchgeführt. Die Laufzeit erstreckt sich dabei vom 1. März 2026 bis zum 28. Februar 2029.
Beteiligt sind zudem:
- blueFLUX Energy AG
- Böhme GmbH
- BtX energy GmbH
- Die-steeltech UG i.G
- ecoloop GmbH
- Green Energy Max Zintl GmbH
- GELO Holzwerke GmbH sowie
- Spanner Re2 GmbH
Das Projekt verfügt über ein Gesamtvolumen von 1,34 Millionen Euro und wird zu 90 Prozent durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.
