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Grenzüberschreitender Dialog vernetzt Wasserstoff-Industrie aus Bayern und Tschechien

Wie kann Wasserstoff die industrielle Transformation in Bayern und Tschechien vorantreiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung „Wasserstoff in der Industrie“, zu der Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Infrastruktur ins Porzellanikon Selb kamen. Expertinnen und Experten präsentierten aktuelle Projekte und Zukunftskonzepte, die zeigen: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft immer wichtiger.

Quelle: Hochschule Hof;

Zum Auftakt betonte Dr. Stefan Bayer vom Institut für Wasserstoff und Energietechnik der Hochschule Hof die Bedeutung regionaler Kooperationen für eine nachhaltige Energieversorgung. Er fügte aber hinzu:

Wasserstoff bleibt ein zentraler Schlüssel für eine nachhaltige Energiezukunft – doch wir stehen an einem Punkt, an dem aus Pilotprojekten endlich tragfähige Anwendungen werden müssen.“

Dr. Stefan Bayer

Die politische Situation dafür wirke derzeit vergleichsweise stabil und biete damit eine gewisse Planungssicherheit. Um die Vielzahl an Forschungs- und Pilotprojekten nun in konkrete, wirtschaftlich tragfähige Anwendungen zu überführen, müsse die Region konsequent am Thema dranbleiben, um von der aktuellen Dynamik zu profitieren. Insgesamt stelle sich nach wie vor die zentrale Frage, ob sich das System Wasserstoff langfristig eigenständig wirtschaftlich tragen kann oder ob Europa dauerhaft erhebliche Fördermittel bereitstellen muss, um diesen Entwicklungsweg zu stützen.

Best-Practice aus Oberfranken: Grüner Wasserstoff aus Wunsiedel

Ein konkretes Beispiel für erfolgreiche regionale Wertschöpfung stellte Benjamin Fojer (Rießner-Gase GmbH) vor: Das Wunsiedler Wasserstoffprojekt erzeugt mit einer 8,75-MW-Elektrolyse jährlich rund 1.350 Tonnen grünen Wasserstoff. Die Anlage gilt als Vorzeigeprojekt für dezentrale Produktion und Versorgung.

Sicherheit, Regulierung und Infrastruktur: Voraussetzungen für den Markthochlauf

Stefan Brandner (TÜV SÜD Industrie Service GmbH) gab anschließend Einblicke in die gesetzlichen Anforderungen an Wasserstofftankstellen nach BetrSichV. Dabei standen insbesondere Sicherheitsstandards und Genehmigungsprozesse im Mittelpunkt. Im Anschluss erläuterte Ingmar Jäschke (Ferngas Netzgesellschaft mbH) den Planungsstand des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes. Dieses soll industrielle Zentren verbinden und perspektivisch an europäische Leitungsstrukturen angebunden werden.

Innovative Speicher- und Versorgungslösungen für die Industrie

Mit neuen Konzepten zur dezentralen Versorgung energieintensiver Betriebe beschäftigte sich Matthias Rudloff (AMBARtec AG). Er präsentierte ein Speichersystem auf Basis von Eisenoxid, das bei niedrigem Druck arbeitet und eine kostengünstige, sichere Alternative zu herkömmlichen Speichertechnologien bieten soll. Einen praxisnahen Transformationsansatz zeigte zudem Reiner Herold (MSR-Innovations GmbH): Durch den kombinierten Einsatz von Photovoltaik, Batteriespeichern, Elektrolyse und Brennstoffzellen könne nahezu energieautarke Produktion ermöglicht werden.

Unternehmen als Akteure der Transformation

Welche technischen und organisatorischen Schritte Unternehmen beim Einstieg in Wasserstofftechnologien beachten müssen, erläuterte Manfred Bernhard (Max Streicher GmbH & Co. KG). Ergänzend stellte Markus Rösch (HiTES Holding GmbH) innovative Verfahren zur Wasserstoffproduktion aus Biomasse vor und zeigte deren langfristiges Potenzial auf.

Blick über die Grenze: Wasserstoffstrategien in Tschechien

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur in Tschechien. Ivo Komorous (NET4GAS, s.r.o.) präsentierte das Konzept des „Czech Hydrogen Backbone“, das zentrale Industriestandorte künftig über neue Leitungen verbinden soll. Martin Růžička (ORLEN Unipetrol) beleuchtete unter dem Titel „Opportunities and limitations of RFNBO Hydrogen production and utilization in the Czech Republic“ die Chancen und Herausforderungen der RFNBO-Wasserstofferzeugung. Beide Beiträge machten deutlich, dass regulatorische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und internationale Abstimmung wesentliche Erfolgsfaktoren sind.

Intensiver Austausch zu konkreten Anwendungen

In den anschließenden Gesprächen wurde deutlich, dass das Interesse an praktischen Lösungen für Produktion, Speicherung, Transport und Nutzung weiterwächst – und dass der Dialog zwischen Bayern und Tschechien die gemeinsame Wasserstoffzukunft entscheidend voranbringen kann.

(red)

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