Kostenlos abonnieren

Werden Sie regelmäßig per E-Mail über neue Ausgaben der campuls informiert. Sie können Ihr kostenloses Abo jederzeit einfach online über den Abmeldelink im Newsletter kündigen.

Weitere Infos zu Datenschutz & Widerrufsrecht finden Sie hier.

Von Berlin nach Konradsreuth – Leni Rohleder und die neue Rolle der Unternehmerin

Wo sonst der Takt der Webstühle den Alltag bestimmt, trafen sich diese Woche Unternehmerinnen, Entscheiderinnen und Fachfrauen zu einem besonderen Austausch. Das Netzwerk Frauen.Stärken.Hof (FSH), in dem auch die Hochschule Hof engagiert ist, machte Station beim Textilunternehmen Rohleder in Konradsreuth – und bot einen Blick hinter die Kulissen eines Familienbetriebs mit internationalem Anspruch.

Leni Rohleder (Bildmitte) lud das Netzwerk Frauen.Stärken.Hof ein, das Familienunternehmen in Konradsreuth näher kennenzulernen; Bild: Hochschule Hof;

Empfangen wurden die Teilnehmerinnen von Leni Rohleder, Head of Sustainability und Marketing – und Enkelin des Firmengründers. 1946 von ihrem Großvater ins Leben gerufen, zählt die Rohleder GmbH heute zu den führenden Möbelstoffwebereien Europas. Auch wenn der Name nicht immer auf fertigen Möbelstücken sichtbar ist, denn es gibt zwei Absatzmärkte: Einmal die Möbelhersteller namhafter Marken und die Textilgroßhändler, sog. „Textilediteure“. Beim Verkauf an Letztere gibt Rohleder die Designrechte ab und so auch den Namen.

Anne-Christine Habbel, Mitgründerin von FSH und von der Hochschule Hof, begrüßte die gut dreißig Gäste und sagte: „Zwei meiner Sofakissen sind auch von Rohleder“ – ein persönliches Beispiel für die Alltagspräsenz der Rohleder-Stoffe. Die Textilregion Oberfranken sei ein Hotspot der Branche, ergänzt sie – und verweist auf die enge Verbindung zur Hochschule Hof, eine der wenigen Ausbildungsstätten für Textiltechnik in Deutschland.

170 Mitarbeitende, 66 Webstühle – und eine klare Vision

In den weitläufigen Produktionshallen in Konradsreuth stehen 66 Webstühle, auf denen Stoffe für die gehobene Möbelindustrie entstehen. Rund die Hälfte der Belegschaft arbeitet direkt in der Produktion. Besonders im Fokus: Kreativität und Schutz vor Plagiaten.

Unsere Designs werden oft kopiert. Wir müssen ständig innovativ bleiben.”

Leni Rohleder

Zwischen Familientradition und unternehmerischer Eigenständigkeit

Leni Rohleder ist in Berlin aufgewachsen. Die Entscheidung, ins Familienunternehmen einzusteigen, war nicht selbstverständlich. „Ich kannte Oberfranken früher nur aus den Schulferien“, erzählt sie. Heute pendelt sie zwischen Berlin und Konradsreuth – montags bis donnerstags vor Ort, den Rest der Woche in der Hauptstadt. Die Übergabe der Unternehmensführung läuft schrittweise: Der Vater ist heute nur noch beratend im Beirat tätig, zwei externe Geschäftsführer führen das operative Geschäft. „Ich nehme mir bewusst Zeit, um mich vorzubereiten“, sagt sie über ihre künftige Rolle.

Ein Mittagstreff mit Einblick und Austausch

Vor einer eindrucksvollen Führung durch die Fertigung und einem Abstecher in den firmeneigenen Outlet-Shop lud das Unternehmen die Gäste zum gemeinsamen Snack-Buffet ein. In entspannter Atmosphäre wurde diskutiert, genetzwerkt und reflektiert – ganz im Sinne des Formats Frauen.Stärken.Hof, das sich zum Ziel gesetzt hat, weibliche Perspektiven in Wirtschaft und Gesellschaft sichtbarer zu machen.

Referentinnen und Organisatorinnen des F.S.H.-Treffens; Bild: Hochschule Hof;

Mit dem Besuch bei Rohleder zeigte sich erneut, wie wertvoll der persönliche Austausch ist – und wie wichtig es bleibt, traditionelle Branchen mit frischen Ideen und nachhaltigem Denken zu verbinden. Leni Rohleder ist dafür ein überzeugendes Beispiel.

Anne-Christine Habbel

Weitere Themen