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Projekt in Kolumbien: Frauen gestalten ökologischen Frieden

Über zwanzig Frauen aus verschiedenen Gemeinden der Region Magdalena Medio haben Anfang Dezember an zwei Workshops im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts FRAU-PAZ teilgenommen. Ziel war es, ökologische Friedensstrategien aus einer geschlechtersensiblen Perspektive zu entwickeln und lokales Erfahrungswissen mit wissenschaftlichen Ansätzen zu verbinden.

Quelle: Hochschule Hof;

Die Workshops wurden gemeinsam von der Organisation Organización Femenina Popular (OFP), der Universidad Santo Tomás, der Universidad Pontificia Bolivariana sowie der Hochschule Hof durchgeführt. Im Mittelpunkt stand dabei eine zentrale Erkenntnis: Ökologischer Frieden entsteht dort, wo der Schutz von Wasser, Territorium und Gemeinschaft zusammengedacht wird.

Wasser als Schlüssel für Gemeinschaft und Frieden

Ausgangspunkt der Workshops war die Frage, welche Rolle Wasser für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielt. Für die Teilnehmerinnen ist Wasser weit mehr als eine natürliche Ressource. Es ist Grundlage des täglichen Lebens, identitätsstiftendes Element und verbindender Faktor innerhalb der Gemeinschaften entlang des Río Magdalena.

Diese Perspektive wurde bereits zu Beginn der Workshops deutlich, als die Frauen ihre persönliche Beziehung zu ihrem Territorium anhand von Symbolen aus der Flusslandschaft beschrieben. Die enge Verbindung zwischen Wasser, Herkunft und sozialem Zusammenhalt zog sich als roter Faden durch alle Arbeitsphasen.

Projekt FRAU-PAZ: Frieden als gelebte Praxis

Im Rahmen einer Einführung stellten Vertreterinnen des Projekts FRAU-PAZ den Forschungsansatz vor. Das Projekt untersucht, wie Frauen ökologische Friedensprozesse im Alltag gestalten und welche Rolle Fürsorge, Organisation und kollektives Handeln dabei spielen (“campuls-digital” berichtete).

In interaktiven Übungen reflektierten die Teilnehmerinnen Faktoren, die ihr Wohlbefinden stärken, Einflüsse, die Ruhe und Sicherheit beeinträchtigen sowie gemeinschaftliche Maßnahmen zum Schutz von Leben und Umwelt.

Die Ergebnisse verdeutlichten ein gemeinsames Verständnis von Frieden als kontinuierlichem Prozess, der im täglichen Handeln verankert ist – insbesondere im verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Natur.

Umweltzerstörung als Ursache sozialer Konflikte

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den aktuellen ökologischen Herausforderungen in der Region. Die Frauen berichteten dabei über illegale Gold- und Kohleförderung, die Ölverschmutzungen in Flüssen, Abholzung und agrarindustrielle Monokulturen sowie über gesundheitliche Risiken durch verunreinigtes Trinkwasser. Diese Berichte bestätigten die bisherigen Forschungsergebnisse: Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit und Gewalt sind im Magdalena Medio eng miteinander verknüpft. Der Verlust von Wasserqualität und -verfügbarkeit wirkt sich unmittelbar auf soziale Stabilität und Sicherheit aus.

Schwammregionen: Wissenschaft im Austausch mit lokalem Wissen

Ein pädagogischer Teil der Workshops widmete sich dem Konzept der Schwammregionen, das am Institut inwa der Hochschule Hof erforscht wird. Dabei geht es um Strategien, mit denen Regionen Wasser speichern, reinigen und kontrolliert ableiten können. Im Dialog zeigte sich, dass viele dieser Ansätze in den Gemeinden bereits praktisch umgesetzt werden – etwa durch Regenwassernutzung, Wiederherstellung von Feuchtgebieten oder gemeinschaftliche Filtertechniken. Die wissenschaftliche Perspektive ermöglichte es, diese Erfahrungen einzuordnen und weiterzuentwickeln, ohne sie zu ersetzen.

Kartierung von Wasser und Territorium

Ein zentraler Workshop-Baustein war die gemeinschaftliche Erstellung von Karten des Territoriums. Die Frauen markierten Wasserquellen, Risikozonen, Überschwemmungsbereiche sowie Orte kollektiver ökologischer Praxis. Auf dieser Grundlage entwickelten sie konkrete Vorschläge für ökologische Friedensmaßnahmen, darunter:

  • Regengärten und Biofiltersysteme,
  • Wiederbegrünung von Flussufern,
  • gemeinschaftliche Umweltbeobachtung,
  • kleinräumige Lösungen zur Regenwasserrückhaltung.

Diese Karten dienen dem Projekt FRAU-PAZ nun sowohl als Forschungsgrundlage als auch als Ausdruck einer gemeinsamen Vision für nachhaltige Entwicklung.

Bedeutung für die internationale Forschung

Für die Hochschule Hof und die beteiligten Universitäten war der Workshop ein wichtiger Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit. Er verdeutlichte, wie lokale Wissensformen wissenschaftliche Forschung bereichern können und wie Geschlechterperspektiven neue Zugänge zu Fragen von Wasser, Umwelt und Frieden eröffnen.


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