Ein neues internationales Forschungsprojekt widmet sich der Frage, wie Frauen in Kolumbien durch Umweltschutz und Ressourcennutzung einen Beitrag zum Frieden leisten. Mit dabei: die Hochschule Hof, die ihre Expertise im Bereich nachhaltiger Wassersysteme einbringt.

Unter dem Titel „Strategien ökologischer Friedensförderung auf Grundlage des Konzepts des Weiblichen – am Beispiel der Arbeit der Organización Femenina Popular (OFP) in der Region Magdalena Medio“ startete im Juni 2025 ein ungewöhnliches Forschungsprojekt. Koordiniert wird es von der Universidad Santo Tomás Seccional Bucaramanga, weitere Partner sind die Universidad Pontificia Bolivariana Seccional Bucaramanga, die traditionsreiche Frauenorganisation OFP – und die Hochschule Hof.
Ziel ist es, gemeinsam mit den Frauen vor Ort Strategien für den Frieden zu identifizieren, zu analysieren und zu fördern.
Wir wollen dokumentieren, wie lokale Praktiken im Umweltschutz und in der Ressourcennutzung zum Aufbau von Frieden beitragen.”
Paola Acosta Carrascal, Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa)
Frieden im Magdalena Medio
Die Region Magdalena Medio gilt als Hotspot sowohl für Naturreichtum als auch für Konflikte: außergewöhnliche Biodiversität und wertvolle Wasserressourcen treffen auf die Folgen jahrzehntelanger Gewalt. So ist die Region seit Jahrzehnten von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Guerillagruppen, paramilitärischen Organisationen und staatlichen Sicherheitskräften geprägt. Hinzu kommen wirtschaftliche Konflikte um die Nutzung der reichen natürlichen Ressourcen, insbesondere von Erdöl, Bergbauflächen und Wasser. Diese Gemengelage hat zu massiven sozialen Spannungen, Vertreibungen und erheblichen ökologischen Schäden geführt.
Gerade die OFP, die älteste Frauenorganisation Kolumbiens, hat hier über 50 Jahre hinweg wichtige Beiträge für Umweltschutz, sozialen Zusammenhalt und Gemeinschaftsstärkung geleistet. Die von Frauen getragenen Initiativen sind zentral, um nachhaltigen Frieden zu schaffen.“
Diana Mignano, International Office der Hochschule Hof
Mignano forscht seit Jahren zu Geschlechterthemen in Lateinamerika und leitet selbst ein eigenes Projekt in der Region.

Rolle der Hochschule Hof: Wasser als Schlüsselressource
Die Hochschule Hof bringt ihre Expertise im Bereich Wasserbewirtschaftung in die internationale Zusammenarbeit ein. Besonderer Fokus liegt auf dem Konzept der „Schwammregionen“ – Landschaften, die Wasser speichern, filtern und in Trockenzeiten wieder abgeben. „Wir prüfen, inwieweit die Erfahrungen aus Kolumbien in dieses Konzept eingeordnet werden können“, so Paola Acosta Carrascal. Darüber hinaus übernimmt die Hochschule die Aufgabe, die Ergebnisse auch in Deutschland sichtbar zu machen und damit den wissenschaftlichen Austausch zwischen Lateinamerika und Europa zu stärken.
Herausforderung in Forschung und Praxis
Die Projektarbeit findet unter schwierigen Bedingungen statt: Trotz des Friedensabkommens von 2016 ist die Lage im Magdalena Medio weiterhin von Gewalt und Unsicherheiten geprägt. Auch methodische Fragen spielen eine Rolle – etwa, wie mündlich überliefertes Wissen aus der Region wissenschaftlich dokumentiert werden kann, ohne kulturelle Kontexte zu verfälschen. Dank hybrider Formate und direkter Kommunikationswege, beispielsweise über WhatsApp, gelingt es dennoch, den Dialog mit den Frauen vor Ort lebendig zu halten.
Globale Bedeutung
„Das Projekt zeigt beispielhaft, wie lokale Initiativen in einem konfliktreichen Umfeld Antworten auf globale Fragen liefern können: Wie lassen sich Umwelt, Wasser und Frieden zusammendenken? Und wie kann die Perspektive von Frauen neue Wege aufzeigen?“, so Paola Acosta Carrascal. Und weiter: „Der nachhaltige Umgang mit Wasser ist nicht nur eine technische Frage, sondern eine soziale und friedenspolitische Aufgabe.“
Das Projekt wird durch den Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), die Justus-Liebig-Universität Gießen (Professur für Internationale Beziehungen und Friedensforschung) sowie das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut CAPAZ finanziert.



