Von Hof nach Kasserine, von Kairouan bis Gabès – Professor Dr.-Ing. Valentin Plenk knüpft ein dichtes Netz aus akademischen Partnerschaften und industriellen Kontakten. Sein jüngster Aufenthalt zeigt: Die Zusammenarbeit der Hochschule Hof mit Tunesien gewinnt an Dynamik.

Als Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk Ende März 2026 nach Tunesien reist, ist es längst nicht mehr seine erste Mission in das nordafrikanische Land. Es geht nicht nur um Pflege bestehender Kontakte, sondern um den gezielten Ausbau eines internationalen Netzwerks zwischen der Hochschule Hof und zentralen Akteuren der tunesischen Hochschullandschaft: „Wir sehen in Tunesien ein enormes Potenzial für langfristige Kooperationen – sowohl in der Lehre als auch in der angewandten Forschung“, beschreibt Prof. Plenk seine Motivation. Im Fokus stehen Studierendenaustausch, Doppelabschlüsse und gemeinsame Projekte mit industriellem Bezug.
Hochschulen im Dialog: Von Tunis bis in den Süden
Eine Schlüsselrolle dabei spielt die Direction Générale des Études Technologiques (DGET), die das Netzwerk der 26 Instituts Supérieurs des Études Technologiques (ISET) koordiniert. Diese Einrichtungen bilden das Rückgrat der praxisorientierten Ingenieurausbildung in Tunesien. Plenk besucht mehrere dieser ISETs – darunter jene in Kasserine, Radès, Ksar-Hellal, und Kairouan. Ergänzt wird das Programm durch Gespräche an der École Nationale des Sciences de l’Informatique (ENSI), Teil der Université de Manouba, der Université de Gabès inklusive des Institut Supérieur de Gestion de Gabès (ISG Gabès) sowie durch Kontakte zur Université de Tunis El Manar.






Überall stehen ähnliche Themen im Mittelpunkt: englischsprachige Studienangebote aus Hof, Erasmus-Fördermöglichkeiten und neue Formate der Zusammenarbeit.
Mobilität als Schlüssel – aber mit Hürden
Besonders groß ist das Interesse tunesischer Studierender an einem Aufenthalt in Deutschland. Zwei Modelle stehen zur Diskussion: klassische Austauschsemester und sogenannte PFE-Aufenthalte („Projet de Fin d’Études“), also Abschlussarbeiten mit binationaler Betreuung.
Gerade das PFE-Modell ist für unsere Partner attraktiv, weil es sich gut in die tunesischen Studienstrukturen integrieren lässt. Der organisatorische Aufwand ist zwar höher, doch die Anerkennung deutlich einfacher.“
Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Finanzierung: Ohne Förderprogramme wie Erasmus sind längere Aufenthalte für viele Studierende kaum realisierbar. Entsprechend intensiv werden alternative Fördermodelle diskutiert.
Neue Lehrformate: Kurzprogramme mit großer Wirkung
Neben klassischen Austauschformaten gewinnen Kurzzeitprogramme an Bedeutung. Nach dem Vorbild der Blended Intensive Programs (BIP) könnten deutsch-tunesische Studierendengruppen für ein bis zwei Wochen gemeinsam an Projekten arbeiten.
Besonders konkrete Ideen entstehen in Ksar-Hellal: „Dort könnten Themen wie Textiltechnik und interkulturelles Design im Mittelpunkt stehen. Solche kompakten Programme sind ideal, um erste internationale Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig konkrete Ergebnisse zu erzielen“, so Prof. Nicole Mallek, die den Besuch in Ksar-Hellal begleitete.
Forschung trifft Praxis: Industrie als Partner
Ein zentrales Element der Reise ist der Austausch mit Unternehmen. Besucht werden unter anderem die Société des Arts Textiles (SARTEX), die Société Nationale de Cellulose et de papier Alfa (SNCPA) und SONAM. Hier zeigt sich, wie eng Hochschulkooperation und industrielle Anwendung verzahnt werden können. Insbesondere in den Bereichen Fertigung und Energie eröffnen sich spannende Felder für gemeinsame Forschungsprojekte. Viele tunesische Universitäten signalisierten Interesse an gemeinsamen Promotionsprojekten mit Aufenthalten in Deutschland. Parallel werden größere Programme vorbereitet, die aber noch nicht spruchreif sind und über die erst zu einem späteren Zeitpunkt informiert werden kann. „Jetzt kommt es darauf an, die vielen Ideen in tragfähige Strukturen zu überführen“, resümiert Prof. Plenk.
Netzwerk mit Zukunft
Für die Hochschule Hof eröffnet Tunesien dabei nicht nur neue Partnerschaften, sondern auch einen Zugang zu einem wachsenden Bildungs- und Innovationsraum im Mittelmeerraum. Oder, wie es Prof. Dr.-Ing Plenk formuliert: „Diese Kooperationen sind keine Einbahnstraße – sie leben vom gegenseitigen Lernen und vom gemeinsamen Entwickeln neuer Ideen.“