Nach der eigenen Aussaat von Flachs auf dem eigenen Campus fand am vergangenen Samstag am Standort Münchberg der Hochschule Hof ein praxisorientierter Workshop zum Bau traditioneller Flachswerkzeuge statt. Organisiert von der Frauenbeauftragten Prof. Dr. Anett Matthäi richtete sich das Angebot gezielt an sogenannte FLINTA-Personen der Hochschule Hof.

Der Begriff FLINTA steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen. Er wird verwendet, um Gruppen zu benennen, die im Alltag und insbesondere in bestimmten Berufsfeldern häufig strukturelle Benachteiligung erfahren.
Handwerkliche Fähigkeiten und Empowerment im Fokus
Unter Anleitung von zwei Schreinerinnen des Vereins HolzKraftWerk wurden Flachsbrechen und Flachsschwingen gefertigt.
Ziel war es, handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln und gleichzeitig einen Raum zu schaffen, in dem sich Teilnehmende frei von geschlechterspezifischen Vorurteilen ausprobieren konnten.“
Prof. Dr. Anett Matthäi, Frauenbeauftragte
Für die praktische Umsetzung stand die Holzwerkstatt der August-Horch-Berufsschule in Münchberg zur Verfügung. Die Einweisung vor Ort sowie die Unterstützung durch die Berufsschule trugen maßgeblich zum Gelingen des Workshops bei.
Lernen durch Praxis und Austausch
Nach einer Einführung in Werkzeuge wie Japansäge, Handhobel und Stichsäge fertigten die Teilnehmenden eigenständig die einzelnen Bestandteile der Werkzeuge an. Im weiteren Verlauf kamen auch Stemmeisen, Ständerbohrmaschine und Akkuschrauber zum Einsatz, um die Bauteile zusammenzufügen. Neben dem handwerklichen Lernen stand auch der gemeinsame Austausch im Mittelpunkt.



Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurde die wertschätzende Lernatmosphäre sowie die Möglichkeit, ohne Zeitdruck neue Fähigkeiten zu erproben und von erfahrenen Handwerkerinnen zu lernen.
Historischer Bezug und gesellschaftliche Relevanz
Der Workshop greift auch einen historischen Zusammenhang auf: Die Verarbeitung von Flachs war traditionell eine Aufgabe von Frauen, deren Beitrag häufig wenig sichtbar war. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema aktuell neue Aufmerksamkeit. Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Ziel ist es, die Rolle von Frauen sichtbarer zu machen und ihre Gleichstellung zu fördern.
In Deutschland werden derzeit rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet. Eine stärkere Beteiligung gilt als wichtiger Faktor für nachhaltige Entwicklung, Ernährungssicherheit und die Zukunft ländlicher Räume.
Ausblick: Weiterverarbeitung des Flachses geplant
Die im Workshop gefertigten Werkzeuge sollen im weiteren Projektverlauf eingesetzt werden. Im Herbst ist die Verarbeitung des angebauten Flachses zu Fasern, Garnen und möglicherweise auch zu technischen Materialien vorgesehen.
Dabei sind ausdrücklich alle Studierenden eingeladen, sich zu beteiligen. Denn die besten Ideen entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenkommen.