Wie können wir Studierende unterstützen, sodass sie in einer komplexen, digitalen und nachhaltigkeitsorientierten Arbeitswelt bestehen können? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt „KoSMOs“ an der Hochschule Hof. Ziel des Projekts ist es, die Hochschullehre grundlegend weiterzuentwickeln und stärker auf Future Skills auszurichten – also Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Selbstmanagement und interdisziplinäres Denken.

„Wir wollen Lehre so gestalten, dass Studierende nicht nur Faktenwissen aufnehmen, sondern aktiv Kompetenzen entwickeln, die sie in ihrem späteren Berufsleben wirklich brauchen“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr.-Ing. Anke Müller, gleichzeitig Dekanin der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Hochschule Hof. „Dafür müssen wir neue Wege gehen – didaktisch, strukturell und zum Teil auch kulturell.“
Studierendenzentrierte Lehre im Fokus
KoSMOs rückt eine studierendenzentrierte Lehre in den Mittelpunkt. An die Stelle reiner Wissensvermittlung treten neue Lehr- und Lernformate, die aktiven Austausch, eigenverantwortliches Lernen und praxisnahe Problemlösungen fördern. Grundlage dafür ist eine Analyse bestehender Lehrstrukturen sowie der Anforderungen der Arbeitswelt. Parallel dazu entstehen konkrete Angebote für Lehrende und Studierende: Das neu aufgebaute Didaktikzentrum (Anke Kaluza, Maike Haag) bündelt Beratung, Workshops, Peer-Learning-Formate und einen Lehrmittel-Pool und unterstützt darüber hinaus bei der Konzeption von Lehrveranstaltungen. Ziel ist es, studierendenzentrierte und projektorientierte Lehre dauerhaft an der Hochschule zu verankern.
Sieben Pilotprojekte für die Lehre von morgen
Besonders sichtbar wird KoSMOs in seinen praxisnahen Pilotprojekten. Insgesamt sieben sogenannte Good-Practice-Lehrveranstaltungen erproben neue Wege des Lernens in unterschiedlichen Fachrichtungen:
- Ein Beispiel ist das Format „Capture the Flag“ (Prof. Dr. Florian Adamsky), das aus der Informatik stammt. Hier spüren Studierende in Teams Sicherheitslücken auf und verteidigen Systeme gegen Angriffe. Das spielerische Wettbewerbsprinzip stärkt analytisches Denken, Teamarbeit und Problemlösungskompetenz.
- Beim Projekt „Invert the Class“ (Prof. Dr.-Ing. Christoph Koch) kommt ein Flipped-Classroom-Konzept zum Einsatz. Dabei erarbeiten sich Studierende theoretische Inhalte zunächst eigenständig – etwa mithilfe von Videos oder digitalen Lernmaterialien – bevor die gemeinsame Präsenzzeit für Diskussionen, Gruppenarbeiten und komplexe Fallstudien genutzt wird. Die Lehrenden begleiten den Prozess dabei eher als Coaches.
- Das Pilotprojekt „MB Kompetenz“ (Prof. Dr.-Ing. Marco Linß) verbindet mehrere ingenieurwissenschaftliche Module entlang eines vollständigen Produktlebenszyklus – von der ersten Idee bis hin zur Qualitätskontrolle. Durch dieses projektbasierte Lernen erwerben die Studierenden nicht nur Fachwissen, sondern stärken auch Methodenkompetenzen, Selbstorganisation und systemisches Denken.
- Im Projekt „KI Wizzard“ (Prof. Dr.-Ing. Katharina Neumann) bearbeiten Studierende reale Problemstellungen mithilfe künstlicher Intelligenz, digitaler Plattformen, Simulationen und Laborarbeit. Das hybride Lernformat verbindet digitale und praktische Elemente und fördert insbesondere Kooperation, Kommunikation und kritisches Denken.
- Ein weiteres Beispiel ist „MINT Escape“, das von Projektleiterin Prof. Dr.-Ing. Anke Müller selbst betreut wird. In einem Escape-Room-Szenario lösen Studierende sowie Schülerinnen und Schüler interdisziplinäre Rätsel, um eine fiktive Katastrophe abzuwenden. Der spielerische Zeitdruck fördert Teamfähigkeit, Kommunikation und kreatives Denken und soll gleichzeitig die Begeisterung für technische Studiengänge stärken.
- Praxisnah wird es auch im Projekt „Future Industry in a Box“ (Prof. Dr. Heike Markus). Hier entsteht eine Mikrofabrik, in der moderne Produktionsprozesse und IoT-Technologien – also die intelligente Vernetzung von Maschinen und Geräten über das Internet – erlebbar gemacht werden. Die Studierenden lernen dabei sogenannte Industrie-4.0-Anwendungen kennen.
- Mit „INTER.Campus“ (Prof. Dr. Heike Markus) verfolgt KoSMOs zudem einen hochschulweiten Ansatz: Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten gemeinsam an realen Projekten mit Unternehmen aus der Region. Dabei erwerben sie Kompetenzen in interkultureller Kommunikation, Teamarbeit und Entrepreneurship und sammeln gleichzeitig wertvolle Praxiserfahrungen.

Nachhaltige Veränderung der Hochschulkultur
KoSMOs versteht sich jedoch nicht nur als Sammlung innovativer Lehrideen. Das Projekt soll die Hochschulkultur langfristig verändern. Dafür werden unter anderem neue Strukturen geschaffen – etwa ein Lehrinnovationsgremium, verbesserte didaktische Onboarding-Prozesse für Lehrende sowie fachübergreifende Cluster für Co-Teaching und Peer-Learning.
„Unser Anspruch ist es, Innovation in der Lehre dauerhaft in den Strukturen der Hochschule zu verankern. Wenn Lehrende gute Ideen leichter umsetzen können und dafür Anerkennung erhalten, profitieren letztlich alle – vor allem die Studierenden.“
Prof. Dr.-Ing. Anke Müller
Begleitet wird das Projekt von einer kontinuierlichen Evaluation (Prof. Müller-Czygan), welche die Auswirkungen auf Lehrqualität, Studienerfolg und Kompetenzentwicklung untersucht. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse über Open-Access-Publikationen, Fachkonferenzen und digitale Lernmaterialien auch anderen Hochschulen zugänglich gemacht werden.
Weitere Informationen zum Projekt KoSMOs erhalten Interessierte unter:
Projektkoordination: Dr. Julia Winterlich
Julia.Winterlich@hof-university.de
Ansprechpartner im Didaktikzentrum:
Anke Kaluza: anke.kaluza@hof-university.de
Maike Haag: maike.haag@hof-university.de