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Beton, der schwimmt: Studierende entwickeln bepflanzbare Inseln für Ihre Vision der Zukunft

Studieren bedeutet 2027: Beton zum Schwimmen bringen! Das klingt nach einer großen Herausforderung? Das soll es auch sein – und dazu dienen, Studierenden die Möglichkeit zu geben, Ihre persönlichen Fähigkeiten einzubringen. Ein interdisziplinäres Studierendenteam der Hochschule Hof hat sich mit dieser Fragestellung beschäftigt. Innerhalb von nur 10 Wochen entwickelten 9 Studierende mit individuellen Kompetenzen schwimmfähige Prototypen aus Leichtbeton, die künftig als Trägersysteme für Nutzpflanzen dienen könnten.

Ziel des Projekts war es, schwimmende Prototypen zu entwickeln, die auf Wasserflächen eingesetzt werden können und neue Möglichkeiten für urbane Lebensmittelproduktion eröffnen. Nach einer Testphase im Wasser sollten die gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden, um perspektivisch eine größere Insel mit Abmessungen von etwa 1 x 1 Meter zu entwickeln. Gleichzeitig sollte auf torfbasierte Substrate verzichtet und ein langlebiges, möglichst umweltverträgliches Material untersucht werden.

Initiiert und fachlich betreut wurde das Projekt durch Dr. Harvey Harbach. In seiner Forschung beschäftigt er sich gemeinsam mit seinem Team unter anderem mit nachhaltiger Pflanzenproduktion in torffreien Substraten. In seiner Position als stellvertretender Leiter des Instituts für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa), aber auch als Forschungsgruppenleiter und Lehrbeauftragter ist ihm wichtig, dass Studierende Vorerfahrungen einbringen. Noch wichtiger ist ihm, dass diese Vorerfahrung als Expertise sichtbar wird.

Eingebettet war WOOLSTONE in eine Lehrveranstaltung von Prof. Dr. Manuela Wimmer. Beteiligt waren Studierende aus den Bachelorstudiengängen Ingenieurwissenschaften sowie aus dem Masterstudiengang Internationales Projektmanagement.

„Ein Projekt zeigt, dass es mehr braucht als eine Idee, einen Plan und Wissen – sondern vor allem Kreativität und zahlreiche Kompetenzen, um das Ziel zu erreichen. Die Studierenden haben mit dieser ungewöhnlichen Fragestellung gezeigt, dass Sie insbesondere mit Kompetenzen, die sie nicht im Studium erlernt haben, fantastische Lösungsansätze entwickeln konnten“

Dr. Harvey Harbach.

Von der Idee zum schwimmenden Prototyp

Zu Beginn standen Recherchen, Brainstormings und erste Materialtests. Die Studierenden untersuchten, welche Form, welches Material und welche Bauweise sich für eine schwimmende Insel eignen könnten. Daraus entstanden drei kreisrunde Prototypen, die im weiteren Projektverlauf praktisch getestet wurden.

Für die Herstellung der Formen kamen Gipsformen sowie moderne 3D-Druckverfahren zum Einsatz. Als Baumaterial nutzte das Team Leichtbeton sowie eine Mischung aus Blähton und Zement. Getestet wurden vor allem Formgebung, Stabilität und Schwimmfähigkeit. Die mineralischen Materialien wurden bewusst gewählt: Die Prototypen sollten robust sein, langfristig eine Alternative zu weniger dauerhaften Trägersystemen darstellen und die Umwelt möglichst wenig belasten.

Neben der technischen Entwicklung spielte auch das Projektmanagement eine zentrale Rolle. Die studentische Projektleitung übernahm Koordination, Terminplanung und Qualitätskontrolle. So konnten die Studierenden nicht nur an einer technischen Fragestellung arbeiten, sondern auch Methoden des Projektmanagements praktisch anwenden.

„Das Projekt hat uns Studierenden ermöglicht, praktische Erfahrungen im Makerspace zu sammeln und eigene Lösungsansätze direkt zu erproben. Besonders wertvoll war die Unterstützung durch Professorin Wimmer, Dr. Harvey Harbach und René Göring im Makerspace, auf deren Unterstützung und Denkanstöße wir auch in schwierigen Situationen zurückgreifen konnten. WOOLSTONE hat uns gezeigt, dass Projektentwicklung nicht immer geradlinig verläuft. Umso stolzer bin ich auf das gesamte Team und darauf, was wir gemeinsam erreicht haben.“

Lea Gebert, studentische Projektleiterin

Herausforderungen und Ergebnisse

Eine zentrale Herausforderung war die Balance zwischen Stabilität und Schwimmfähigkeit. Die Prototypen mussten robust genug sein, um Pflanzen tragen zu können, gleichzeitig, aber leicht genug bleiben, um dauerhaft auf dem Wasser zu schwimmen. Auch organisatorisch war das Projekt anspruchsvoll: Verzögerungen bei der Lieferung der Materialien und die begrenzte Projektlaufzeit von zehn Wochen machten Anpassungen notwendig. Das ursprünglich gesetzte Ziel, eine größere Schwimminsel mit rund einem Meter Durchmesser zu bauen, konnte daher nicht vollständig umgesetzt werden. In Abstimmung mit dem Auftraggeber konzentrierte sich das Team auf drei kleinere Prototypen sowie ein Empfehlungsschreiben für die weitere Entwicklung. Gerade diese Veränderungen machten das Projekt besonders lehrreich: Entscheidungen mussten überprüft, Lösungswege angepasst und Ergebnisse immer wieder neu bewertet werden.

In den meisten Studienmodulen bekommt man nach wie vor das Bild: „Zuerst Wissen, dann Praxis“. Die trainierbaren Kompetenzen von Dr. Harbach drehen das Prinzip: Man lernt durch den Prozess selbst. Die Studierenden erleben, wie Projektmanagement sich anfühlt, wenn Zeit und Rahmenbedingungen real werden und wie es ist, wenn es zeitlich knapp oder gar zu spät ist. Aber vor allem lernen sie, wie Tests nicht Ergebnisse bestätigen, sondern Ergebnisse erst möglich machen – und damit den Fortschritt im Projekt.

Das ist der Punkt, an dem diese Ausbildung nicht vergleichbar ist mit früheren Zeiten: Es geht nicht mehr ums Abfragen — sondern ums Handeln mit echtem Feedback. Damit ist dieses Projekt keine Verlängerung der Theorie, sondern eine Lernform, in der die Studierenden Ihre Arbeit wirklich testen müssen: mit Entscheidungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Dr. Harvey Harbach

Die anschließenden Praxistests lieferten wichtige Erkenntnisse: Zwei der drei entwickelten Betoninseln erwiesen sich als schwimmfähig. Sie wurden im Regenrückhaltebecken der Hochschule Hof eingesetzt und nach einer elftägigen Schwimmphase untersucht. Bewertet wurden dabei vor allem Stabilität, Schwimmverhalten und mögliche Materialveränderungen.

Nachhaltige Ideen sichtbar machen

WOOLSTONE zeigt, wie aus einer ungewöhnlichen Idee ein konkreter Versuchsaufbau entstehen kann. Die Prototypen liefern eine Grundlage für weitere Entwicklungen im Bereich schwimmender Pflanzsysteme und machen sichtbar, wie anwendungsnahe Lehre, Nachhaltigkeit und technische Kreativität an der Hochschule Hof zusammenwirken. Mit dem Projekt leisten die Studierenden einen Beitrag zur Frage, wie urbane Räume künftig ressourcenschonender gestaltet werden können. Die schwimmenden Prototypen zeigen beispielhaft, wie Wasserflächen als zusätzliche Nutzräume gedacht werden können – für Forschung, Lehre und mögliche Anwendungen in der nachhaltigen Stadtentwicklung.

Das Projekt macht deutlich: Innovative Lösungen entstehen dort, wo interdisziplinäre Teams praktische Fragestellungen mutig angehen, technische Grenzen ausloten und aus jedem Test wertvolle Erkenntnisse gewinnen.

Studierende berichten: Lesen ist gut, Hören ist besser.

Wie die Studierenden den Weg dorthin erlebt haben (mit Höhen und Tiefen, mit Lernkurven, mit echten Ergebnissen und Lernmomenten), zeigen die Studierenden selbst in einer Video-Reihe (in Kürze hier verlinkt).

Dr. Harvey Harbach
Veröffentlichung: 20.07.2026

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