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Digitale Vermessung der Luftqualität am Campus Münchberg

Studierende am Campus Münchberg der Hochschule Hof haben im Rahmen eines praxisorientierten Projekts die Luftqualität in Seminarräumen und Büros digital erfasst und in innovative, interaktive Anwendungen übersetzt. Ziel des Projekts war es, Umwelt- und Raumdaten sichtbar, erlebbar und verständlich zu machen – und so das Bewusstsein für gesunde Raumluft nachhaltig zu stärken.

Eine Smarthome-Beleuchtung spiegelt die Luftqualität in Seminarräumen am Campus wider – das Projektbeispiel “Airlight” von Laura Beier und Maxi Glaser; Bild: Hochschule Hof;

In Anlehnung an das Wirken des Naturforschers Alexander von Humboldt und inspiriert vom gleichnamigen Roman „Die Vermessung der Welt“, begaben sich die Studierenden unter der Leitung von Prof. Michael Zöllner auf ihre eigene „Vermessung der Welt“ – beginnend mit dem eigenen Campus in Münchberg. Betreut von Prof. Zöllner sowie Lehrbeauftragtem Moritz Krause, erhielten sie Unterstützung vom Londoner Startup AmbientWorks. Das junge Unternehmen stellte moderne Umweltsensorik zur Verfügung, darunter den mit dem Red Dot Award ausgezeichneten Luftqualitätsmonitor „ambient one“.

Präzise Messdaten als Grundlage

Mithilfe von Sensirion SEN66-Sensoren erfassten die Studierenden in Echtzeit und in Zeitreihen unter anderem Raumtemperatur, CO₂-Konzentration, Feinstaubpartikel und flüchtige organische Verbindungen (VOC).

Diese Datenerhebung machte deutlich, wie schnell insbesondere in gut gedämmten Räumen erhöhte CO₂-Werte erreicht werden können – mit direkten Auswirkungen auf Konzentrationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden.“

Prof. Michael Zöllner


Messreihe eines Tages mit CO2 Werten dreier belegter Seminarräume mit passiver und aktiver Lüftung; Bild: Hochschule Hof;

Von Daten zu Erlebnissen: CleanAir als interaktive Erfahrung

Auf Basis der erhobenen Messwerte entwickelten die Studierenden sogenannte Data-Stories sowie interaktive Informationssysteme zum Thema „CleanAir“. Ziel war es, Luftqualität nicht nur abstrakt darzustellen, sondern intuitiv erfahrbar zu machen.

Entstanden sind unter anderem folgende Prototypen:

  • Musikstücke, die sich je nach Luftqualität dramatischer oder leichter verändern
  • Smarte Lichtinstallationen, deren Stimmung sich dem Raumklima anpasst
  • Ein digitaler „Wunderbaum“ im Auto, der zu Lüftungspausen anregt
  • Ein Gemälde, in dem sich Wetter und Vegetation entsprechend der Luftwerte verändern
  • Eine digitale Pflanze, deren Blätter sich je nach CO₂-Wert heben oder senken
  • Eine smarte Wolke, die abhängig vom aktuellen CO₂-Wert blitzt und leuchtet
“cAIRe” von Magdalena Schäfer und Niklas Möller: Das Innenleben eines smarten Wunderbaums, der im Auto zu Lüftungspausen anregt; Bild: Hochschule Hof;

Diese kreativen Ansätze zeigen neue Wege der Datenkommunikation: Statt Zahlenreihen stehen sinnliche, emotionale und unmittelbare Erfahrungen im Mittelpunkt.

“s air” von Kim Griesbach und Luisa Ahrens: Ein Synthesizer verwandelt CO2 Daten in Musik;
Bild: Hochschule Hof;

Unternehmergeist und nachhaltige Erkenntnisse

Neben der technischen Unterstützung profitierte das Projekt vom direkten Austausch mit den Gründern von AmbientWorks, die bei der Abschlusspräsentation wertvolles Feedback gaben. Dabei erhielten die Studierenden Einblicke in den Weg von der ersten Idee über den Prototypen bis hin zur Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells inklusive Pitch-Deck.

Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt: Müdigkeit in Seminaren ist nicht zwangsläufig auf lange Nächte oder die Qualität der Vorlesung zurückzuführen. Häufig lässt sie sich objektiv an erhöhten CO₂-Werten ablesen. Diese Einsicht führte bei vielen Beteiligten zu einem bewussteren Lüftungsverhalten im Studienalltag.

Rainer Krauß

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