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Achim Hager im Gespräch über Vision, Netzwerk und Gründergeist

Das Digitale Gründerzentrum Einstein1 hat einen neuen Geschäftsführer. Zum 1. Juli hat Achim Hager, ein vertrautes Gesicht mit weitreichender Erfahrung in der Telekommunikations- und Start-up-Szene, den Staffelstab übernommen. Mit der Leitung übernimmt er nicht nur ein laufendes Gründerzentrum – sondern auch die Aufgabe, dessen Profil zu schärfen und die regionalen Netzwerke mit frischem Elan zu beleben. Wir sprechen mit ihm über seine Schwerpunkte und was Studierende und Start-ups künftig von ihm erwarten dürfen.

Achim Hager, neuer Geschäftsführer des Digitalen Gründerzentrums Einstein1; Bild: privat;

Herr Hager, Sie sind bereits früher – etwa als Berater beim „meet & eat“ – mit dem Einstein1 verbunden gewesen. Wie fühlt es sich an, jetzt als Geschäftsführer zurückzukehren?

“Das ist mega-spannend. Ich musste an die Baustellenbegehungen denken, als ich im verschneiten Winter vor einigen Jahren zum ersten Mal von dem Projekt gehört habe. Und an die vielen Male, an denen ich in der Zwischenzeit als Sponsor, als BusinessAngel, als Gesprächsgast oder als Veranstalter eigener Events schon hier war. Es ist ein faszinierendes Gebäude, das viel Leben und Nutzung verdient hat. Ich freue mich drauf, hier mein Netzwerk einzubringen.”

Ihr Einstieg folgt auf vier Geschäftsführer in nur fünf Jahren – was war Ihr erster Eindruck, als Sie das Zentrum übernahmen? Wo sehen Sie die dringlichsten Baustellen?

“Stabilität zu geben, ist das Wichtigste. 5 Wechsel in 5 Jahren sind keine gute Basis für eine stabile Ausrichtung einer solchen auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit investierten Unternehmung wie dem Einstein1. Außerdem gilt es, die Verbindung zu den Stakeholdern auf neue Beine zu stellen – sowohl Regierung als auch Gesellschafter müssen hier an einem Strang ziehen und dem Einstein1 maximale Entfaltungsmöglichkeiten geben. Ich muss auch mit den Personalwechseln im Team umgehen. Wobei sowohl mein Vorgänger Werner Fugmann, der ein ausgezeichneter Digitalexperte ist, als auch Niko Emran, der im August in die Selbständigkeit wechselt, bleiben dem Projekt erhalten und sind greifbar für Vorträge und Aktionen.”

Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit soll die stärkere Vernetzung mit regionalen Unternehmen sein. Wie möchten Sie das konkret umsetzen?

“Ich bin zugleich Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsregion HochFranken und stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der IHK Oberfranken. Wir werden mit meinem Team der Wirtschaftsregion das Team Einstein1 ergänzen und in den kommenden Monaten Hand in Hand bei der Planung von Veranstaltungen, also der Ausrichtung von Events und Workshops arbeiten. Ebenso werde ich das StartUpLab einbeziehen und hier laufende Kommunikation zwischen allen organisieren, die auch nur ansatzweise etwas mit Gründung zu tun haben. Nicht zu vergessen unser wissenschaftliches Gehirn, Professor Dr. Michael Seidel, der unser Sprachrohr in die Hochschule aber auch außerhalb mit großem Start-Up-Renommee seit Jahrzehnten ist.”

Wie konkret kann das Einstein1 junge Menschen unterstützen, die zum Beispiel vor der Doppelbelastung aus Studium und Gründung stehen?

“Zunächst einmal liegt die allererste Unterstützung darin, ihre Geschäftsidee auf Herz und Nieren zu prüfen. Ist eine Idee chancenreich, aber eine Finanzierung absolut notwendig, muss auch an diese zuerst gedacht werden und entsprechend ein Kontakt oder mehrere gespielt werden zwischen potenziellen Finanzierern und dem potenziellen Gründer. Gründen um jeden Preis macht keinen Sinn, wenn man gleichzeitig dann kaum mehr Zeit fürs Studium hat.”

Wir müssen diejenigen mit allem ermutigen, was unsere Einrichtung hat. Wir müssen sie unterstützen, sei es räumlich, sei es durch permanentes Coaching oder sei es durch Öffentlichkeitsarbeit.”

Achim Hager

Und weiter: “Denn eines ist mein Leitspruch: Vieles im Leben braucht den richtigen Zufall. Unsere Aufgabe ist es, so viele Gelegenheiten wie möglich zu stiften, dass dieser Zufall eintritt. Zufälle entstehen aus Gelegenheiten. Das kann der Investor sein, das kann der potenzielle Co-Partner sein, der in so ein Projekt mit einsteigt oder ein Akteur aus der regionalen Wirtschaft, der den Gründenden begleiten will. Ich denke an unser Business Angel Netzwerk.”

Ihr beruflicher Hintergrund u.a. bei der HFO Telecom AG und als Senior Advisor zeigt eine große Bandbreite. Werden Sie auch persönlich in Projekte investieren – oder liegt Ihr Fokus eher auf dem Strukturaufbau?

“Mein Fokus liegt vor allem im Strukturaufbau, in klaren Abläufen und Abstimmungen untereinander. Der Gründer braucht klare Ansprechpartner, die ihn von Phase zu Phase begleiten und geleiten. Vom Eingangstor bis zum laufenden Coaching, von der Ersteinschätzung bis zur Finanzierung, vom Raum bis zum Videoclip.

Wenn sich Gelegenheiten ergeben, die spannend sind und ein wenig zu meinem Hintergrund aber auch zum Thema KI passen, kann ich mir aber auch vorstellen, in das eine oder andere Thema selbst zu investieren, immer aber werde ich in meinem Netzwerk die Themen pushen, um den Passenden möglicherweise zu finden.”

Welche Start-ups aus dem Einstein1 oder Hof haben Sie in den letzten Jahren besonders beeindruckt und warum?

“NedgeX als Spin-Off unseres herausragenden Partners Netzsch und BTX Energy, als zukunftsweisendes nachhaltiges und den Zahn der Zeit treffendes Unternehmen. Netzsch ist beeindruckend, weil hier ein lokaler Player mit Entschlossenheit und Kapital neue Dinge wagt und sie einfach angeht. Das gehört bei Moritz Netzsch und Christian Baier, der lokal hier zuständig ist, zur DNA und ist faszinierend und mehr als nur anerkennenswert. Das gezielte sich selbst hinterfragen, zu disrupieren, bevor es andere mit einem tun und dabei neue Playgrounds zu bespielen, das ist ein Stück gesteuerter Zufall für Neues.”

Wie wollen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit künftig messen?

“Das sollen gerne andere tun. Wenn man selbst zufrieden ist, dann ist das noch kein Maßstab, dass das Fremdbild dasselbe ist. Entscheidend ist für mich, dass Leben im Einstein1 herrscht, dass es ein Treffpunkt für Ideen und Austausch ist. Wenn wir hieraus neue Gründer finden und motivieren und dann auch die öffentliche Wahrnehmung schwenkt zu “Da geht was”, dann haben wir jedenfalls mehr richtig als falsch gemacht. Wichtig ist auch das verwobene Zusammenspiel mit der Hochschule. Die Studenten sind die Basis für das Leben am Campus und damit das Leben im Einstein1.”

Wie lässt sich die digitale Gründerkultur in Hochfranken stärken, und was kann die Hochschule Hof dabei leisten?

“Uns muss bewusst sein, dass wir sozio-demografisch nicht vergleichbar sind mit den Zentren. In München, Berlin oder Nürnberg sind wesentlich mehr junge Menschen als hier. Insofern müsste man ja eigentlich auch Ältere motivieren, sich etwas zu trauen. Nur dann können wir ja von der reinen Bevölkerungszahl her sagen, na gut, bei 1 Mio. Einwohner in Oberfranken und 200.000 in HochFranken, da sollten dann auch 10 bis 12% der knapp 400 Gründungen p.a. aus Oberfranken bzw. 8 aus HochFranken jedes Jahr kommen. Und wenn davon dann 2 bis 4 ins Einstein wollen jedes Jahr, dann können wir anbauen. Nur aus den Studenten heraus, ist es absolut unmöglich das zu erreichen. Zudem sitzen in den Zentren ja oft Finanzierer – wie in München im TUM mit Susanne Klatten, die mit ihrem BMW-Hintergrund nahezu unbegrenzt eigene finanzielle Mittel reinwerfen kann oder die Schwarz-Stiftung in Heilbronn mit ihrem KI-Zentrum, finanziert von der Lidl-Schwarz-Stiftung. Geld ist durchaus ein Magnet. Clusterbildung ist der andere Magnet. Durch die vielen Gründerzentren zudem, die nach dem Einstein1 in Franken doch noch gefördert und gebaut wurden oder wie in Bayreuth sogar noch gebaut werden, ist die geplante Sogwirkung der einzelnen damals weniger Zentren natürlich auch abgeschwächt worden.”

das heißt in der Konsequenz was?

Also müssen wir eigene Stärken entwickelt, eigene USP´s herausarbeiten, eben z.B. und allen voran mit der Hochschule, das sind low-hanging fruits.

Die Professoren sehen ja all die Ideen der Studenten, in vielen Studiengängen ist Gründen schon Kernelement der Lehre geworden. Welche Hochschule kann das schon von sich behaupten. Und dennoch spielen nicht alle Bereiche harmonisch zusammen. Der in Worte gefasste Willen ist stets und überall vorhanden, die Handlungen fehlen im Zusammenspiel mit Gründungen und Ideen voranzubringen dann aber doch oft noch. Die Hochschule und ihre Institute müssen z.B. das Thema IP, Intellectual Property endlich lösen, ich habe das vor Jahren leidvoll selbst erlebt. Andere auch. Wer in ein Kooperationsprojekt mit der Hochschule geht und etwas für den Markt entwickelt, braucht hinterher auch die klare Rechtsgrundlage, das benutzen zu dürfen, ohne dass die ganze Entwicklung z.B. en detail veröffentlich werden muss. Das Urheberrecht sollte immer dem gehören, der die Idee einbringt und anschiebt, das Institut generiert in diesem System Projektstellen und kann sich weiterentwickeln und immer besser und facettenreicher werden. Erfolgreicher als andere Institute, die das nicht auf die Reihe bringen. Ich denke, hier ist ne klare Ansprache notwendig, dann kann man auch zusammen mit der Wirtschaft hier Start-Ups generieren und leichter in den Markt bringen.

Welche Anreize wollen Sie bieten, damit Gründer „in der Region bleiben“?

“Alles was ich hier in diesem Gespräch beschrieben habe, ist die Basis für den Start eines jeden Einzelnen. Die Wirtschaftsregion HochFranken mit der Wirtschaftsförderung der Trägergebietskörperschaften ist als nächster Step angesprochen, sei es mit dem Leerstandsmanagement oder auch mit steuerlichen Anreizen und der weiteren Begleitung mit Fördermitteln den dann fortgeschrittenen Gründern das Gefühl zu geben, “die kümmern sich, hier bleibe ich”.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Aufgabe!

Rainer Krauß

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