Ein Zoo- und Freizeitpark an nur einem Tag – und das gebaut aus Legosteinen und Malpapier: Ende September 2026 verwandelten BWL-Studierende der Hochschule Hof den Seminarraum A105 in eine Baustelle der besonderen Art. In einem Praxisworkshop erlebten sie, wie agiles Projektmanagement funktioniert, welche Entscheidungen im Team gefragt sind und warum es sich lohnt, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.

auf dem Boden von A105 entsteht. Bild: Hochschule Hof;
Den Auftrag für die Gruppe gab Jens Tesch, Projektmanager und Trainer bei der Thüga SmartService GmbH. Mit mehreren Jahrzehnten Projekterfahrung brachte er die Methoden des agilen Projektmanagements direkt in den Hörsaal. Die Rollen waren klar verteilt: Die Studierenden übernahmen abwechselnd die Aufgaben des Product Owners und des Scrum Masters, während Tesch als Auftraggeber die Anforderungen vorgab und die Ergebnisse bewertete.

Bild: Hochschule Hof;
Die Aufgabe klang zunächst überschaubar: Ein Zoo- und Freizeitpark sollte entstehen. Doch neben Gehegen und Wasserbecken mussten auch ein Parkplatz, ein Kassenhäuschen und eine Bahntrasse geplant und gebaut werden. Dabei galt eine wichtige Regel: Jedes Bauvorhaben musste mit Legosteinen tatsächlich fertiggestellt sein, bevor es vom Auftraggeber abgenommen werden konnte.

Bild: Hochschule Hof;
Kosten, Zeit und Besucherattraktivität im Blick
Bevor gebaut wurde, stand die Planung an. Am Whiteboard sammelten die Studierenden die einzelnen Bauvorhaben und bewerteten sie anhand verschiedener Kriterien: Welche Kosten entstehen? Welche Erlöse sind zu erwarten? Bis wann muss ein Bauvorhaben fertig sein? Und wie attraktiv ist es für die späteren Besucherinnen und Besucher?
Aus diesen Überlegungen entstand das sogenannte Product Backlog – eine priorisierte Liste der Aufgaben, die das Team umsetzen wollte. Die Studierenden mussten entscheiden, welche Projekte besonders wichtig waren und wie sie die verfügbaren Ressourcen am sinnvollsten einsetzen konnten.
Anschließend wurde in drei sogenannten Sprints gearbeitet. Für jeden dieser Arbeitsabschnitte standen rund 60 Minuten für Planung und Umsetzung zur Verfügung. Am Ende präsentierte der Product Owner den jeweiligen Arbeitsstand im Review dem Auftraggeber. Dessen Rückmeldungen flossen direkt in die weitere Planung ein.
Auch die wirtschaftlichen Folgen ihrer Entscheidungen blieben sichtbar: Für fertiggestellte Bauvorhaben gab es Erlöse, bei verpassten Deadlines wurden Vertragsstrafen fällig. Das verfügbare Budget war jederzeit im Blick. So wurde unmittelbar deutlich, wie eng Zeitplanung, Kosten, Prioritäten und Qualität miteinander verbunden sind.
Lernen durch Ausprobieren
Nach drei Sprints stand ein Freizeitpark, in dem deutlich mehr Bauvorhaben umgesetzt worden waren, als der Auftraggeber dem Team zunächst zugetraut hatte. Den Abschluss bildete eine offene Fragerunde, in der die Studierenden ihre Erfahrungen reflektieren und Fragen zur praktischen Anwendung agiler Methoden stellen konnten.
Besonders positiv bewerteten die Teilnehmenden die niedrige Einstiegshürde und die Tatsache, dass der gesamte Workshop analog ablief. Mit Papier, Whiteboard und Legosteinen blieb der Arbeitsprozess für alle sichtbar. Dadurch konnten die Studierenden nicht nur ihre eigene Aufgabe nachvollziehen, sondern auch erkennen, wie einzelne Entscheidungen das Gesamtprojekt beeinflussen.

Bild: Hochschule Hof;
Hochschullehre trifft Unternehmenspraxis
Organisiert wurde der Workshop von Prof. Dr. Tina Wiegand, die an der Hochschule Hof das Grundlagenmodul Projektmanagement lehrt. Alle Teilnehmenden hatten das Modul bereits bei ihr belegt und anschließend Interesse am Berufsfeld Projektmanagement gezeigt. Der Workshop bot ihnen die Gelegenheit, die zuvor vermittelten Inhalte praktisch zu erproben und einen realistischen Eindruck von den Anforderungen im Berufsalltag zu gewinnen.
Die Idee entstand aus der regelmäßigen Zusammenarbeit mit der Thüga SmartService GmbH, die für die Hochschule Hof ein verlässlicher Partner bei Projekten, Praktika und Abschlussarbeiten ist. Mit Jens Tesch brachte das Unternehmen einen erfahrenen Praktiker ein, der den Studierenden die Abläufe und Herausforderungen agiler Projektarbeit anschaulich vermitteln konnte.
Nach der gelungenen Premiere soll das Format beibehalten und in den kommenden Semestern weiterentwickelt werden. Damit verbindet die Hochschule Hof Grundlagenwissen mit praktischer Erfahrung – und zeigt, dass sich Projektmanagement am besten verstehen lässt, wenn man es selbst ausprobiert.