Der Gründungsideenwettbewerb Südwestthüringen 2026 hat gezeigt, wie vielfältig und innovativ die Gründungsszene der Region ist. 32 Geschäftsideen wurden in diesem Jahr präsentiert – von kreativen und sozialen Konzepten bis hin zu technologischen Lösungen rund um Machine Learning, Künstliche Intelligenz und innovative Anwendungen. In der Kategorie der technischen Gründungsideen konnte sich das Team von OnSpectra, einer Ausgründung der Hochschule Hof, den zweiten Platz sichern.

Wir haben mit Prof. Dr. Tobias Schnabel über ihre Ausgründung, die Idee dahinter und die nächsten Schritte gesprochen.
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auszeichnung! Was genau steckt hinter OnSpectra – und welches Problem möchten Sie mit Ihrer Gründung lösen?
„Vielen Dank! Die Auszeichnung hat uns sehr gefreut und bestätigt uns darin, dass wir mit unserer Idee einen wichtigen Nerv treffen. Mit OnSpectra entwickeln wir intelligente optische Sensorsysteme für die Umweltüberwachung. Unser Ziel ist es, Wasserressourcen und andere Umweltkompartimente kontinuierlich, kostengünstig und in hoher räumlicher Dichte überwachen zu können.“
Das klingt sehr interessant. Was ist die Neuheit?
„Heute erfolgen viele Umweltanalysen noch durch aufwendige Laboruntersuchungen oder mit sehr teurer Messtechnik, sodass Messungen oft nur punktuell oder in großen zeitlichen Abständen stattfinden. Gleichzeitig stehen unsere Wasserressourcen durch Klimawandel, Extremwetterereignisse und neue Schadstoffe wie PFAS zunehmend unter Druck. Genau hier setzen wir an: Wir möchten hochwertige Umweltinformationen dort verfügbar machen, wo sie tatsächlich benötigt werden – direkt vor Ort, in Echtzeit und zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten.“
Wie ist die Idee dazu entstanden?
„Die Idee ist aus unserer langjährigen Forschung an der Hochschule Hof entstanden. Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit optischer Umweltanalytik, Photonik und intelligenten Sensorsystemen. Dabei wurde immer deutlicher, dass zwischen wissenschaftlich verfügbaren Messverfahren und den tatsächlich eingesetzten Lösungen in der Praxis eine große Lücke besteht. Gemeinsam haben wir deshalb begonnen, eigene Sensoren, Elektronik und Auswertealgorithmen zu entwickeln. Hierbei hat die Kick-Start Initiative der Hochschule Hof sehr geholfen (“campuls-digital” berichtete – übrigens: eine neue Kickstartförderung ist derzeit in Planung!), den ersten Prototypen zu entwickeln.“
Was ist das Besondere an Ihrer technologischen Lösung und welchen konkreten Mehrwert bietet sie potenziellen Kunden oder Anwendern?
„Unser Ansatz verbindet mehrere Innovationen. Wir entwickeln vollständig eigene optische Sensorsysteme,die erstmalig UV-VIS Spektroskopie und Fluoreszenz Spektroskopie vereinen. die mit modernen KI-Methoden ausgewertet werden. Dadurch können wir aus komplexen Spektraldaten deutlich mehr Informationen gewinnen als mit klassischen Einzelparameter-Sensoren.
Unser Ziel ist es, aus einer einzigen Messung gleichzeitig zahlreiche Wasserqualitätsparameter abzuleiten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die Sensoren arbeiten kontinuierlich, benötigen kaum Wartung und können energieautark betrieben sowie über Funknetze wie LoRa vernetzt werden.
Für Betreiber von Wasserwerken, Kläranlagen, Kommunen oder Umweltbehörden bedeutet das vor allem mehr Transparenz und schnellere Entscheidungen. Probleme können erkannt werden, bevor sie kritisch werden. Gleichzeitig lassen sich Betriebskosten senken, Ressourcen effizienter einsetzen und Umweltbelastungen frühzeitig identifizieren.“
Welche Aufgabe hat eigentlich wer im Team?
„Unsere unterschiedlichen Hintergründe ergänzen sich hervorragend. Ich selbst bringe die wissenschaftliche Perspektive ein und beschäftige mich seit vielen Jahren mit optischer Umweltmesstechnik, Sensorentwicklung und Wasseranalytik. Mein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung neuer Messverfahren sowie der wissenschaftlichen Validierung unserer Technologien.

Daniel Martschoke verantwortet insbesondere die technische Entwicklung unserer Hard- und Softwareplattformen sowie die Umsetzung der elektronischen Systeme bis hin zu seriennahen Prototypen sowie die Konstruktion
Sven Fießer bringt seine Erfahrungen insbesondere in den Bereichen Unternehmensaufbau und strategische Weiterentwicklung ein und sorgt dafür, dass aus innovativer Forschung marktfähige Produkte entstehen. Weiterhin übernimmt er auch die Geschäftsleitung.
Gerade diese Kombination aus Wissenschaft, Ingenieurwesen und Unternehmertum macht unser Team aus.“
Wie wichtig war die Teilnahme am Gründungsideenwettbewerb für OnSpectra – unabhängig von der Auszeichnung?
„Der Wettbewerb war für uns in mehrfacher Hinsicht wertvoll. Natürlich freuen wir uns sehr über den zweiten Platz. Fast noch wichtiger war aber die Möglichkeit, unsere Geschäftsidee kritisch hinterfragen zu lassen und wertvolles Feedback von Jury, Expertinnen und Experten sowie anderen Gründerteams zu erhalten.
Außerdem entstehen bei solchen Veranstaltungen zahlreiche Kontakte zu Unternehmen, Investoren, Förderinstitutionen und potenziellen Kooperationspartnern.“
Was sind die nächsten konkreten Schritte? Wo soll die Reise in den kommenden Monaten hingehen?
„In den kommenden Monaten möchten wir unsere ersten Produkte und Demonstratoren weiterentwickeln und gemeinsam mit Pilotkunden unter realen Bedingungen testen. Parallel arbeiten wir daran, weitere Fördermittel und Entwicklungspartner zu gewinnen, um die Technologie schneller zur Marktreife zu bringen. Langfristig möchten wir OnSpectra als innovativen Anbieter intelligenter Umweltmesstechnik etablieren. Unsere Vision ist eine flächendeckende, digitale Umweltüberwachung, die es ermöglicht, Wasserressourcen effizienter zu schützen und Umweltprozesse besser zu verstehen. Dabei sehen wir großes Potenzial – nicht nur in Deutschland, sondern auch international.“
Was würden Sie anderen Studierenden, Forschenden oder Hochschulangehörigen raten, die ebenfalls mit dem Gedanken an eine Ausgründung spielen?
„Ich würde jedem empfehlen, den Schritt zumindest ernsthaft zu prüfen. An Hochschulen entstehen jedes Jahr viele hervorragende Ideen mit großem Potenzial. Häufig fehlt jedoch der Mut oder das Wissen, wie aus einer Forschungsidee ein marktfähiges Produkt oder sogar ein Unternehmen werden kann. Wichtig ist, frühzeitig mit potenziellen Anwendern ins Gespräch zu kommen und deren Bedürfnisse zu verstehen. Eine gute Technologie allein reicht nicht aus – sie muss ein konkretes Problem lösen. Ebenso entscheidend ist ein Team, dessen Mitglieder unterschiedliche Kompetenzen mitbringen und sich gegenseitig ergänzen.
Ein großer Vorteil ist es, die Unterstützungsangebote der Hochschule zu nutzen. Das Startup Lab der Hochschule Hof begleitet Gründungsinteressierte von der ersten Idee bis hin zur Unternehmensgründung. Wir haben dort wertvolle Unterstützung erhalten. Weiterhin ist der Makerspace in Hof eine super Einrichtung um erste Prototypen zu entwickeln.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Einfach anfangen. Nicht warten, bis alles perfekt ist, sondern erste Prototypen entwickeln, Feedback einholen und die vorhandenen Unterstützungsangebote nutzen. Hochschulen bieten heute hervorragende Rahmenbedingungen, um aus einer guten Idee ein erfolgreiches Start-up entstehen zu lassen.“