Die Forschungsgruppe „Interactive & Data Driven Systems“ von Prof. Michael Zöllner von der Hochschule Hof nimmt seit vielen Jahren an der Konferenz iWOAR teil. Thematisch stehen hier sensorbasierte Aktivitätserkennung und KI im Vordergrund. Regelmäßig trifft sich bei diesem internationalen Workshop im Konferenzformat die Community zu den Themen Erkennung von menschlichen Aktivitäten, Sensorik in tragbaren Geräten, Datenverarbeitung und künstliche Intelligenz. In diesem Jahr konnte die Forschungsgruppe sogar drei Publikationen und auch studentische Arbeiten vorstellen. Grund genug um mit Prof. Zöllner und Moritz Krause über die Konferenz zu sprechen.

Herr Prof. Zöllner, Sie sind schon seit vielen Jahren auf der iWOAR Konferenz dabei. Die Konferenz hat rund fünfzig Teilnehmer und ist hochkarätig besetzt. Wie haben Sie die Konferenz dieses Jahr erlebt?
“Der offene Austausch der Forschenden und die hohe Diversität der Projekte innerhalb des gemeinsamen Themenfeldes machen die iWOAR zu einer sehr interessanten Konferenz für uns. Die Teilnehmenden stammen aus den unterschiedlichsten fachlichen Bereichen – von klassisch Informatik, Medizin, über Psychologie, aber auch sehr praktische Disziplinen wie Gebäudeautomation. Die lockere und zugleich professionelle Atmosphäre ermöglicht einen Austausch über viele Disziplinen. Das ist von sehr hohem Wert und nicht selbstverständlich.”
Warum genau haben Sie beide teilgenommen?
Michael Zöllner: “Für unsere Forschungsgruppe stellt die iWoar die Community dar, in der wir unsere Forschungsergebnisse präsentieren und uns darüber austauschen.”
Moritz Krause: “Wir bekommen auf der iWOAR einen Einblick wie die Forschung anderer, an uns angrenzende Teams aus Wirtschaft und Instituten, mit ähnlichen oder gar denselben Methoden abläuft.”
Michael Zöllner: “Und natürlich spielt auch die ursprüngliche Initiative aus dem Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) eine Rolle, an dem ich vor meiner Berufung an die Hochschule Hof viele Jahre geforscht habe.”
Prof. Zöllner, welche neuen Forschungsergebnisse haben Sie und Ihr Team vorgestellt? Haben Sie auch Vorträge gehalten?
“Wir haben dieses Jahr drei Short-Paper veröffentlich: Eine Studie zur Luftqualität in Seminarräumen von meinem Mitarbeiter Moritz Krause und mir, die in Vorbereitung auf ein gemeinsames Seminar entstand (Campuls berichtete bereits >> Link). Hierin haben wir die Methoden, also Sensoren, Software, Daten und die Ergebnisse wie Luftqualität, Konzentration und Lüftungskonzepte beschrieben.
Unser neuester wissenschaftlicher Mitarbeiter Sebastian Wengler veröffentlichte seine Bachelorarbeit zum Thema Bewegungsanalyse und Human-Pose-Estimation beim Skateboard fahren, mit der wir uns derzeit mit dem StartUpLab für ein exist Gründungsstipendium bewerben.”
Moritz Krause: “Zwei Studierende aus unserem Seminar veröffentlichten ihr Projekt, in dem sie ein bildschirmloses Interaktionsgerät zur intuitiven Kommunikation von sensorbasierten Luft-Werten beschreiben. Die Short-Papers wurden in den Lightning Talks präsentiert.”
Wie zeigt sich in Ihren Arbeiten konkret der Zusammenhang von Forschung und Lehre?
“Neue Technologien, sog. „Emerging Technologies“ bearbeite ich zuerst in meiner Forschungsgruppe. So war das in der Vergangenheit bei Virtual Reality, Augmented Reality, Physical Computing und Industrie 4.0 der Fall. Aktuell sind es die Themen Human-Pose-Estimation, d.h. Interaktions- und Bewegungsanalyse sowie Gaussian Splatting; hierbei handelt es sich um 3D Digitalisierung und Datenvisualisierung.
Die neuesten Erkenntnisse vermittle ich zeitnah mit Beispielen aus meiner Forschungsgruppe in meinen Seminaren, um Impulse für die naheliegenden Entwicklungen zu setzen. Sobald die neuen Technologien dann von uns realisiert und für Studierende einsetzbar, anwendbar bzw. nutzbar sind, werden sie zum Inhalt der praxisorientierten Seminare und die Studierenden entwickeln darauf aufbauend Konzepte und Prototypen für wirtschaftlich relevante Projekte. Diese wiederum bilden die Grundlage für Gründungsideen. Und einige Studierende schreiben dann schon während des Studiums auf meine Initiative hin Paper über ihre Projektergebnisse und wir nehmen sie mit zu Konferenzen. Damit schließt sich dann der Kreis.”
Waren auch Industriepartner auf der Tagung dabei?
Moritz Krause: “Eine der beiden Keynotes wurde von Dr. Andreas Braun, einem ehemaligen Forschungsgruppenleiter des Fraunhofer IGD, der sich dann in die Industrie zu PwC begeben hat, gehalten. Sein Vortrag über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Potentiale unserer Arbeit in diesem Forschungsfeld war sehr interessant und sollte explizit die Seite der Industrie beleuchten, die auf der iWOAR sonst eher weniger Platz findet. Interessant war, dass er sehr viele Technologien als Beispiele genannt hat, die bei uns in der Forschung und Lehre ebenfalls Anwendung gefunden haben, oder noch finden.”

Bilder: Hochschule Hof und privat;
Haben Sie sich mehr mit anderen Wissenschaftlern ausgetauscht oder mit Industriekontakten?
Moritz Krause: “Der Austausch war eher auf die Teilnehmenden anderer Forschungsgruppen und Teams fokussiert – allerdings nicht weniger wertvoll. Da unsere Projekte eher versuchen komplexe Sachverhalte mittels Daten zu visualisieren und kommunizieren, ist das oft ein Punkt, den andere Forschungsgruppen für ihre Projekte adaptieren möchten. Umgekehrt sind für uns die Einblicke in benachbarte Projekte und vor allem auch das Feedback der Forschenden von sehr hohem Wert.”
Welchen Input nehmen Sie von Wiesbaden mit nach Hause?
Moritz Krause: “Dass das Feld der Human-Activity-Recognition in Zukunft in viel mehr Bereichen etablieren lassen würde, als es aktuell der Fall ist. Von Medizin, Sport und Gesundheit bis in den Alltag sind wir durch unsere Smartphones, -watches und diverse andere Wearables eigentlich bestens ausgestattet, um viel mehr Informationen, und dementsprechend auch Feedback, über unsere Umgebung und Verhalten zu bekommen. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie diese neuen Learnings kommuniziert werden.”
Michael Zöllner: “Dass wir noch stärker zusammen mit dem StartUpLab und dem Einstein1 Gründungszentrum unsere Ideen weiter zu Ausgründungen auszuarbeiten sollten. Die iWOAR zeigt Jahr für Jahr, dass der Anwendungsbereich für diese Projekte sehr groß ist und vor allem, dass die dafür notwendigen Technologien wie Smartphones, -watches und andere Wearables, die unsere Bewegungen nachvollziehen können, in der Forschung etabliert und in der Gesellschaft akzeptiert sind.”
Vielen Dank für das Gespräch!