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Internationale Nachwuchsforschende am ibp sammeln Praxiserfahrung

Drei junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA und Indien forschen derzeit am Institut für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere (ibp) der Hochschule Hof an nachhaltigen Kunststofflösungen. Julia Moy und Hannah Cook von der Georgia Institute of Technology (Georgia Tech) in Atlanta sowie Aditya Nair von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bringen dabei unterschiedliche wissenschaftliche Hintergründe mit – verbunden durch ein gemeinsames Ziel: nachhaltige Materialien für die Zukunft zu entwickeln und Forschung möglichst nah an der industriellen Praxis zu erleben.

v.l.: Aditya Nair, Hannah Cook und Julia Moy; Bild: Hochschule Hof;

Während Julia Moy und Hannah Cook im Forschungsprojekt „PHB-3D“ unter der wissenschaftlichen Betreuung von Benedikt Hiller arbeiten, absolviert Aditya Nair sein Master-Pflichtpraktikum bei David Krieg. Inhaltlich überschneiden sich ihre Projekte: Im Mittelpunkt stehen biologisch abbaubare Kunststoffe und deren Eigenschaften – ein Forschungsfeld, das angesichts knapper Ressourcen und wachsender Umweltanforderungen weltweit an Bedeutung gewinnt. Trotz unterschiedlicher Herkunft und Ausbildung erleben alle drei die Hochschule Hof als Ort, an dem wissenschaftliche Neugier auf praktische Anwendung trifft. Genau diese Verbindung aus moderner Forschung, industrieller Relevanz und internationalem Austausch hat sie nach Oberfranken geführt.

Nachhaltige Kunststoffe weiterentwickeln

Julia Moy studiert Materialwissenschaften und Ingenieurwesen an der Georgia Tech und beschäftigt sich bereits seit mehreren Semestern mit nachhaltigen Materialien. Am ibp untersucht sie, wie die Partikelgröße biobasierter Füllstoffe das Kristallisationsverhalten und damit die mechanischen Eigenschaften von PHA-Kunststoffen beeinflusst. Die Verbindung zu ihrer Forschung in den USA ist dabei offensichtlich. Während sie sich an ihrer Heimatuniversität mit mikrofibrillierter Cellulose in der Papierindustrie beschäftigt, untersucht sie in Hof biobasierte Füllstoffe aus Nebenprodukten der Weinherstellung für nachhaltige Kunststoffe.

„Ich wollte mehr über Polymerwissenschaft aus der Perspektive der Nachhaltigkeit lernen und gleichzeitig Deutschland kennenlernen.“

Julia Moy

Julia Moy; Bild: Hochschule Hof;

Auch Hannah Cook studiert Materialwissenschaften an der Georgia Tech mit dem Schwerpunkt Biomaterialien. Ihr Forschungsaufenthalt wird über das DAAD-RISE-Programm gefördert. Im Projekt „PHB-3D“ analysiert sie den aktuellen Stand kommerziell verfügbarer PHA-Werkstoffe und entwickelt Ansätze zur Verbesserung nachhaltiger 3D-Druck-Filamente. Für sie liegt der besondere Reiz darin, ein noch junges Forschungsprojekt aktiv mitzugestalten.

„Da sich das Projekt noch in einer frühen Phase befindet, konnte ich bei der Ausrichtung der Experimente mitentscheiden. Diese Möglichkeit, Forschung aktiv mitzugestalten, war für mich besonders spannend.“

Hannah Cook

Hannah Cook; Bild: Hochschule Hof;

Aditya Nair wiederum bringt einen ungewöhnlich interdisziplinären Hintergrund mit. Nach einem Studium des Maschinenbaus und einem MBA in Marketing absolviert er derzeit den Masterstudiengang Systems Engineering for Manufacturing an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Im Rahmen seines Praktikums untersucht er Mischungen aus PLA und PHA und erforscht, wie Scher- und Abkühlraten das Kristallisationsverhalten biologisch abbaubarer Kunststoffe beeinflussen.

„Die Arbeit hier ermöglicht es mir, theoretisches Wissen aus dem Studium direkt auf reale industrielle Fragestellungen anzuwenden und die Lücke zwischen wissenschaftlichen Grundlagen und praktischer Anwendung zu schließen.“

Aditya Nair

Aditya Nair; Bild: Hochschule Hof;

Forschung zum Anfassen

Ein Punkt zieht sich durch alle Gespräche wie ein roter Faden: Die drei heben besonders die technische Ausstattung des ibp hervor. In Hof können sie zahlreiche industrielle Verfahren praktisch erproben und Maschinen selbst bedienen, mit denen sie zuvor noch nicht gearbeitet hatten. Julia Moy arbeitete erstmals an einer industriellen Spritzgießmaschine. „Dadurch habe ich viel besser verstanden, welche Prozesse Kunststoffe bis zum fertigen Produkt durchlaufen und wie sich diese auf ihre Eigenschaften auswirken.“

Auch Hannah Cook sammelte praktische Erfahrungen mit zahlreichen industriellen Anlagen. „Viele dieser Maschinen kannte ich bisher nur aus Vorlesungen. Jetzt konnte ich selbst damit arbeiten und dadurch die späteren Anwendungen unserer Forschung wesentlich besser verstehen.“ Für Aditya Nair war insbesondere der Einsatz eines Rheometers ein Höhepunkt seines Aufenthalts. „Bislang kannte ich dieses Gerät nur aus der Theorie. Es selbst bedienen zu können und damit Materialeigenschaften experimentell zu untersuchen, war eine besonders wertvolle Erfahrung.“

Internationale Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Mindestens ebenso beeindruckt wie von der technischen Ausstattung zeigen sich die drei Gäste von der Arbeitsatmosphäre am Institut. Forschung werde hier nicht isoliert betrieben, sondern lebe vom täglichen Austausch zwischen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Professorinnen und Professoren. Julia Moy beobachtete bereits in den ersten Tagen, wie selbstverständlich sich Forschende über ihre Projekte austauschen. „Überall sieht man Studierende und Forschende miteinander im Gespräch. Diese offene Zusammenarbeit macht die Hochschule zu einem sehr angenehmen Forschungsumfeld.“

Hannah Cook hebt besonders die Kommunikation innerhalb der Arbeitsgruppen hervor: „Der intensive Austausch ermöglicht es, voneinander zu lernen und gleichzeitig eigene Verantwortung im Projekt zu übernehmen.“

Auch Aditya Nair beschreibt das Miteinander als einen der größten Pluspunkte seines Aufenthalts: „Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen fachlichen und kulturellen Hintergründen hat meinen Blick auf wissenschaftliche Fragestellungen erweitert und den Wissensaustausch enorm gefördert.“

Deutschland aus dem Blick von außen

Neben der wissenschaftlichen Arbeit nutzen alle drei ihren Aufenthalt, um Deutschland kennenzulernen. Julia Moy genießt vor allem die Natur Oberfrankens mit ihren Seen, Wäldern und Parks sowie den Austausch mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen. Überrascht war sie vom großen Vertrauen im öffentlichen Nahverkehr:

„In den USA werden Fahrkarten praktisch immer kontrolliert. Dass hier häufig gar keine Kontrolle stattfindet, hat mich wirklich erstaunt.“

Julia Moy

Hannah Cook schätzt besonders die Verbindung aus Tradition und Moderne:

„Mir gefällt, wie die Menschen hier immer wieder Anlässe finden, gemeinsam zu feiern – besonders im Sommer.“

Hannah Cook

Aditya Nair hebt dagegen die Ruhe der Region sowie die gute Organisation des Alltags hervor. Besonders beeindruckt habe ihn die deutsche Pünktlichkeit und der hohe Stellenwert einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

Empfehlung für internationale Nachwuchsforschende

Für alle drei steht ein positives Zwischenfazit ihres Aufenthalts: Die Hochschule Hof bietet hervorragende Bedingungen für internationale Forschungspraktika. Moderne Infrastruktur, praxisnahe Projekte und eine offene wissenschaftliche Kultur schaffen ein Umfeld, in dem fachliche und persönliche Entwicklung gleichermaßen möglich sind.

Julia Moy bringt es auf den Punkt: „Die Menschen hier sind unglaublich offen und hilfsbereit. Gleichzeitig bietet die Region viele Möglichkeiten, Deutschland kennenzulernen.“ Hannah Cook ergänzt: „Ich würde jedem Forschenden empfehlen, nach Hof zu kommen – wegen der spannenden wissenschaftlichen Arbeit, der großartigen Menschen und der Möglichkeit, die deutsche Kultur intensiv zu erleben.“ Und auch Aditya Nair würde internationalen Studierenden einen Forschungsaufenthalt am ibp jederzeit empfehlen: „Wer offen auf andere zugeht und die vielfältigen Möglichkeiten nutzt, wird hier fachlich wie persönlich enorm profitieren.“

Rainer Krauß
Veröffentlichung: 20.07.2026

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