Von der Migräne-App zur internationalen Forschung: Informatikkompetenz aus Hof unterstützt mittlerweile die Gewinnung medizinischer Erkenntnisse auf höchstem Niveau. Was mit einem innovativen Projekt begann, hat sich zu einem festen Bestandteil moderner Medizinforschung entwickelt: Das Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof bringt seine Expertise in Datenanalyse und Informatik erfolgreich in medizinische Forschungsprojekte ein.

Bereits ab 2011 sorgte das „Migräne Radar“ für Aufmerksamkeit – nicht nur innerhalb der Hochschule, sondern auch bundesweit. Das Projekt, das mehrfach im Fernsehen und anderen überregionalen Medien aufgegriffen wurde, bildete den Ausgangspunkt für ein schnell wachsendes Netzwerk aus Informatik und Medizin. Über diese Initiative entstanden für Prof. Dr. Jörg Scheidt und Prof. Dr. Dirk Reinel und ihr Team am Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof (iisys) Kontakte zu führenden Kopfschmerzexpertinnen und -experten, aus denen sich in den Folgejahren zahlreiche gemeinsame Forschungsprojekte entwickelten. „Das Migräne Radar war für uns ein Türöffner in die medizinische Forschung““, erklärt Prof. Dr. Jörg Scheidt. Und Prof. Dr. Dirk Reinel ergänzt: „Dadurch konnten wir Vertrauen aufbauen und langfristige Kooperationen etablieren.“
Ein zentrales Projekt: Das Kopfschmerzregister
Heute zählt das bundesweite Kopfschmerzregister der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu den bedeutendsten Kooperationen. Gemeinsam mit medizinischen Einrichtungen wie dem Klinikum der LMU München sowie der Ausgründung smartlytic GmbH arbeitet das iisys an der systematischen Erfassung und Auswertung von anonymisierten Patientendaten. Ein Ziel des Registers ist es, eine umfassende Datenbasis für wissenschaftliche Analysen zu schaffen. Diese ermöglicht es, neue Erkenntnisse über Krankheitsverläufe, Therapien und Medikamentenwirkungen zu gewinnen. Ein interdisziplinäres Lenkungsgremium entscheidet über die Nutzung der Daten – sowohl für interne Forschungsfragen als auch für externe Anfragen, etwa aus der Pharmaindustrie.
Unsere Aufgabe ist es, die Daten so aufzubereiten und auszuwerten, dass daraus belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen.“
Prof. Dr. Jörg Scheidt
Hof liefert die Datenanalyse
Durch die statistische Auswertung der umfangreichen Datensätze in enger Zusammenarbeit mit der LMU entstehen zudem wissenschaftliche Publikationen, die mittlerweile regelmäßig in international renommierten Fachzeitschriften erscheinen – darunter in „Cephalalgia“, „The Journal of Headache and Pain“ und „Headache: The Journal of Head and Face Pain“. „Aktuell wurde ein weiteres Paper zur sogenannten ‚Wochenend-Migräne‘ zur Veröffentlichung angenommen – ein Beispiel dafür, wie praxisnahe Fragestellungen durch datengetriebene Forschung verständlich und greifbar werden“, so Prof. Dr. Jörg Scheidt.
Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz
Neben der Kopfschmerzforschung ist das iisys auch an weiteren medizinischen Projekten beteiligt. Ein Beispiel ist die Studie SaVeBRAIN.Kids unter Leitung der Universitätsmedizin Essen. Hier geht es um die Versorgung von Kindern mit leichten Schädel-Hirn-Traumata – ein Thema mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Auch in diesem Projekt bringt das iisys seine Kompetenz in Software-Entwicklung und Datenmanagement ein und trägt dazu bei, die medizinische Versorgung evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
Was hier in den letzten Jahren entstanden ist, zeigt eindrucksvoll, wie leistungsfähig interdisziplinäre Zusammenarbeit sein kann. Unsere Forschenden leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu, medizinische Fragestellungen datenbasiert zu beantworten – und damit die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern.“
Prof. Dr. René Peinl, Leiter Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof (iisys)