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6. Institutekolloquium legt Schwerpunkte auf Nachhaltigkeit und praktische Anwendbarkeit

Im Audimax der Hochschule Hof fand am 12. November 2025 das bereits sechste Institutskolloquium statt – in diesem Jahr organisiert vom Institut für Wirtschafts- und Organisationsforschung (iwo) unter Leitung von Prof. Dr. Jens Kirchner. Wieder waren im Vorfeld alle sechs Forschungsinstitute der Hochschule eingeladen, ihre Projekte einzureichen. „Dabei wurden beeindruckende 62 Forschungsprojekte dokumentiert – eine wirklich tolle Leistung“, so Prof. Kirchner bei der Eröffnung.

Die Sieger des diesjährigen Institutekolloquiums – sie präsentierten ihre jeweiligen Projekte vor allen Forschungsinstituten der Hochschule; Bild: Hochschule Hof;

Ziel der jährlich stattfindenden Veranstaltung ist es, Forschende zu vernetzen, Interdisziplinarität zu fördern und mehr Transparenz in die Forschungsarbeit zu bringen.

Schnell wurde klar: Die Breite der aktuellen Forschung an der Hochschule Hof ist beeindruckend. Eingereicht wurden durch das Institut für Informationssysteme (iisys) 7 Projekte, durch das Institut für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere (ibp) 17, vom Institut für Materialwissenschaften (ifm) 10, vom Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) 17, durch das Institut für Wasserstoff‐ und Energietechnik (iwe) 9 und vom noch jungen Institut für Wirtschafts- und Organisationsforschung (iwo) immerhin noch 2 Projekte.

Letztlich präsentiert wurden wieder diejenigen Projekte, die im Vorfeld im Voting gewonnen hatten.

Nachwuchsforschergruppe EISBiR
(Dr. Alexander Rudnick – ibp)

Die Nachwuchsforschergruppe EISBiR stellte aktuelle Ergebnisse zur Bewitterung und Langzeitstabilität von Biokunststoffen vor. Ziel der Forschungsarbeit ist es, nachhaltige Polymercompounds zu entwickeln, die auch unter realen Umweltbedingungen langlebig bleiben – und das ohne fossile Additive. Im Mittelpunkt der Präsentation standen die beiden Biopolymere Polylactid (PLA) und Polybutylensuccinat (PBS), die mit verschiedenen biogenen Additiven wie Weintrester, Kaffeehülsen oder Holzmehl versetzt wurden. Über mehrere Monate wurden insgesamt über 100 Folienproben unter Freilandbedingungen bewittert und anschließend hinsichtlich thermischer, oxidativer und mechanischer Stabilität untersucht.

Die Ergebnisse zeigen: Biogene Additive können die oxidative Stabilität deutlich verbessern, ohne die Materialfestigkeit gravierend zu beeinträchtigen. Besonders PBS-Compounds erwiesen sich als robust und langzeitstabil, während PLA zwar antioxidativ profitiert, aber mechanisch stärker altert. Mit diesen Arbeiten leistet die Gruppe einen Beitrag zum übergeordneten EISBiR-Ziel: die Verknüpfung von Strahlenmodifikation, Faserverstärkung und biogenen Additiven, um biobasierte Werkstoffe mit hoher Alterungsbeständigkeit zu entwickeln – eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz nachhaltiger Kunststoffe in technischen Anwendungen.

„RuPert – Rundvernadeln und Flechten als neuartige Verfahrenskombination für Permeationsrohre im Wassermanagement“
(Karline Großer und Felix Hackner in Vertretung von Thomas Hühnel – ifm)

Das Projekt widmet sich dem Thema nachhaltiger und naturnaher Lösungen im Wassermanagement als Antwort auf Extremwetterereignisse im Klimawandel. Im Fokus steht die Entwicklung textiler Rohrsysteme statt herkömmlicher PVC- oder PE-Drainagesysteme. Die Kombination aus Techniken von Rundvernadelung und Radialflechtung – etwa mit Wolle bzw. Weideholzfäden – soll so helfen, aufgenommene Niederschläge zu speichern und geleitet zu verteilen. Ziel ist es also, Wasser so gezielt zurückzuhalten, weiterzuleiten und umzuleiten, um zum Beispiel Hochwasserrisiken zu reduzieren. Erste Versuche zeigten, dass Rundvernadelung und Radialflechten gut kombinierbar sind.

„Energieautarke Hochschule – Das innovative Energiekonzept am Campus Hof“
(Oliver Stark – iwe)

Vor dem Hintergrund der Klimaschutzverpflichtungen bayerischer Hochschulen und dem Ziel der Klimaneutralität entwickelt das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik (iwe) ein zukunftsweisendes Energiekonzept für den Campus Hof.

Im Fokus stehen die maximale Eigenversorgung und eine optimierte Energieeffizienz. Dazu wurden umfassende Photovoltaik-Potentialanalysen für Gebäude, Freiflächen und Parkflächen durchgeführt. Auf Basis dieser Daten entstanden verschiedene Szenarien für die künftige Energieversorgung, die mithilfe von Systemsimulationen bewertet wurden. Diese Simulationen zeigen die Auswirkungen unterschiedlicher Strategien – vom „Business-as-Usual“-Ansatz bis hin zu einer starken Ausrichtung auf Autarkie – und ermöglichen eine gezielte Optimierung zur Erreichung der Klimaziele.

Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung eines Energiemanagementsystems im Jahr 2026, das auf den Energiedaten von 2025 aufbaut. Damit wird der Campus Hof einen entscheidenden Schritt in Richtung Energieautarkie und Nachhaltigkeit gehen.

„Tech meets Brand – Wie neue Technologien das Branding bei Best Agers verändert“ (Lorenz Neupert & Lukas Brosch – iwo)

In diesem Projekt steht die älter werdende Zielgruppe (50+) im Fokus. Untersucht wird, wie technologische Innovationen – etwa Conversational Agents, also KI-basierte Text- und Sprachassistenten oder auch Augmented Reality (AR) – das Markenimage und die Markenloyalität bei Best Agers verändern können. Die ältere Zielgruppe ist dabei besonders interessant: sie weist hohe Kaufkraft und in den Industrieländern USA, Japan und Europa enorme Wachstumsraten aufgrund des demographischen Wandels auf. Neuartige Technologien sollen personalisierte Angebote liefern, Problemlösungen beschleunigen, das Markenerlebnis verbessern oder auch die Retourenquote durch AR-Erlebnisse („try before buy“) reduzieren. Mit Befragungen wird untersucht, wie Markenloyalität und Markenimage sich dadurch verändern und wie hoch die Technologieakzeptanz tatsächlich ist.

„EMILIA – Verkehrsmittelwahl“
(Stephanie Kitzing – iisys)

Das Projekt „EMILIA“ untersucht unter anderem, welche Verkehrsmittel im ländlichen Raum der Hofer Region genutzt werden und warum – mit dem Zweck, digitale Tools zur Simulation und Optimierung intermodaler Verkehrssysteme zu entwickeln. Dabei wird ein digitaler Zwilling geschaffen, um zu verstehen, ob und in welchem Ausmaß die Verkehrsmittelwahl von Faktoren wie Quelle-Ziel-Verbindung, Reisezeit, Anzahl Umstiege und Verkehrsmittelalternativen abhängt. Dafür werden gesicherte Daten aus Verkehrszählungen, Floating-Car-Daten, Hofer Landbus-Daten und Fahrplandaten genutzt. Ziel ist eine effizientere und nachhaltigere Mobilität im ländlichen Raum – in Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Hof.

„Strategien ökologischer Friedensförderung auf Grundlage des Konzepts des Weiblichen“ (Paola Acosta Carrascal – inwa)

Es handelt sich um ein internationales Forschungsprojekt in der kolumbianischen Region Magdalena Medio in Kooperation mit der Frauenorganisation Organización Femenina Popular (OFP). Ziel ist die Identifikation, Analyse und Förderung von Friedensstrategien, die Frauen vor Ort im Umwelt- und Wasserressourcenmanagement entwickeln. Der Fokus liegt auf dem „Weiblichen“ als Konzept für Friedens-, Umwelt- und Ressourcennutzung im Konfliktgebiet. Die Region ist durch hohe Biodiversität sowie jahrzehntelange Konflikte geprägt; die Hochschule bringt ihre Expertise im Bereich Wasserbewirtschaftung ein – insbesondere das Konzept der „Schwammregion“. Methodisch werden partizipative Feldforschung, Workshops und hybrid gestützte Formate genutzt, um lokales Wissen mit wissenschaftlicher Analyse zu koppeln. Ziel ist die Sichtbarmachung der Frauenperspektiven in Umwelt- und Friedensprozessen – national und international.

Rainer Krauß

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