103 Teilnehmer aus Kommunen, Behörden, Wissenschaft und Praxis diskutierten an der Hochschule Hof, wie sich Wasser in der Landschaft zurückhalten und die Klimaanpassung im ländlichen Raum voranbringen lässt. Im Mittelpunkt standen konkrete Maßnahmen, digitale Lösungen und die Frage, wie sich Schwammlandschaften in die Praxis umsetzen lassen.

Wie lässt sich Wasser in der Landschaft halten, statt es schnell abfließen zu lassen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 5. Hofer Wassersymposium am 30. September an der Hochschule Hof. Unter dem Motto „Klimaanpassung im ländlichen Raum – Schwammlandschaften als Antwort?“ kamen 103 Teilnehmer aus Behörden, Kommunen, Wissenschaft, Planung und Industrie zusammen. Schwammlandschaften sollen Regenwasser möglichst lange in der Fläche speichern, den Boden mit Feuchtigkeit versorgen und die Folgen von Starkregen und Trockenperioden abmildern. Dafür müssen unter anderem Landwirtschaftsflächen, Wälder und Siedlungsbereiche so gestaltet werden, dass sie Wasser besser aufnehmen und zurückhalten können. Eingeladen hatte das Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof in Kooperation mit dem Landkreis Hof.
Transferwerkstatt Wasser: Forschung und kommunale Praxis verbinden
Im Mittelpunkt des Symposiums standen die Ergebnisse der Transferwerkstatt Wasser. Als Teilprojekt des Smart-City-Modellvorhabens hoferLand.digital unterstützt sie die Kommunen im Landkreis Hof dabei, die Klimaanpassung mithilfe digitaler Daten und wissenschaftlicher Erkenntnisse voranzubringen. Grußworte sprachen Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann, Landrat Dr. Oliver Bär und die 2. Oberbürgermeisterin der Stadt Hof, Angela Bier.
Fachliche Impulse lieferten Dr. Ganbaatar Khurelbaatar vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig zu blau-grünen Infrastrukturen sowie Prof. Dr. Andreas Weiß von der Hochschule Coburg und Anton Kohl von der TNL Energie GmbH. Sie stellten ein Baukastensystem für eine wasserwirtschaftlich optimierte und klimaresiliente Flächennutzung vor. In einer Gesprächsrunde berichteten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Landkreis Hof über ihre Erfahrungen mit den Workshops der Transferwerkstatt Wasser und über die Herausforderungen bei der Umsetzung vor Ort.
Sechs Thementische zeigen konkrete Handlungsfelder
Am Nachmittag vertieften die Teilnehmer ihre Erkenntnisse in einem Worldcafé. An sechs Thementischen standen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gebäude und Liegenschaften, digitale Zwillinge, interkommunale Herausforderungen sowie die Umsetzung in die Praxis im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich: An technischen Lösungen mangelt es häufig weniger als an geeigneten Flächen, klaren Zuständigkeiten, verlässlicher Finanzierung und einer ausreichenden Datengrundlage.
Landwirtschaft und Forstwirtschaft:
Damit Wasser auf landwirtschaftlichen Flächen besser zurückgehalten werden kann, müssen Landwirte frühzeitig eingebunden werden. Als mögliche Maßnahmen wurden Hecken und Agroforstsysteme auf öffentlichen Flächen genannt. Im Wald steht der Umbau zu standortangepassten Mischwäldern im Vordergrund, die den Wasserrückhalt verbessern und zur Stabilität der Ökosysteme beitragen.
Gebäude und Liegenschaften:
Bei Maßnahmen auf Gebäuden und Grundstücken erschweren vor allem bürokratische Hürden und Fragen der Wirtschaftlichkeit die Umsetzung. Kommunen können eine Vorreiterrolle übernehmen und Eigentümer sowie Pächter für Möglichkeiten des Wasserrückhalts sensibilisieren.
Digitale Zwillinge:
Digitale Zwillinge bilden reale Gebiete oder Objekte mithilfe digitaler Daten ab und können dadurch Planungsentscheidungen unterstützen. Voraussetzung dafür sind jedoch Daten in ausreichender Qualität und Aktualität sowie einheitliche Standards.
Interkommunale Zusammenarbeit und Umsetzung:
Viele Herausforderungen machen nicht an Gemeindegrenzen halt. Um Maßnahmen langfristig planen und umsetzen zu können, braucht es verbindliche Rahmenbedingungen und eine dauerhaft verlässliche Finanzierung. Zugleich lautete die Empfehlung, bereits heute kleinere Projekte anzustoßen, statt auf umfassende Gesamtkonzepte zu warten.

und Prof. Dr. Manuela Wimmer sowie Michael Schmidt (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)
aus dem Orga-Team; Bild: Hochschule Hof;
Wasserrückhalt braucht konkrete Maßnahmen
Die Rückmeldungen zum 5. Hofer Wassersymposium fielen positiv aus. Die Teilnehmer lobten die Fachvorträge, die Organisation und insbesondere die vielfältigen Möglichkeiten zum Austausch. Vor allem im Worldcafé zeigte sich, wie groß der Gesprächsbedarf und das Interesse an gemeinsamen Lösungen sind. Das Fazit des Tages: Beim Wasserrückhalt und bei der Entwicklung von Schwammlandschaften sind wichtige Schritte gemacht. Entscheidend ist nun, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu überführen und diese langfristig zu etablieren.
Die Ergebnisse der Transferwerkstatt Wasser werden am Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof über das Kompetenz- und Transferzentrum nachhaltige Schwammstadt und -region (ktns) weitergeführt.
Weitere Informationen: inwa.hof-university.de | Kontakt: wasser-symposium@hof-university.de