Rund 30 Gäste folgten der Einladung des “Vereins der Freunde der Internationalisierung des Textilkompetenzzentrums Münchberg an der Hochschule Hof e. V.” zu einem Fachvortrag über die Zukunft nachwachsender Rohstoffe. Unter dem Titel „Fibre Plant Breeding: Reviving an Extinct Discipline in Germany and Europe“ referierte Dr. Fred Eikmeyer, Geschäftsführer der ESKUSA GmbH, über die Bedeutung der Faserpflanzenzüchtung für eine nachhaltige und widerstandsfähige Rohstoffversorgung.

Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Dr. Eikmeyer die zunehmende Verengung der landwirtschaftlichen Nutzpflanzenbasis. Während Kulturpflanzen der Menschheit als Nahrungs-, Futter-, Faser-, Energie- und Chemierohstofflieferanten dienen, nimmt die Vielfalt der angebauten Arten stetig ab. So stammen heute rund 60 Prozent der weltweit konsumierten Kalorien aus lediglich vier Pflanzenarten: Reis, Weizen, Mais und Kartoffeln. Im Bereich der Naturfasern dominiert Baumwolle mit einem Anteil von über 80 Prozent.
Diese starke Konzentration birgt Risiken angesichts künftiger Herausforderungen wie Trockenheit, Überschwemmungen, Bodenversalzung oder steigenden Temperaturen. Die Diversifizierung der Rohstoffproduktion sei daher längst kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Industrie.
Potenzial nachwachsender Faserpflanzen
Der Referent stellte verschiedene Faser- und Industriepflanzen vor, die in gemäßigten Klimazonen angebaut werden können und das Potenzial besitzen, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Dazu zählen:
- Russischer Löwenzahn als nachhaltige Quelle für Naturkautschuk,
- Flachs (Leinen) als traditionsreiche Naturfaser mit neuem Potenzial,
- Hanf als vielseitig einsetzbarer Rohstoff,
- Brennnessel als historische Textilpflanze mit modernen Anwendungsmöglichkeiten.
Dr. Eikmeyer studierte Gartenbauwissenschaften an der Universität Hannover und gründete 2010 die ESKUSA GmbH in Bayern. Das Unternehmen ist auf die Züchtung von Spezialkulturen spezialisiert, darunter industrielle Rohstoffpflanzen, Heil- und Gewürzkräuter, mehrjährige Biomassepflanzen sowie heimische Wildpflanzen für Landschaftsgestaltung und Insektenförderung.
Austausch über globale Rohstoffquellen
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über pflanzliche Rohstoffe aus unterschiedlichen Klimazonen. Dabei wurden neben den in Europa anbaubaren Faserpflanzen auch tropische und subtropische Kulturen wie Baumwolle oder Jute betrachtet.
Prof. Oliver Lottes, Vorsitzender des Vereins, zeigte sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden:
„Wir konnten Menschen zusammenbringen, den internationalen Austausch fördern und Wissen vermitteln – genau das ist das Ziel unseres Vereins. Besonders erfreulich war die intensive Diskussion über pflanzliche Rohstoffe aus gemäßigten ebenso wie aus tropischen und subtropischen Klimazonen.“
Prof. Oliver Lottes
Investition in Resilienz und Nachhaltigkeit
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Versorgungssicherheit bei Rohstoffen und der Erhalt der Biodiversität eng miteinander verbunden sind. Die Wiederbelebung der Faserpflanzenzüchtung stellt eine langfristige Investition in resiliente Produktions- und Versorgungssysteme dar. Gleichzeitig müssen Züchtungsziele gezielt an den Anforderungen der späteren Anwendung ausgerichtet werden – etwa hinsichtlich Ertrag, Faserlänge oder Faserfestigkeit.
Mit spezialisierten Züchtungsprogrammen können sowohl die Ernährungssysteme als auch die textile Wertschöpfung langfristig gesichert werden. Die Gäste verließen die Veranstaltung mit zahlreichen neuen Impulsen und einem vertieften Verständnis für die Bedeutung pflanzlicher Vielfalt in einer nachhaltigen Wirtschaft.