Kostenlos abonnieren

Werden Sie regelmäßig per E-Mail über neue Ausgaben der campuls informiert. Sie können Ihr kostenloses Abo jederzeit einfach online über den Abmeldelink im Newsletter kündigen.

Weitere Infos zu Datenschutz & Widerrufsrecht finden Sie hier.

Interview mit einer jungen Mutter: Studieren mit Kleinkind – wie geht das?!

Wie sieht der Alltag aus, wenn man als junge Mutter ein Studium beginnt? Denkt man an die vielen Verpflichtungen und Termine wie Vorlesungen, Studienarbeiten, den Nebenjob und noch einiges mehr, dann kann man sich wohl jeder leicht vorstellen, dass dies schnell überfordernd und sehr mühsam werden kann. Aber was, wenn man in der Studienzeit noch ein weiteres  Kind bekommt – kann man dann überhaupt noch vernünftig studieren? Genau das haben wir uns vom Team der Frauenbeauftragten auch gefragt.

Christa Sprengard und ihre Tochter Valeria; Bild: Hochschule Hof

Mit Christa Sprengard haben wir uns mit einer jungen Frau getroffen, die genau das vor kurzem erlebt hat und die mit uns über dieses Thema sprach. Sie studiert Wirtschaftspsychologie. Hier ihre Erfahrungen:

1. Wie ist es, mit dem Kind zu studieren – können Sie sich auf das Studium konzentrieren?

Meine Tochter Valeria ist am 25.9.20 geboren und das neue Semester begann kurz darauf am 5.10.20. Bis jetzt hat sich also noch keine richtige Routine eingespielt. Zwischen Stillen, Wickeln, Trösten und Baby-Rumtragen kommen noch das Erledigen des Haushalts und die Müdigkeit – bedingt durch die noch kurzen Nächte – hinzu. Manchmal bekomme ich deshalb nicht einmal die Hälfte von den virtuellen Live-Vorlesungen mit oder kann mich nicht rechtzeitig in die Zoom-Meetings einwählen, weil ich beispielsweise noch dabei bin, das Malheur, das nicht in der Windel gelandet ist, zu beseitigen und das Baby umzuziehen. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass sich das alles noch besser einspielen wird. Ich versuche so viel wie möglich nachzuholen, wenn mein Mann oder unsere große Tochter nach der Kleinen sehen können.

Je älter die Kinder werden und je mehr man aus seinen eigenen Fehlern lernt, desto einfacher wird es.

Christa Sprengard, junge Mutter und Studentin

Apropos – meine große Tochter ist bereits 13 Jahre alt, ich selbst bin 30. Früh übt sich, haha…. Daher kann ich auch noch etwas dazu sagen, wie es ist, mit einem älteren Kind die Schule zu besuchen bzw. zu studieren. Als sie drei Jahre alt war, bin ich auf die FOS gegangen. Das war absolut unproblematisch, da ich nicht viel Zeit zum Lernen außerhalb der Schule investieren musste. Als ich dann anschließend meinen ersten Versuch eines Studiums startete, unterschätzte ich ganz klar den Aufwand und scheiterte kläglich! Je älter die Kinder werden und je mehr man aus seinen eigenen Fehlern lernt, desto einfacher wird es aber auch. Ich denke, dass es durch die gegebene Flexibilität wesentlich einfacher ist, während der Studienzeit Kinder zu bekommen, als wenn man bereits mitten im Berufsleben ist. Das kommt aber sicherlich auch auf den Job, die eigenen Wünsche und sozialen Umstände und das Zeitmanagement an.

Valeria ist das zweite Kind von Christa Sprengard; Bild: Hochschule Hof

2. Wissen die Professoren von den besonderen Umständen und nehmen sie Rücksicht darauf?

Ich habe mich zunächst bei der Frauenbeauftragten erkundigt, wie es sich verhalten würde, wenn ich mit dem Baby in Vorlesungen gehen wollen würde. Sie meinte, dass ich dies mit jeder Lehrperson separat klären müsse. Bisher kam es aber noch nicht dazu, da alle Vorlesungen online besucht werden können. Nur einer Professorin teilte ich meinen Wunsch nach einem Gruppenwechsel mit, da diese Übungsstunde zu einem für mich als Mama passenderen Zeitpunkt stattfindet – das war dann überhaupt kein Problem!

3. Empfinden Sie Online Vorlesungen als vorteilhaft oder bevorzugen Sie Präsenz?

Ich empfinde die Online-Vorlesungen als wesentlich stressfreier und kann mir aktuell nicht vorstellen, mit einem so kleinen Kind im Schlepptau oder sogar zu Hause eine Präsenzveranstaltung zu besuchen.

Um den sozialen Anschluss nicht zu verlieren, halte ich es aber auf jeden Fall für sinnvoll auch vor Ort an der Hochschule zu sein. Ich würde mein Baby dann auch gerne gelegentlich mitnehmen können.

Christa Sprengard

Auch ohne Kinder finde ich die Option der Onlinelehre spannend und würde diese bevorzugt nutzen.

4. Was würden Sie anderen Studentinnen raten?

Auf jeden Fall so viel Hilfe wie möglich annehmen, um sich selbst genug Freiräume schaffen zu können, nicht nur zum Lernen! Und nicht zu viel von sich selbst erwarten! Eine gute Planung für den Alltag – die man stets optimieren kann – und ein gutes Zeitmanagement können sehr hilfreich sein. Am wichtigsten finde ich aber, dass es einem selbst gut geht, denn nur dann kann man sich auch um Kinder, Studium und was sonst noch so ansteht adäquat kümmern. Für mich persönlich haben meine Kinder absolute Priorität und daher käme es im „Worst Case“ auf ein Semester mehr oder weniger auch nicht an. Dennoch versuche ich das Studium regulär fortzusetzen, alle Prüfungen anzutreten und natürlich auch gut zu bestehen. Jede/r sollte die für sich selbst optimale Lösung finden, sich dabei nicht unter Druck setzen (lassen) und sich auch nicht mit anderen Leuten vergleichen.

Kontakt zur Frauenbeauftragten:

Bei Fragen rund um das Thema „Studieren mit Kind“ sind die Frauenbeauftragte der Hochschule Hof, Frau Prof. Dr. Margarete Blank-Bewersdorff und ihr Team unter der E-Mail: frauenbeauftragte@hof-university.de zu erreichen. Hier erhält man viele nützliche Informationen. So gibt es zum Beispiel extra für Mütter sogenannte Stillräume an der Hochschule – sowohl in Hof, als auch in Münchberg.


Anna Krukova

Mehr zum Thema