In unserer losen Reihe „Success made in Hof” stellen wir heute Ashwanth Krishna Vijay. Der 31-Jährige aus Coimbatore in Indien studierte von 2017 bis 2019 im Masterstudiengang Master of Business Administration an der Hochschule Hof und schloss seinen MBA bei Prof. Dr. Daniel Werner ab. Heute arbeitet er in Columbus (Ohio, USA) für das international tätige Unternehmen GEALAN.

Dort ist er für Digitalisierung und Business Development der ersten nordamerikanischen Tochtergesellschaft verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört es, digitale Initiativen voranzutreiben, den Markteintritt des Unternehmens zu begleiten, Wachstumsstrategien zu unterstützen und die Präsenz seines Unternehmens im nordamerikanischen Markt weiter auszubauen.
Herr Vijay, nehmen Sie uns etwas mit auf Ihren Karriereweg nach dem Studium!
„Gerne. Ich begann meine berufliche Laufbahn im April 2018 bei der GEALAN Fenster-Systeme GmbH in Oberkotzau – zunächst als Praktikant. Parallel dazu verfasste ich in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen meine Masterarbeit. Nach dem erfolgreichen Abschluss erhielt ich die Möglichkeit, meine Tätigkeit im Rahmen eines 18-monatigen Traineeprogramms fortzusetzen. In dieser Zeit arbeitete ich in mehreren Abteilungen und gewann wertvolle Einblicke in Prozesse, Abläufe und die Organisationsstruktur des Unternehmens.
Nach Abschluss des Traineeprogramms übernahm ich die Position des Executive Assistant to the CEO, die ich drei Jahre lang innehatte und die mir einen umfassenden Einblick in die strategische Ausrichtung des Unternehmens ermöglichte. Anschließend war ich zwei Jahre als Digitalization Manager tätig und trieb in dieser Rolle verschiedene Digitalisierungsinitiativen sowie die Modernisierung interner Prozesse und Systeme voran.“
Wie verschlug es Sie dann in die USA?
„Im Jahr 2025 erweiterte GEALAN seine globale Präsenz über Europa hinaus und gründete seine erste nordamerikanische Tochtergesellschaft in den Vereinigten Staaten. Im Zuge dieses wichtigen Schrittes erhielt ich die Möglichkeit, zur GEALAN Window Systems Inc. nach Columbus im US-Bundesstaat Ohio zu wechseln.“
Was genau sind heute Ihre Aufgaben?
„Heute bin ich verantwortlich für die Bereiche Digitalisierung und Business Development. Da sich die Aktivitäten in den USA noch in einer frühen Phase befinden, umfassen meine Aufgaben sowohl den operativen Aufbau als auch die Unterstützung des langfristigen Wachstums.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Implementierung und Weiterentwicklung des digitalen Ökosystems von GEALAN, darunter Planungssoftware, CRM-Systeme, Lead-Management-Plattformen und der GEALAN E-Shop. Diese Lösungen helfen, interne Abläufe zu optimieren und Kunden eine effizientere Planung und Konfiguration von Fenster- und Türsystemen zu ermöglichen.
Darüber hinaus betreue ich Teile der Lieferkettenprozesse – von der Beschaffung von Profilen und Laminationsmaterialien aus Europa über das Auftragsmanagement bis zur Auslieferung in den USA. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Teams in Europa und Nordamerika.
Außerdem unterstütze ich unser Trainingszentrum im Bereich Fenster- und Türenbau, etwa bei der Konfiguration von Fenstersystemen für Produktionsplanung, technische Demonstrationen und Schulungen. Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, Kunden und Partner mit den in Nordamerika noch relativ neuen europäischen Dreh-Kipp-Fenstersystemen vertraut zu machen und deren Vorteile gegenüber traditionellen amerikanischen Systemen zu erläutern. Insgesamt arbeite ich eng mit verschiedenen Teams zusammen und fungiere häufig als Schnittstelle zwischen internen Bereichen und Kunden.“
Warum haben Sie sich für die Hochschule Hof entschieden?
„Ich habe mich vor allem wegen der international ausgerichteten Struktur des Masterstudiengangs für die Hochschule Hof entschieden. Das Programm kombinierte sechs Monate Studium am PSG Institute of Management in Indien mit anderthalb Jahren an der Hochschule Hof sowie einem verpflichtenden sechsmonatigen Industriepraktikum.
Diese Struktur bot die Möglichkeit, akademisches Wissen mit praktischer Berufserfahrung in einem internationalen Umfeld zu verbinden. Besonders überzeugend war für mich der starke Fokus auf die Verbindung von Theorie und Industrieerfahrung – eine ideale Grundlage für eine internationale Karriere.“
Ashwanth Krishna Vijay
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Studienzeit?
„Meine Studienzeit ist mit vielen besonderen Erinnerungen verbunden. Ich erinnere mich gut an den Beginn in Indien mit der Einschreibung, den Visainterviews und schließlich meinen ersten internationalen Flug nach Deutschland im Jahr 2017.
Die Ankunft in Hof und der Start in einem neuen Land waren zunächst spannend und auch etwas überwältigend. Sprache, Kultur und akademisches Umfeld waren neu für mich. Doch die freundliche Atmosphäre an der Hochschule Hof sowie die Unterstützung durch Kommilitonen und Lehrende halfen mir, mich schnell einzuleben.
Mit der Zeit wurde Hof für mich zu einer zweiten Heimat – ich lebte schließlich fast acht Jahre dort und knüpfte enge Kontakte. Besonders prägend war das internationale Umfeld der Hochschule mit Studierenden aus vielen Teilen der Welt. Deutschkurse, betriebswirtschaftliche Vorlesungen sowie Universitätsveranstaltungen und Karrieremessen boten zudem eine sehr gute Vorbereitung auf das Berufsleben.“
Konnten Sie das aber neben aller Arbeit auch etwas genießen?
„Natürlich bestand das Studentenleben nicht nur aus Vorlesungen und Prüfungen. Zu meinen schönsten Erinnerungen gehören Gruppenprojekte mit Kommilitonen aus verschiedenen Kulturen, lange Abende bei der Vorbereitung von Präsentationen, Reisen durch Deutschland und Europa sowie mein erster Winter mit Schnee.
Rückblickend war meine Zeit an der Hochschule Hof weit mehr als nur ein Studium – sie war eine internationale Erfahrung, die meinen Horizont erweitert, Freundschaften entstehen lassen und den Grundstein für meine berufliche Laufbahn gelegt hat.“
Welche Herausforderungen ergeben sich im Berufsleben, auf die kein Studiengang wirklich vorbereiten kann?
„Eines der Dinge, die man nach dem Einstieg ins Berufsleben schnell erkennt, ist, dass die reale Welt weitaus dynamischer und unvorhersehbarer ist als jede Unterrichtsumgebung. Während das Studium die theoretische Grundlage und wichtige analytische Fähigkeiten vermittelt, werden viele Herausforderungen erst sichtbar, wenn man tatsächlich arbeitet und Verantwortung für reale Projekte und Ergebnisse übernimmt. Einer der größten Unterschiede besteht im Umgang mit Unsicherheit und praktischen Einschränkungen. In beruflichen Umfeldern müssen Entscheidungen oft schnell getroffen werden – manchmal auf Basis unvollständiger Informationen – und dabei müssen gleichzeitig Fristen, Budgets, Kundenerwartungen und operative Gegebenheiten berücksichtigt werden. Zu lernen, wie man sich in solchen Situationen zurechtfindet und unter Druck fundierte Entscheidungen trifft, ist etwas, das sich wirklich nur durch Erfahrung entwickeln lässt.
Eine weitere Herausforderung ist die Zusammenarbeit über verschiedene Teams und Abteilungen hinweg. In der Theorie wirken Lösungen oft unkompliziert, doch in der Praxis hat jede Abteilung eigene Prioritäten, Prozesse und Einschränkungen. Diese unterschiedlichen Perspektiven in Einklang zu bringen, Erwartungen zu managen und eine klare Kommunikation sicherzustellen, wird zu einem wesentlichen Bestandteil des beruflichen Alltags.“
…gerade auch in Zeiten eines so schnellen technologischen Wandels…
„Ja. In den letzten Jahren war eine der bedeutendsten Entwicklungen der rasante Fortschritt digitaler Technologien, insbesondere der künstlichen Intelligenz. KI verändert zunehmend die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten – von Datenanalyse und Automatisierung bis hin zu Entscheidungsunterstützung und Kundeninteraktionen. Während Universitäten die zugrunde liegenden Konzepte vermitteln, besteht die eigentliche Herausforderung im Berufsleben darin, zu verstehen, wie man diese Technologien sinnvoll und praktisch in Geschäftsprozesse integriert. Dazu gehört auch, zu bewerten, wo KI echten Mehrwert schafft und wo menschliches Urteilsvermögen und Erfahrung weiterhin unverzichtbar sind. Da sich Technologie so schnell weiterentwickelt, müssen Fachkräfte kontinuierlich lernen, sich anpassen und neugierig bleiben. Neue Tools, Plattformen und digitale Möglichkeiten entstehen ständig, und mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten, wird zu einem fortlaufenden Teil der beruflichen Weiterentwicklung.
Rückblickend vermittelt das Studium vor allem die grundlegende Denkweise für strukturiertes Denken und Lernen. Viele der wertvollsten Lektionen – etwa der Umgang mit Komplexität, die Zusammenarbeit über Teams hinweg und die Anpassung an sich schnell entwickelnde Technologien wie KI – werden jedoch letztlich erst im Laufe der Zeit durch praktische Erfahrung erlernt.“
Welchen Rat würden Sie Studierenden geben, die heute gerade ihr Studium beginnen?
„Für Studierende, die ihr Studium gerade beginnen, ist es wichtig, die Möglichkeiten über den Hörsaal hinaus bestmöglich zu nutzen. Fachliches Wissen ist essenziell, doch Erfahrungen wie Praktika, praxisnahe Projekte, Networking-Veranstaltungen und Einblicke in unterschiedliche berufliche Umfelder können eine entscheidende Rolle dabei spielen, die spätere Karriere zu gestalten und ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Branchen tatsächlich funktionieren.
Ebenso wichtig ist es, neugierig zu bleiben und offen für Neues zu sein, insbesondere im Hinblick auf aufkommende Technologien. Entwicklungen in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung, fortgeschrittene Datenanalyse und digitale Plattformen verändern viele Branchen rasant. Ein grundlegendes Verständnis dieser Trends sowie die Bereitschaft, kontinuierlich neue Fähigkeiten zu entwickeln, können einen großen Vorteil darstellen, während sich die Arbeitswelt weiterentwickelt.”
Ashwanth Krishna Vijay
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung starker Kommunikations- und Teamfähigkeiten. Im Berufsleben hängt Erfolg oft nicht nur vom technischen Wissen ab, sondern auch von der Fähigkeit, effektiv mit Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen, Kulturen und Fachbereichen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig kann es sehr wertvoll sein, die eigene Komfortzone zu verlassen. Eigeninitiative zu zeigen, neue Interessengebiete zu erkunden und sich anspruchsvollen Projekten zu stellen, erweitert den Horizont und hilft dabei, Selbstvertrauen, Anpassungsfähigkeit und Resilienz aufzubauen.
In vielerlei Hinsicht verlaufen berufliche Wege selten exakt nach Plan. Offen für neue Erfahrungen zu sein und kontinuierlich neue Fähigkeiten zu entwickeln, führt oft zu den bedeutendsten Chancen und zu langfristigem Wachstum.“
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!