Kostenlos abonnieren

Werden Sie regelmäßig per E-Mail über neue Ausgaben der campuls informiert. Sie können Ihr kostenloses Abo jederzeit einfach online über den Abmeldelink im Newsletter kündigen.

Weitere Infos zu Datenschutz & Widerrufsrecht finden Sie hier.

Stadtvorlesung: Raus aus der digitalen Abhängigkeit – Impulse für mehr Souveränität

Bei der jüngsten Stadtvorlesung an der Hochschule Hof Ende April stand ein hochaktuelles Thema im Mittelpunkt: „Wege zur digitalen Souveränität“. Nach der Begrüßung durch den neuen Vizepräsidenten für Forschung der Hochschule Hof, Prof. Dr. Gerald Schmola, führte Referent Prof. Dr. Florian Adamsky in die komplexen Abhängigkeiten moderner IT-Infrastrukturen ein – und regte zugleich zum kritischen Nachdenken an.

Prof. Dr. Florian Adamsky sprach vor rund 70 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Café “Zur Auszeit”; Bild: Hochschule Hof;

Ausgangspunkt seines Vortrags war eine eindrückliche Zahl: Rund 96 Prozent aller Behörden arbeiten mit Softwarelösungen von Microsoft.

„Wir haben es mit einer strukturellen Einseitigkeit zu tun, die nicht nur technisch, sondern auch geopolitisch riskant ist.“

Prof. Dr. Florian Adamsky

Gerade vor dem Hintergrund internationaler Spannungen könne diese Abhängigkeit schnell zum Problem werden – etwa durch Sanktionen, Zölle oder regulatorische Eingriffe. Beispiele wie Einschränkungen beim Internationalen Strafgerichtshof oder Preissteigerungen bei Forschungseinrichtungen wie CERN verdeutlichten diese Risiken.

Auch rechtliche Aspekte spielten eine Rolle: Der US-amerikanische CLOUD Act könne im Zweifel den Zugriff auf europäische Daten ermöglichen. Frühere Abkommen wie Safe Harbor hätten gezeigt, wie fragil internationale Datenschutzregelungen sein können. Gleichzeitig wachse die Bedrohung durch Cyberangriffe – insbesondere durch standardisierte Angriffe auf weit verbreitete Systeme. „Je homogener unsere IT-Landschaft ist, desto attraktiver wird sie für Angreifer“, so Professor Adamsky. Man solle insbesondere in den Browserzeilen auf die richtige Schreibweise der Anbieter achten: so könne schon ein einziger (falscher) Punkt in eine Fishing-Attacke führen und unbemerkt Geld vom Konto abbuchen.

Neben der Problemanalyse zeigte der Referent auch konkrete Handlungsoptionen auf. Open-Source-Alternativen wie LibreOffice, Matrix oder Mattermost seien technisch ausgereift und gut dokumentiert. Auch die Initiative DI.DAY gebe gute Wechselrezepte für den sonntäglichen Ausstieg aus BigTech. Entscheidend sei jedoch eine strategische Vorbereitung: „Digitale Souveränität entsteht nicht im Krisenfall – sie muss vorher geplant werden.“ Beispiele aus der Praxis, etwa der weitgehende Microsoft-Ausstieg in Schleswig-Holstein, zeigten, dass Veränderungen möglich sind.

In der anschließenden Diskussion im Café zur Auszeit wurden auch Fragen aus dem Publikum aufgegriffen, etwa zur Rolle von Künstlicher Intelligenz oder zur Verantwortung öffentlicher Institutionen als Vorbilder. Einigkeit bestand darin, dass digitale Unabhängigkeit nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung ist.

Die nächste Stadtvorlesung findet am 10. Juni 2026 ebenfalls im Café zur Auszeit statt. Die Veranstaltung „Wissen, Denken, Reden“ mit Prof. Carsten Stark ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits fast ausgebucht, es gibt nur noch wenige Plätze >> zur Anmeldung

Anne-Christine Habbel
Veröffentlichung: 30.04.2026

Weitere Themen