Im Mitwitzer Wasserschloss wurde unlängst eine zentrale Kooperationsvereinbarung zur Gründung des „Kompetenzcenter Pflege“ im Landkreis Kronach unterzeichnet. Kanzlerin Ute Coenen zeichnete als Vertreterin der Hochschule die Vereinbarung mit, welche die Hochschule Hof als festen Partner im Projekt verankert.

„Wir freuen uns sehr, als Hochschule Hof künftig aktiv in diesem landkreisweiten Versorgungsnetz mitzuwirken“, erklärte Ute Coenen.
Die Kooperation ist Ausdruck unseres Engagements: Wir bringen unsere Forschungskompetenz und unsere Vernetzung ein, um die Pflegeversorgung vor Ort nachhaltig zu stärken. Dies ist ein zukunftsweisendes Projekt, das Forschung und Praxis gleichermaßen verknüpft.“
Ute Coenen, Hochschulkanzlerin
Fünf Module als Grundpfeiler
Die Hochschule Hof ist damit einer von mehreren Partnern des Kompetenzcenters Pflege, das bereits ab Mitte 2026 seine Arbeit aufnehmen soll. Ziel ist ein trägerübergreifendes Netzwerk auf Basis fünf zentraler Module:
- eine Beratungs- und Koordinierungsstelle,
- eine digitale Plattform,
- dezentrale Pflegelotsen,
- Wohnraumberatung mit modernen Pflegetechnologien,
- sowie gezielte Fachkräftesicherung und Qualifizierung.
Nicole Laurinat als Konzeptleiterin im Landratsamt Kronach erläuterte die Grundsätze und Ziele der Kooperationsvereinbarung: Die Orientierung an den Lebenswelten älterer Menschen bzw. Pflegebedürftiger, die Vernetzung aller Akteure, eine ganzheitliche Sichtweise, digitale und innovative Ansätze sowie eine kontinuierliche Evaluation und Weiterentwicklung liegen dem Projekt demnach als wesentliche Punkte zugrunde. Als Ziele formulierte Nicole Laurinat die konsequente Nutzung des Prinzips „ambulant vor stationär“, den Abbau regionaler Unterschiede in der Versorgung, die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften, die Transparenz über Bedarfe und Angebote, zukunftsfähige und wirtschaftliche Pflege- und Unterstützungsstrukturen sowie die Autonomie und gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen beziehungsweise Pflegebedürftiger.
„Dafür legen wir heute mit unserer Unterschrift das Fundament. Wenn wir die Genehmigung unseres Förderantrags haben, beginnt die Arbeit – und ich bin sicher: Wir werden sie mit derselben Energie, demselben Zusammenhalt und derselben Überzeugung angehen, mit der wir dieses Konzept entwickelt haben“, unterstrich Landrat Klaus Löffler, dessen Dank sich an alle Beteiligten richtete. Gleichzeitig signalisierte er, dass die Tür für weitere potenzielle Partner offen sei.
Rolle der Hochschule
Als wissenschaftlicher Partner wird die Hochschule Hof insbesondere die Begleitung, Evaluierung und Entwicklung digitaler sowie innovativer Modelle im Pflegebereich übernehmen – zum Nutzen von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Versorgern. Die dabei verantwortliche Forschungsgruppe Innovative Gesundheitsversorgung sowie Hochschulvizepräsident Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff und Prof. Dr. Matthias Drossel, Professor für angewandte Gesundheitsversorgung, hatten die nun geschlossene Vereinbarung auch vorbereitet.

Stimmen aus der Politik
Kronachs Landrat Klaus Löffler nannte bei der Unterzeichnung das Projekt „ein starkes Bündnis aller Partnerinnen und Partner“ und betonte, dass das Kompetenzcenter Pflege ein Novum weit über den Landkreis hinaus darstelle. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach würdigte das Projekt als beispielhaft:
Das ‚Kompetenzcenter Pflege‘ in Kronach ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür, wie ein Landkreis die Gestaltung der Pflege vor Ort aktiv angeht. Im Rahmen unserer Förderrichtlinie ‚GutePflegeFöR‘ sind bereits zahlreiche Förderanträge für Pflegeinitiativen eingegangen, allerdings enthielt bislang kein Antrag ein vergleichbares landkreisweit gedachtes Versorgungskonzept.“
Judith Gerlach, Gesundheits- und Pflegeministerin Bayern
Mit dem neuen Kompetenzcenter entstehe ein einzigartiges trägerübergreifendes Netzwerk, das verschiedene kommunale und pflegerische Akteure zusammenbringt, so Gerlach. Besonders begrüße sie, dass auch Themen wie die Digitalisierung der Pflege und die Fachkräftesicherung im Rahmen des ‚Kompetenzcenters Pflege‘ mitgedacht und vorangetrieben würden – die gewonnen Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung sollen demnach auch als Blaupause für weitere Landkreise zur Verfügung stehen.
Hintergrund: Demographischer Wandel in der Region
Der Landkreis Kronach zählt zu den am stärksten vom demografischen Wandel betroffenen Regionen Bayerns – mit 77 von 1.000 Einwohnern, die pflegebedürftig sind (Pflegestatistik 2023). Damit liegt der Pflegebedarf weit über dem bayerischen Durchschnitt. Zugleich ist der Fachkräftemangel zunehmend spürbar; Angehörige fühlen sich häufig überfordert oder allein gelassen. Das Kompetenzcenter Pflege zielt auf eine koordinierte, dezentrale Versorgung, ambulante Vorsorge und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Menschen im Landkreis ab.
Momentane Kooperationspartner
- Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis Kronach
- Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Kronach
- Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Kronach
- Caritasverband Landkreis Kronach
- Diakonisches Werk der Dekanatsbezirke Kronach-Ludwigsstadt/Michelau
- Pflegedienst Foidl
- Helios-Frankenwaldklinik
- AOK Bayern
- Bundesagentur für Arbeit
- Hochschule Hof



