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„Digitale Souveränität ist kein Luxus, sondern Risikomanagement“

Das IT-Forum Oberfranken hat sich über Jahre als zentrale Plattform für Austausch zwischen Wirtschaft, IT-Praxis und Forschung etabliert. 2026 rückt die Veranstaltung ein Thema in den Fokus, das angesichts geopolitischer Entwicklungen, Cloud-Abhängigkeiten und KI-Dynamiken zunehmend an Bedeutung gewinnt: digitale Souveränität. Im Interview spricht Prof. Dr. René Peinl, Leiter des Instituts für Informationssysteme der Hochschule Hof (iisys) und Organisator des IT-Forums Oberfranken, über Ziele, Programmschwerpunkte und darüber, warum gerade Unternehmen jetzt umdenken sollten.

Quelle: Hochschule Hof;

Herr Prof. Dr. Peinl, was ist das übergeordnete Ziel des IT-Forums Oberfranken 2026 – und was macht die Veranstaltung seit Jahren erfolgreich?

„Unser Ziel ist es, Anbieter von IT-Produkten und -Dienstleistungen mit Nachfragern zusammenzubringen und gleichzeitig die akademische Forschung stärker mit der Industrie zu vernetzen. Der Erfolg des IT-Forums liegt aus meiner Sicht in der ausgewogenen Mischung: Wir greifen hochaktuelle Themen auf, setzen aber bewusst auch Impulse für absehbare zukünftige Entwicklungen.“

Wie ist der aktuelle Stand der Organisation für die kommende Veranstaltung?

„Das Programm und der Termin stehen bereits fest. Wir konnten erneut hochkarätige Keynote-Speaker gewinnen (“campuls-digital” berichtete). Auch in den parallelen Panels werden neben herausragenden Persönlichkeiten aus der Region einige überregionale Fachexperten vertreten sein.“

Warum wurde für 2026 das Leitthema „Digitale Souveränität – Daten und IT unter Kontrolle?“ gewählt, und welche Bedeutung hat es für die Region?

„Das Thema beschäftigt uns am iisys schon sehr lange. Ich selbst bin seit 2011 Mitglied der Open Source Business Alliance, die sich genau diesem Thema verschrieben hat. Lange Zeit wurde digitale Souveränität allerdings eher als Hobby von ein paar „Spinnern“ abgetan – um es mal deutlich zu sagen.

Trotz Datenschutzskandalen und erfolgreicher Klagen hielt sich hartnäckig die Haltung, dass US-Hyperscaler wie Microsoft oder Google alternativlos seien. Spätestens seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und insbesondere seit Trumps zweiter Amtszeit hat sich die Wahrnehmung jedoch deutlich verändert. Souveränität – auch digitale – wird nun breiter gesellschaftlich diskutiert. Mit dem IT-Forum wollen wir Entscheider wachrütteln und zeigen: Es gibt Alternativen, und einige Unternehmen setzen diese bereits erfolgreich um.“

Welche Zielgruppen möchten Sie mit dem IT-Forum erreichen und welchen konkreten Nutzen sollen die Teilnehmenden daraus ziehen?

„Das IT-FORUM spricht die folgenden Zielgruppen an: Entscheider und Geschäftsführungen aus den Unternehmen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Kammern IHK und HWK, IT-Leitungen und IT-Dienstleister sowie allgemein Interessierte. Der Mehrwert entsteht durch den Austausch untereinander, aber auch durch die Impulse aus Keynotes und Fachpanels. Die Teilnehmenden sollen sowohl direkt umsetzbares Wissen mitnehmen als auch Denkanstöße erhalten, um strategische Entscheidungen frühzeitig richtig treffen zu können.“

Prof. Dr. René Peinl; Bild: Hochschule Hof;

Können Sie einen Ausblick auf die inhaltlichen Schwerpunkte geben, die für Unternehmen besonders relevant sind?

„Unter dem Dach der digitalen Souveränität beschäftigen wir uns mit Open Source als Fundament, souveränen Cloud-Lösungen, KI und Robotik sowie mit Datenstrategien für Unternehmen.

Damit decken wir ein breites Spektrum ab: von Softwareeinsatz und Cloud-Outsourcing über Hardware – insbesondere für KI – bis hin zu Künstlicher Intelligenz selbst. KI hat trotz des aktuellen Hypes das größte Transformationspotenzial, kann uns aber auch weiter in Abhängigkeiten führen. Ohne Daten keine KI – deshalb legen wir einen starken Fokus auf Datenmanagement als Grundlage für rationale Entscheidungen und eigene KI-Entwicklungen.“

Inwiefern bietet das IT-Forum Raum für Austausch, Networking und praxisnahe Lösungsansätze?

„Wir haben mehrere längere Pausen eingeplant und bieten sowohl vor als auch nach dem offiziellen Programm ausreichend Raum für direkten Austausch und Gespräche. Networking ist ein zentraler Bestandteil des Forums.“

Welche Erwartungen haben Sie an die zukünftige Entwicklung des IT-Standorts Oberfranken?

„Oberfranken ist nicht als klassische IT-Hochburg bekannt. Mit dem IT-Forum wollen wir aber immer wieder zeigen, dass es hier sehr wohl leistungsfähige und innovative Anbieter gibt. Im Kontext digitaler Souveränität gewinnt das nochmals an Bedeutung.

Wenn Unternehmen stärker zusammenarbeiten und nicht aus Gewohnheit ihr Budget in Lizenzen und Cloud-Gebühren der US-Hyperscaler investieren, hätte das enorme positive Effekte für die Region. Natürlich ist der Weg zu mehr digitaler Souveränität nicht schmerzfrei. Aber allein aus Gründen des Risikomanagements ist er notwendig – und hat nichts mit Ideologie zu tun, auch wenn das gerne behauptet wird.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Rainer Krauß

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