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Informatik neu gedacht: Hochschule Hof modernisiert Ausbildung mit KI, Praxissemester & digitaler Transformation

In einem Gastbeitrag „Universitäten bitte aufwachen: Fachkräftemangel – Warum Informatik-Absolventen trotzdem keinen Job finden” in der FAZ vom 27. August 2025 stellt Prof. Dr. Patrick Glauner fest, dass viele Absolventinnen und Absolventen von Universitäten, trotz Fachkräftemangels Schwierigkeiten beim Berufseinstieg haben – und das nicht etwa wegen der wirtschaftlichen Lage, sondern weil viele Studiengänge den rasanten Wandel in Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit nicht abbilden würden. Er fordert, dass Universitäten ihre Curricula regelmäßig modernisieren, den Praxisbezug verstärken und Themen wie KI, Cybersecurity und digitale Transformation in den Kern der Ausbildung aufnehmen. Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) sieht Prof. Glauner diesbezüglich besser aufgestellt. So sind seine Forderungen an der Hochschule Hof bereits umgesetzt und gelebter Standard. Wir haben dazu mit Prof. Dr. Andrej Bachmann, Dekan der Fakultät für Informatik, gesprochen, um mehr über die Veränderungen der Informatik-Lehre zu erfahren.

Eine Informatiklehre am Puls der Zeit ist der Anspruch der Hochschule Hof; Bild: Adobestock.com

Herr Prof. Bachmann, Prof. Glauner betont, dass viele Zukunftsthemen in Informatikstudiengängen oft nur eine Nebenrolle spielen. Wie hat die Hochschule Hof ihr Informatik-Curriculum überarbeitet, um hier am Puls der Zeit zu bleiben und diese zentral zu integrieren?

„Selbstverständlich achten wir darauf, dass unsere Studiengänge aktuell bleiben. Das beginnt bereits bei den einzelnen Modulen. Aus der eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass zum Beispiel im Bereich der Web-Technologien die Entwicklung so rasant ist, dass ich regelmäßig meine Vorlesungsunterlagen aktualisiere. Auf der Ebene der Studiengänge ist es wichtig, einen guten Kompromiss zwischen der Aktualisierung und den stabilen Studienbedingungen zu schaffen. So wurden alle unsere Informatik-Bachelorstudiengänge im Jahr 2021 umfassend überarbeitet und im Jahr 2024 punktuell aktualisiert.

Bereits vor dem KI-Boom – ausgelöst durch die Veröffentlichung von ChatGPT in der Version 3.5 – haben wir verpflichtende KI-Module in alle unsere Studiengänge aufgenommen, sodass es keine Rolle spielt, ob man an der Hochschule Hof Informatik, Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik oder Mobile-App-Entwicklung studiert.“

Alle Studierenden lernen, wie KI-Systeme funktionieren und in welchen Szenarien, welches System sinnvoll eingesetzt werden kann. Ergänzend dazu halten wir es auch für wichtig, dass alle Informatik-Absolventen nicht nur in der Lage sind KI einzusetzen, sondern auch über die gesellschaftlichen und sicherheitsrelevanten Aspekte aufgeklärt sind. Deswegen gehören Digitalethik- und IT-Sicherheit-Vorlesungen zu dem Curriculum jedes Informatik-Bachelorstudiengangs an der Hochschule Hof.“

Prof. Dr.. Andrej Bachmann

Laut dem Artikel sind insbesondere Hochschulen für angewandte Wissenschaften gefragt, da sie durch verpflichtende Praxissemester und Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen echten Praxisbezug bieten. In welcher Form werden in Hof praxisnahe Projekte, Praxissemester oder Abschlussarbeiten gefördert?

„An der Hochschule Hof ist Praxis seit der Gründung Programm. Wir waren Vorreiter beim dualen Studium und alle Bachelor-Studierenden absolvieren ein verpflichtendes Praxissemester und schreiben dabei ihre Abschlussarbeiten im Unternehmen. Hinzu kommen individuelle Projekte, die wir regelmäßig in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen gestalten.

Die Vernetzung mit der Wirtschaft fördern wir über Kooperationsmessen, Gastvorträge und Unternehmensprojekte, zu denen wir Unternehmerinnen und Unternehmer aktiv an den Campus holen. So fließen aktuelle Praxiserfahrungen direkt in die Lehre ein.

Unser größter Unterschied zu Universitäten: Jeder Professor muss vor der Berufung mindestens fünf Jahre Praxiserfahrung nachweisen. Damit garantieren wir, dass unsere Studierenden nicht nur Theorie, sondern vor allem Praxis pur erleben – von regionalen Mittelständlern bis hin zu internationalen Konzernen.“

Der Beitrag mahnt zudem an, dass Hochschullehrende aufgrund der technischen Entwicklungen regelmäßig ihre Lehrinhalte fortbilden sollten. Ist das an der Hochschule Hof ebenso gegeben?

„Ja – an der Hochschule Hof existiert ein vielfältiges und aktives Angebot zur kontinuierlichen Fortbildung von Lehrinhalten und Methoden. Institutionell wird dies unter anderem durch bayerische hochschuldidaktische Einrichtungen wie das DiZ sowie durch interne Programme wie Go2Hof4ever unterstützt. Fachlich profitieren wir von internationalen Austauschformaten wie der International Teaching Week, bei der alle zwei Jahre Lehrende aus mehr als zehn Ländern nach Hof kommen und mit Workshops und Vorlesungen wertvolle fachliche wie didaktische Impulse geben. Zudem erweitern digitale Angebote der Virtuellen Hochschule Bayern, moderne e-Learning-Plattformen und technologiegestützte Lehrtools die Möglichkeiten, unsere Inhalte aktuell und praxisgerecht zu gestalten. Insgesamt verstehen wir die kontinuierliche Weiterentwicklung der Lehre als selbstverständlichen Teil unserer Hochschulkultur.“

Prof. Dr. Andrej Bachmann, Dekan der Fakultät Informatik an der Hochschule Hof;
Bild: Hochschule Hof;

Wie nutzen Sie KI-Technologien im Unterricht oder bei Prüfungen – etwa zur Automatisierung, Ergänzung oder neuen Lernformen?

„Sowohl in der Lehre aber auch für die Prozesse in der Verwaltung stehen hochschulinterne KI-Tools Lisa und Luis zur Verfügung, die auf den etablierten Open-Source-Sprachmodellen aufbauen. Die Nutzung ist kostenlos und die Nutzer behalten die Kontrolle über ihre eigenen Daten und Anfragen. Wir motivieren alle Studierenden unserer Hochschule dazu, diese Tools im Rahmen der geeigneten Lehrveranstaltungen, zum Nacharbeiten des Vorlesungsstoffes und zur Prüfungsvorbereitung zu nutzen. In der Informatik gehen wir noch einen Schritt weiter und bringen unseren Studierenden in den weiterführenden Vorlesungen bei, diese KI-Tools als ein Teil des Lösungsansatzes in ihre Implementierung zu integrieren.“

Die FAZ zitiert Strategien, um den Fachkräftemangel durch Bildungspolitik, Quereinstieg, Zuwanderung oder Einbezug älterer Arbeitskräfte zu lindern. Wie positioniert man sich hier: Gibt es spezielle Angebote für Quereinsteiger oder berufsbegleitende Studiengänge?

„Bei den berufsbegleitenden Studiengängen spezialisieren wir uns auf den Bereich der öffentlichen Verwaltung und arbeiten Hand in Hand mit der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HfÖD) zusammen, um Verwaltungsinformatiker für die bayerische Verwaltung auszubilden und so dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken. Auch im Bereich der Internationalisierung bleiben wir nicht untätig und bieten einen einzigartigen Studiengang Computer Science an, bei dem internationale Studierende ihr Studium auf Englisch starten und gleichzeitig intensiv Deutsch lernen, so dass sie ab dem dritten Semester bereits in der Lage sind, die ersten deutschsprachigen Vorlesungen zu besuchen. Diese Studierenden lernen in gemeinsamen Gruppen mit den Studierenden der deutschsprachigen Bachelorstudiengänge, was sie optimal für den lokalen, mittelständisch geprägten Arbeitsmarkt qualifiziert.“        

Kernfeststellung Glauners ist ja, dass Absolventinnen und Absolventen trotz hoher Fachkräftelücke Schwierigkeiten haben, Jobs zu finden. Mit welchen Strategien unterstützt die Hochschule Hof die Berufseinstiegsfähigkeit ihrer Informatikstudierenden?     

„Eine der wichtigsten Maßnahmen liegt in dem Aufbau unserer Informatik-Studiengänge im Bachelor-Bereich. Dabei spielt die zeitliche Einordnung des verpflichtenden Praxissemesters eine wichtige Rolle. Wir haben uns dafür entschieden, das Praxissemester an das Ende des Studiums zu legen. Unsere Studierenden sind somit deutlich „reifer“, wenn sie sich zum ersten Mal bewerben, um eine Praxis- und/oder eine Bachelorarbeit-Stelle zu bekommen. Sie bringen den kompletten theoretischen Hintergrund des Studiums und praktische Erfahrung aus den weiterführenden Vorlesungen mit. Das hilft den Studierenden bereits im Bewerbungsgespräch zu punkten und sich schneller in die jeweilige Aufgabenstellung einzuarbeiten. Ich bin oft beeindruckt von der Komplexität der Aufgabenstellungen, welche unseren Studierenden während der Praxisphase seitens der Unternehmen anvertraut werden und erfolgreich bearbeitet werden.“

Die FAZ mahnt die regelmäßige Überprüfung und Modernisierung der Studiengänge an. Wie plant die Hochschule Hof, in den kommenden Jahren die Informatikstudiengänge weiterzuentwickeln – etwa in Bezug auf neue Technologien oder gesellschaftliche Anforderungen?

„Zunächst möchte ich hervorheben, dass wir an der Hochschule fakultätsübergreifend etablierte Prozesse zur Überprüfung der Studiengänge haben, deren Durchführung seitens unserer Qualitätsmanagementabteilung begleitet wird. In der Informatik haben wir im Rahmen des Modernisierungsprozesses eine jährlich stattfindende, zweitägige Klausurtagung etabliert, an der sich alle Mitglieder der Fakultät beteiligen und wir so die aktuellen Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven betrachten können. Die kommende Klausurtagung findet Ende September 2025 statt und wir werden konkret diskutieren, wie der Masterstudiengang Informatik überarbeitet werden kann, indem er inhaltlich besser an die bereits aktualisierten Bachelor-Studiengänge angepasst und um eine Teilzeit-Komponente ergänzt wird. Das soll Studieninteressenten in verschiedenen Lebenssituationen einen Master-Abschluss ermöglichen.“

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.  

Rainer Krauß

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