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Honigernte auf dem Campus: Fleißig wie die kleinen Bienen – der Kurs “Praktische Imkerei”

Die Prüfungszeit ist gewissermaßen für Studierende die Zeit der Ernte. Dasselbe gilt auch ganz praktisch und greifbar für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses „Praktische Imkerei“, der seit 2019 auf dem Campus der Hochschule unter anderem als Beitrag zum Naturschutz angeboten wird: Im Juli wurden dort die ersten Waben abgedeckelt und geschleudert. Kursleiter Prof. Dr. Jürgen Heym verrät mehr über die Arbeit mit den emsigen Tierchen.

Das erste Honigglas für den Präsidenten: Die Kursteilnehmer präsentieren die Ergebnisse ihrer Arbeit;
v.l. Kursleiter Prof. Dr. Jürgen Heym, Marc Ruddigkeit, Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann, Laura Kleist, Jonas Sticht, Anna-Lena Seit (auf dem Bild fehlen: Agnes Schwab, Rebecca Milautzcki und Konrad Birch-Hirschfeld); Quelle: Hochschule Hof;

Lieber Herr Prof. Heym, wie viele Studierende haben sich denn diesmal an Ihrem Angebot beteiligt?

Wir hatten 8 regelmäßige Teilnehmerinnen und Teilnehmer – je zur Hälfte Studentinnen und Studenten. Bei der „Praktischen Imkerei“ handelt es sich um ein freiwilliges Modul, das alle Studierenden belegen können und für das sie auch ECTS Credits bekommen. Darüber hinaus ist die Arbeit mit den Bienen natürlich eine tolle Abwechslung zum normalen Hochschul-Alltag. 

Und wie viel Honig ist entstanden?

Wir haben bisher zirka 50 kg geerntet. Wir rechnen aber noch mit weiteren 20 Kilo bis Anfang August. Das ist eine gute Ausbeute.

So sieht er aus: Der auf dem Campus gewonnene Honig; Bild: Hochschule Hof;

Alle Angebote standen natürlich unter dem Einfluss der Pandemie. Wie schwierig war es in diesem Semester in Präsenz zu Imkern?

Aufgrund der guten Wetterlage konnten nahezu alle Unterrichtseinheiten in unserem Freiland-Bienenlabor durchgeführt werden. Die Abstands- und Hygieneregeln konnten damit auf sehr einfache Weise eingehalten werden. Auch eine frühzeitige Impfung aller Beteiligten und stetiges Testen waren natürlich die Grundvoraussetzung zur Eindämmung der Gefahren im Laborbetrieb.

Kann eigentlich jeder imkern? Worauf sollte man achten?

Eigentlich kann wirklich jeder Imkern erlernen. Die hierzu notwendig Ruhe stellt sich von selbst beim Arbeiten mit Bienen ein. Für das Fachwissen sorgen die erfahrenen Imkerfreunde aus der Hochschule oder im Verein. Mit einer Imkerpatin oder einem Imkerpaten wird alles nochmals einfacher.

Die Bedeutung der Bienen für die Natur und den Menschen ist enorm. Ein einziges Bienenvolk kann an einem Tag bis zu zehn Millionen Blüten aufsuchen. Bild: pixabay;

Warum bieten wir den Kurs als Hochschule an?

Die Gründe für Bienen und Kursangebote aus dem Umfeld der Bienen an der Hochschule sind vielfältig: Zunächst sind Bienen für unser Leben unersetzlich. Als Bestäuber sind die Bienen für uns alle im Einsatz. Die Bestäubungsleistung macht die Bienen zum drittwichtigsten “Nutztier” in Deutschland. Weiterhin haben im Allgemeinen unsere Studierenden –  im Speziellen die im Studiengang Umweltingenieurwesen – von Natur aus eine positive Grundhaltung dem Bienenschutz gegenüber. Hier spiegeln sich auch die Zahlenverhältnisse des Volksbegehrens “Rettet die Bienen” wieder. Es gab damals 1,8 Millionen Unterstützerinnen und Unterstützer, was zirka 14% der bayerischen Bevölkerung ausmacht. Bei der ersten Umfrage zu Semesterbeginn hatten wir 78 Interessenten für den Kurs “Praktische Imkerei”.

Wie geht es denn weiter, was planen Sie für die Zukunft?

Zunächst werden schon regelmäßig Semesterarbeiten und Abschlussarbeiten im Umfeld des Bienenlabors durchgeführt. Es wurden verschiedene Messeinrichtungen zum Zählen von Bienen, Protokollierung der Mobilfunkstrahlung, des Erdmagnetfeldes und Temperaturmessung in Betrieb genommen und getestet. Diese Projekte werden natürlich weiterentwickelt.

Außerdem zeichnen wir seit Beginn des Projektes 2019 die Betriebsdaten der Bienenstöcke auf. Das sind das Stockgewicht, der Ertrag und Wetterdaten im 5-Minuten-Intervall. Daran kann man zum Beispiel die Bruttätigkeit oder die Schwarmlust des Bienenvolkes ablesen. Oder schlicht, ob die Bienen den Winter überlebt haben.

Die Auswertung dieser großen Datenmengen in Form von Zeitreihenanalysen im Bereich der NoSQL-Datenbanken fließt in den Vorlesungsbetrieb ein – Data Science & BigData lassen grüßen.

Ohne Bienen fände keine Übertragung von Blütenpollen zwischen weiblichen und männlichen Pflanzen statt, also auch keine Vermehrung. Die Mehrheit aller Pflanzen ist aber auf diese Art von Fremdbestäubung angewiesen, vor allem unter den Nutzpflanzen. Bild: pixabay;

Mit mehreren Studierenden nehmen wir als Hochschulprojekt zusammen mit der Stadt Hof am Wildbienen-Monitoring des Instituts für Bienenschutz des Julius Kühn-Instituts in Braunschweig teil. Die ersten Monitoringtermine haben wir schon im Mai und Juni durchgeführt. Für August steht ein weiterer an. Die Datenauswertung ist für den Herbst vorgesehen. Man wird sehen, was diese Bestandsaufnahme ausweist. Für das nächste Jahr stehen dann weitere Datenerhebungen an, welche die Veränderungen nach Ausführung von Maßnahmen durch das Grünflächenamt der Stadt Hof dokumentieren sollen.

Zusätzlich sind für September drei Eintageskurse für Schülerprojekte zum Thema Wildbienen eingeplant. Man wird sehen, was uns die Pandemie an Möglichkeiten lässt, Gäste an die Hochschule zu holen. Schließlich haben wir im Winter auch wieder die Vorlesung “Bienenkunde” im Angebot. Eine Anmeldung ist hierzu nicht erforderlich.

Danke für das Gespräch!

Rainer Krauß
Carolin Richter

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