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Frauen erobern Männerdomänen: Am Girls’ Day begann eine dauerhafte Faszination….

Gerade technische Studiengänge gelten immer noch als Männerdomäne. Die Geschichte der 21jährigen Maschinenbaustudentin Emma Löhner zeigt aber, warum Vorbehalte und Bedenken fehl am Platz sind und warum gerade Frauen Vertrauen in ihr technisches Interesse und in ihre Talente haben sollten.

Emma Löhner bei der Arbeit A. W. Faber-Castell Cosmetic GmbH; Bild: privat;

Frau Löhner, wann haben Sie als Kind und junges Mädchen gemerkt, dass Sie ein Faible für Dinge hatten, die traditionell eher Männer begeistern?

Ich habe schon früh gemerkt, dass mich technische Dinge sehr faszinieren, weshalb ich schon in jungen Jahren viel an Haus und Hof in Geroldsgrün (Landkreis Hof) mitgearbeitet habe. Mein Papa hat mir dabei viel erklärt und beigebracht. Besondere Begeisterung entwickelte ich als kleines Kind für den Akkuschrauber. Auch die wissenschaftlichen Schulfächer wie Mathe, Physik und Technologie machten mir immer sehr viel Spaß.

…und die Familie hat das unterstützt….

Absolut, zumal ich als Einzelkind auch immer die Rolle eines Sohnes mit übernehme. Meine Eltern haben mich mein ganzes Leben lang bei meinen Entscheidungen unterstützt und auch immer gesagt, dass ich machen soll, was mir Spaß macht und nicht, was andere von mir erwarten. Das hat mir sehr geholfen und ich bin ihnen dafür sehr dankbar.

Wie wurden Sie auf den Girls Day an der Hochschule Hof erstmals aufmerksam?

Ehrlich gesagt, kann ich das gar nicht mehr wirklich sagen, aber so wie ich meine Mama kenne, hat sie das in der Zeitung gelesen und mich gefragt, ob ich darauf Lust hätte. Natürlich war ich sofort begeistert als ich gehört habe, worum es dabei geht – Mädchen und Technik – also genau passend für mich.

Eigentlich aber waren Sie für eine Teilnahme aber zu jung…wie hat es trotzdem geklappt?

Nachdem ich zu dem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt und der Girlsday für alle Mädchen ab 12 war, hatten wir zuerst die Befürchtung, dass ich noch nicht daran teilnehmen darf. Doch dies einfach zu akzeptieren und die Teilnahme auf das nächste Jahr zu schieben war keine Option für uns. So kontaktierte meine Mum Gabriele Eiber von der Hochschule Hof, um mit ihr zu klären, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, dass ich daran teilnehmen kann. Letztendlich war es kein Problem und ich war überglücklich.

Die Einblicke in die technischen Abläufe scheinen jedenfalls Wirkung gehabt zu haben, denn in den Folgejahren nahmen Sie jeweils am Girls Day teil. Wissen Sie noch, was damals angeboten wurde?

Eine Sache, an die ich mich besonders gut erinnere, ist, dass wir Schraubenmännchen schweißen durften. Bereits so jung das Schweißen zu lernen (wenn das Ergebnis auch nicht besonders schön gewesen sein mag), war wirklich toll. Auch andere Stationen wie eine Handyhalterung bauen und einen kleinen Roboter programmieren haben viel Freude und Spaß mit sich gebracht.

Unsere Quellen sagen: Sie wussten zu jedem Zeitpunkt, dass Sie an der Hochschule Hof studieren wollten. Stimmt das und was hatte es Ihnen besonders angetan?

Schon beim ersten Betreten der Hochschule habe ich mich sofort wohl gefühlt. Ich kann nicht sagen warum, aber mir hat es dort sofort gefallen. Auch die Laboringenieure, welche die einzelnen Stationen betreut haben, haben das Wohlfühlen noch einmal verstärkt. Alle waren sehr nett und ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Auch Jahre später hat sich das Gefühl nicht geändert und der Wunsch an der Hochschule Hof zu studieren hat sich immer mehr verstärkt.

Sie sind nun schon eine Weile Studentin an der Hochschule Hof. Warum fiel die Wahl gerade auf Maschinenbau?

Als es 2018 so weit war und ich mich für einen Studiengang entscheiden musste, war noch nicht zu 100% sicher, dass meine Wahl auf Maschinenbau fallen würde. Ich schwankte zwischen Werkstofftechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und eben Maschinenbau. Letzterer hat mich dann dahingehend überzeugt, dass der Studiengang sehr breit gefächert ist und ich danach dann ja zusätzlich noch die Möglichkeit habe, mich in alle möglichen Richtungen zu spezialisieren.

Emma Löhner; Bild: privat;

Was können Sie nach Ihrer bisherigen Zeit in Hof über Ihre Kommilitonen und Dozenten sagen?

Es hat damals nicht lange gedauert, bis ich mich mit vielen meiner Kommilitonen angefreundet habe und ich würde sagen, dass der Kontakt zu ihnen auch sehr wichtig war und ist. Ich spreche von den Zeiten vor Corona wenn ich sage, dass gemeinsames Lernen zwischen den Vorlesungen, gemeinsame Pausen in der Mensa und auch nur mal „dummes Gelaber“ zwischendurch mein Studium zu etwas Besonderem gemacht haben. Klar sollten Vorlesungen, Prüfungen und allgemein das Abschließen des Studiums im Vordergrund stehen, dennoch ist ohne das Vorgenannte meiner Meinung nach ein Studium kein richtiges Studium. Umso mehr tut es mir für die Studenten leid, die dies aufgrund der Pandemie noch nicht wirklich erleben konnten. Letztlich war ich von meinen Kommilitonen bis jetzt wirklich begeistert. Auch die Dozenten geben ihr Bestes, um uns Studenten erfolgreich durch unser Studium zu bekommen und unterstützen, wo sie können.

Was raten Sie jungen Frauen, die vielleicht zögern, sich in Studiengänge einzuschreiben, die früher sehr männlich geprägt waren?

Ich kann hier nur ganz klar sagen: Mach das, was dir Spaß macht und dich interessiert. Lass dich nicht von anderen in eine andere Richtung drängen. Egal, wie schwer das Studium sein mag, wenn es dir liegt, kommst du da mit Erfolg durch. Auch wenn wir Frauen immer noch die Minderheit darstellen, kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass die Männer einen als Frau sehr gut aufnehmen und akzeptieren.

Terminhinweis

Die Hochschule Hof wird sich auch am nächsten Girls’ Day beteiligen. Er findet am 28. April 2022 statt. Nähere Informationen zu den dann angebotenen Workshops und zur Art der Durchführung werden rechtzeitig bekanntgegeben.


Rainer Krauß

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