Tagsüber studiert er an unserer Hochschule, in seiner Freizeit taucht er tief in die Vergangenheit ein: Auf Instagram und TikTok nimmt Morten Weber seine Follower mit auf eine visuelle Reise durch Hof und die Region Oberfranken. Als Hobbyhistoriker verbindet er historische Recherche mit kurzem und kreativem Storytelling – und trifft damit einen Nerv. Leicht konsumierbar finden seine Videos großen Anklang. Doch was steckt hinter seinem Interesse an regionaler Geschichte? Und wie bringt er Studium und Leidenschaft unter einen Hut? Wir haben nachgefragt…

Mit Mikrofon und Kamera; Bild: privat;
Hallo Morten, Du studierst bei uns an der Hochschule Hof – was genau und wie bist du nach Hof gekommen?
“Da muss ich kurz ausholen. Ursprünglich komme ich aus der Region Hannover und habe mich für verschiedene Studiengänge im Medienbereich beworben. Letztendlich fiel die Wahl aber auf Wirtschaftspsychologie. Die Hochschule Hof war in dem Sinne spannend für mich, weil sie zum einen als beste Hochschule ausgezeichnet wurde und Hof weit weg von meinem früheren Zuhause ist. Das bot mir die Chance, mein Leben selbst zu organisieren. Aktuell studiere ich übrigens im vierten Semester.”
Viele zieht es für ein Studium in größere Städte. Was hat dich an Hof und der Region gereizt?
“Ich muss gestehen, dass ich mich anfangs überhaupt nicht mit Hof und Oberfranken beschäftigt habe. Der Umzug war eher eine pragmatische Entscheidung, weil der passende Studiengang hier angeboten wurde. Allerdings entdecke ich nun immer mehr, was diese Region ausmacht und mit welchen Herausforderungen sie auch konfrontiert ist.”
Wie ist dein Interesse für Geschichte entstanden – und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
“Einen klassischen Erweckungsmoment gab es da nicht. Doch was mich an regionaler Geschichte so fasziniert, ist, dass sie sich direkt im Alltag erleben lässt. Wenn ich an einem Gebäude vorbeigehe und weiß, welche Persönlichkeit dort mal gelebt hat, ist das für mich schon eine kleine Bereicherung. Vor allem bietet Geschichte aber auch die Möglichkeit zu sehen, was heute besser oder schlechter läuft – zum Beispiel asphaltierte Flächen, die sich in grüne, lebenswerte Parks gewandelt haben.
Größtenteils ist die Beschäftigung mit regionaler Geschichte für mich noch immer ein Hobby, aber mittlerweile bieten sich durch die Videos auch Chancen, damit Geld zu verdienen.”
Warum hast du dich entschieden, gerade über Hof und Oberfranken Inhalte zu produzieren und wie informierst Du Dich als „Zugezogener“?
“Ich hatte schon seit Längerem Videos über Städte gedreht und auf Social Media geteilt. Dabei ging es vor allem darum, was Städte lebenswert macht und sie prägt. Hof diente mir dabei überwiegend als Drehort. Es gab dann schließlich ein Video, welches recht viel Aufmerksamkeit bekommen hat und über tausend Mal geteilt wurde. Da ging es unter anderem um die Namensherkunft von Hof. Das hat mir gezeigt, dass die Hoferinnen und Hofer mehr über ihre Stadt erfahren wollen.
In letzter Zeit lege ich auch zunehmend den Fokus auf weitere Städte aus Oberfranken – wie zum Beispiel Münchberg. Diese Region hat noch so viel zu erzählen!

Die Videos sind aber nur möglich, weil ich tatkräftige Unterstützung bei der Recherche bekomme. Zum einen helfen mir Bücher und Geschichtstafeln, die Historikerinnen oder Historiker über Hof verfasst haben. Zum anderen gibt es Menschen aus den Stadtverwaltungen und Archiven, die sich sehr gut mit ihrer Region auskennen. Ich bin sehr dankbar, dass ich solche Menschen fragen kann.
Bestimmt habe ich noch die ein oder andere Quelle vergessen.”
Wie gehst du bei der Recherche für deine Beiträge vor? Welche Quellen nutzt du hauptsächlich?
“Als Erstes braucht es einen Ort, über den ich berichten kann. Den finde ich entweder selbst, indem ich mit einer gewissen Neugier durch die Stadt gehe. Oder aber meine Community oder ein Buch machen mich darauf aufmerksam. Wenn ich schließlich ein Thema gefunden habe, versuche ich, im Internet oder durch Literatur mehr dazu herauszufinden. Dabei ist es mir wichtig, dass die Quellen möglichst fundiert sind. Das können Artikel auf offiziellen Stadtportalen sein oder auch Geschichtstafeln, die entweder in der Stadt verstreut stehen oder digitalisiert im Internet zu finden sind. In der Vergangenheit habe ich dabei häufig Infos von den Hofer Geschichtstafeln genutzt. Sie werden vom sogenannten „Langnamenverein“ organisiert und stehen in Hof an den verschiedensten Orten.”
Deine Videos wirken sehr durchdacht: Wie viel Zeit steckt in einem typischen Projekt?
“Die Recherche und das Schreiben meines Skripts sind, denke ich, das Aufwändigste. Ich würde schätzen, dass ich dafür ungefähr zwei Stunden benötige. Je nachdem, wie viele fundierte Infos es zu einem Thema gibt, kann es auch etwas schneller gehen. Das Aufnehmen nimmt dann auch noch einmal eine gute Stunde in Anspruch. Dazu kommt noch die Fahrt zum entsprechenden Ort. Da ist mir besonders wichtig, dass ich möglichst umweltschonend mit Fahrrad oder Bahn unterwegs bin.
Oh, und das Schneiden des Videos. Vielleicht sind es insgesamt etwa vier bis fünf Stunden.”
Gab es eine Geschichte oder ein Thema, das dich bei deinen Recherchen besonders überrascht oder bewegt hat?
“Besonders interessant finde ich noch immer die Rolle Hofs zur Zeit der Grenzöffnung um 1989. Damals kamen innerhalb von drei Tagen mehr als hunderttausend Menschen in die Stadt. Das muss man sich mal vorstellen! Überraschend fand ich auch den Fun Fact, dass Thomas Gottschalk in der Freiheitshalle sein allererstes Mal „Wetten, dass..?“ moderierte. Und dann gibt es noch Orte, die Hoffnung machen, weil sie sich positiv entwickelt haben. In Bayreuth wird derzeit zum Beispiel eine zuvor landwirtschaftlich genutzte Fläche durch Bäume, aber auch durch Eidechsenbiotope, zu neuem Leben erweckt.”
Wie reagieren die Menschen aus der Region auf deine Inhalte? Bekommst du viel Feedback?
“Das Lustigste ist, dass mich mittlerweile immer mehr Menschen auf der Straße erkennen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht auf die Videos angesprochen werde. Das Feedback ist dabei sehr positiv und ich bin dankbar für die vielen lieben Worte. Letztens habe ich ein Video in Münchberg gedreht und ein Kind im Hintergrund hat etwas gerufen wie “Ich kenne den!”. Das war schon amüsant.”
Inwiefern hilft dir dein Studium bei deiner Arbeit – oder ist es eher ein Ausgleich dazu?
“Wenn ich ehrlich bin, ist das Studium derzeit mehr ein Ausgleich. Für das Drehen der Videos brauche ich es nicht unbedingt. Allerdings lernen wir in Wirtschaftspsychologie unter anderem, was fundierte Forschung auszeichnet. Das hilft vor allem dann, wenn es um wissenschaftliche Studien zu Stadtpsychologie und Klimaschutz geht – Themen, mit denen ich mich gerne noch intensiver beschäftigen möchte.”
Was sind deine nächsten Pläne: Bleibt es beim Hobby oder kannst du dir vorstellen, daraus mehr zu machen?
“Ich kann mir gut vorstellen, dass ich durch die Videos ein bisschen etwas neben dem Studium dazuverdienen kann – zum Beispiel durch Kooperationen mit oberfränkischen Städten oder regionalen Unternehmen. Meine Hoffnung ist allerdings, dass ich Beiträge für große Medienhäuser wie den BR produzieren darf und dann als festangestellter oder freier Journalist tätig sein kann.
Das wäre echt wunderbar!”
Vielen Dank und viel Erfolg dabei!