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Hochwasser besser vorhersagen: Deutsch-ukrainischer Workshop bereitet Projekt vor

Eine Hochwasservorhersage nennt meist einen Pegelstand. Der Katastrophenschutz muss aber wissen, welche Orte und Straßen unter Wasser stehen werden. An dieser Lücke arbeitet das Projekt “RiFFER-EU”, das das Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof (inwa) koordiniert. Im September trafen sich die deutschen und ukrainischen Partner zum ersten Workshop in Nordrhein-Westfalen.

Die Workshopgruppe bei HST Systemtechnik in Meschede, unter ihnen Vertreter der ukrainischen Delegation, der Hochschule Hof, der Hochschule Magdeburg-Stendal und von HST. Foto: HST Systemtechnik

Starkregen und Flusshochwasser treten in ganz Europa häufiger auf. Wie verwundbar auch ein gut ausgestattetes Land ist, hat das Hochwasser im Juli 2021 in Westdeutschland gezeigt. Mancherorts gab es keine kurzfristige Vorhersage, anderswo wurde sie im Katastrophenschutz falsch gedeutet.

In der Ukraine hat der Krieg Messstationen beschädigt. Das größere Problem liegt aber woanders. Veraltete Stationen zu erneuern, Vorhersagen zu verbessern und die Katastrophenschutzbehörden daran anzubinden, steht unter Kriegsbedingungen weit hinten auf der Liste, obwohl gerade davon der Schutz der Bevölkerung abhängt. “RiFFER-EU” will das ändern. Die Ergebnisse sollen auch anderen Ländern in Europa nutzen.

Vom Pegelstand zur Frage, was betroffen ist

“RiFFER-EU” steht für „Risikobasierte Hochwasservorhersage für den Katastrophenschutz in Europa“ und läuft von Februar 2026 bis Januar 2028. Künftig soll eine Vorhersage auch zeigen, welche Flächen überflutet werden und ob etwa ein Krankenhaus oder ein Umspannwerk im Überschwemmungsgebiet liegt. Erst mit dieser Information kann eine Einsatzleitung entscheiden, ob sie eine Straße sperrt oder einen Ortsteil räumen lässt.

Zunächst sehen sich die Partner am Beispiele der Ukraine und Deutschland  an, wie die Kette von der Messung bis zum Einsatz heute funktioniert und wo sie reißt. Daraus entsteht ein Konzept, das sich auf andere Regionen übertragen lässt. Am Ende soll ein Antrag für ein europäisches Forschungsprogramm stehen, mit weiteren Ländern und Pilotregionen. Das inwa koordiniert das Vorhaben unter der Leitung von Prof. Günter Müller-Czygan. Dr. Viktoriya Tarasyuk ist Koordinatorin und hält den Kontakt zu den ukrainischen Partnern.

Zu Gast bei LANUK und HST

Gastgeber des Workshops am 21. und 22. September waren das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) und die HST Systemtechnik GmbH & Co. KG in Meschede. Aus der Ukraine kam eine Delegation der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew, des Staatlichen Katastrophenschutzdienstes (SESU) und des Ukrainischen Hydrometeorologischen Instituts (UHMI). Die Wahl der Gastgeber hat einen Grund. Mit LANUK und HST arbeitet das inwa seit Jahren in den Projekten DMeStHyA und NIQKI zusammen. Das LANUK hat zwischen 2021 und 2025 sein Messnetz mit rund 300 Stationen erneuert, das inwa hat diese Arbeit wissenschaftlich begleitet.

Erster Workshoptag: Fachleute des LANUK mit den Gästen aus der Ukraine, Hof und
Magdeburg. Foto: LANUK;

„Was wir in RiFFER-EU am Beispiel der Ukraine untersuchen, betrifft Deutschland genauso wie viele andere Länder in Europa. Mit den ukrainischen Partnern haben wir die Grundidee gefunden – jetzt wollen wir sie mit weiteren Ländern ausbauen. LANUK und HST wissen aus eigener Praxis, wie viel Arbeit in der Modernisierung eines großen Messnetzes steckt und worauf es im Betrieb ankommt. Dass sie dieses Wissen so bereitwillig teilen, hilft uns sehr. Wir kennen uns aus mehreren gemeinsamen Projekten, und das merkt man in der Zusammenarbeit.“

Prof. Günter Müller-Czygan

Am ersten Tag erzählten die Fachleute des LANUK, wie die Modernisierung geplant und umgesetzt wurde und wie die Mitarbeitenden den Umstieg im Betrieb erlebt haben. Ein eigener Vortrag galt der Frage, wie Messdaten übernommen und geprüft werden. Danach ging es nach draußen, zuerst zu einer erneuerten Niederschlagsstation in Greven und dann zur Groß-Lysimeteranlage in Neuenkirchen-St. Arnold. Dort werden seit mehr als 60 Jahren auf drei jeweils 400 m² großen Flächen mit unterschiedlicher Landnutzung die Parameter des Wasserkreislaufs gemessen.

An einer modernisierten Niederschlagsstation des LANUK erklären die Fachleute Aufbau
und Betrieb. Foto: LANUK;

Rundgang an der Groß-Lysimeteranlage in Neuenkirchen-St. Arnold. Foto: LANUK;

Am zweiten Tag zeigte HST in Meschede, mit welcher Technik die Stationen des LANUK arbeiten und wie ihre Daten übertragen werden. Dazu kamen Erfahrungen aus internationalen Projekten.

„Eine Vorhersage ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie beruht. Deshalb war es für uns wertvoll, die Stationen, das Lysimeter und die Technik bei HST mit eigenen Augen zu sehen und direkt mit den Menschen zu sprechen, die damit arbeiten. Online wäre das so nicht möglich gewesen. Die Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern ist für uns ein wichtiger Schritt in Richtung europäischer Forschung.“

Dr. Yurii Nabyvanets, Stellvertretender Direktor für Wissenschaft am UHMI

Partner für die nächste Phase

Viel Neues gab es für beide Seiten: LANUK und HST warten nicht ab, sondern bringen schon jetzt eigene Ideen in das Konzept für das neue europäische Projekt ein. Das inwa bedankt sich bei beiden für die Gastfreundschaft und die gute Organisation. Was in den zwei Tagen besprochen wurde, geht in die Analyse der Vorhersagekette und in den Antrag für die zweite Projektphase ein.

“RiFFER-EU” ist ein Verbundprojekt der Hochschule Hof und der Hochschule Magdeburg-Stendal. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Förderaufruf Bridge2ERA–Ea

Dr. Viktoriya Tarasyuk
Veröffentlichung: 05.10.2026

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