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Wenn Frieden beim Wasser beginnt – Frauen in Kolumbien erzählen über ihren Umweltfrieden

Frieden beginnt nicht erst dort, wo Waffen schweigen. Er entsteht auch dort, wo Menschen gemeinsam dafür sorgen, dass Wasser sauber bleibt, Land bewirtschaftet werden kann und eine Gemeinschaft trotz schwieriger Bedingungen zusammenhält. Zum Internationalen Tag des Friedens am 21. September richtet das Forschungsprojekt FRAU-PAZ den Blick deshalb auf eine besondere Perspektive: auf Frauen, die in der kolumbianischen Region Magdalena Medio tagtäglich die natürlichen und sozialen Grundlagen des Lebens schützen.

Gemeinschaftsgärten des Projekts in Cienega: Hier wird einheimisches Saatgut angebaut und geschützt; Bild: privat;

Unter dem Titel „Wo Frauen das Leben tragen. Umweltfrieden und territoriale Feminismen im Magdalena Medio“ ist eine Publikation entstanden, die Erfahrungen und Perspektiven von Frauen sichtbar macht. Beteiligt war dabei auch das Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof.

Was bedeutet eigentlich “Umweltfrieden”?

Der Begriff Umweltfrieden geht über ein klassisches Verständnis von Frieden hinaus. Gemeint ist ein Zustand, in dem Menschen nicht nur gewaltfrei miteinander leben, sondern auch ihre natürlichen Lebensgrundlagen schützen und Konflikte um Wasser, Land und Ressourcen friedlich lösen. Damit verbindet Umweltfrieden ökologische und gesellschaftliche Fragen: Wo Wasser knapp oder verschmutzt ist, Land zerstört wird oder Menschen den Zugang zu natürlichen Ressourcen verlieren, können soziale Spannungen und Konflikte entstehen. Umgekehrt kann der gemeinsame Schutz von Umwelt und Lebensgrundlagen Gemeinschaften stärken und damit zum Frieden beitragen.

Für die Frauen im Magdalena Medio ist diese Verbindung unmittelbar erfahrbar.

„Wenn wir über Frieden sprechen, dürfen wir nicht nur an das Ende von Gewalt denken. Frieden bedeutet auch, die Bedingungen zu schützen, unter denen Leben überhaupt möglich ist.“

Paola Acosta Carrascal, Projektmitarbeiterin

Ein Territorium ist mehr als ein Stück Land

FRAU-PAZ wurde 2025 und 2026 unter Beteiligung des inwa der Hochschule Hof und gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in Deutschland und Kolumbien durchgeführt. Im Mittelpunkt steht die Organización Femenina Popular (OFP), eine Frauenorganisation, die seit 1972 in der Region Magdalena Medio aktiv ist. Die Publikation nimmt insbesondere Erfahrungen aus Barrancabermeja und Ciénaga del Opón in den Blick. Dabei spielt der Begriff „Territorium“ eine zentrale Rolle. Er bezeichnet nicht lediglich eine geografische Fläche. Für die Menschen vor Ort ist das Territorium Lebensraum, Erinnerungsort und Grundlage familiärer, sozialer und wirtschaftlicher Beziehungen. Wasser und Land sind deshalb nicht einfach Ressourcen, die genutzt werden können. Sie sind Teil des alltäglichen Lebens und eng mit der Frage verbunden, wie eine Gemeinschaft ihre Zukunft gestalten kann.

Ein Teil des Hausmuseums in Barranca, das der Erinnerung an die Menschenrechte der Frauen dient; Bilder: Privat;

Frauen organisieren, schützen und schaffen Perspektiven

Die Publikation verbindet einen konzeptionellen Blick auf Umweltfrieden und territoriale Feminismen mit konkreten Erfahrungen aus dem Alltag. Im Mittelpunkt stehen Frauen und ihre Aktivitäten zum Schutz von Wasser und Boden, ihre Formen gemeinschaftlicher Organisation und ihre Sorge um die Lebensbedingungen vor Ort. Gerade darin liegt eine zentrale Perspektive des Projekts: Friedensarbeit findet nicht ausschließlich in politischen Verhandlungen oder offiziellen Friedensprozessen statt. Sie kann ebenso im Alltag entstehen – wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, ihre Umwelt schützen und sich gemeinsam gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen stellen.

Die Geschichten der Frauen zeigen, dass Umwelt- und Friedensfragen nicht voneinander getrennt werden können. Wer Wasser, Land und Gemeinschaft schützt, leistet zugleich einen Beitrag zu einem friedlicheren Zusammenleben.“

Paola Acosta Carrascal

Eine andere Perspektive auf Frieden

Der Internationale Tag des Friedens am 21. September bietet damit einen Anlass, den Begriff Frieden weiter zu denken. Die Erfahrungen aus dem Magdalena Medio zeigen, dass Frieden nicht allein eine politische Vereinbarung oder die Abwesenheit von Krieg ist. Er hat auch eine ökologische Dimension.

Wo Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben, ihre Lebensgrundlagen bewahren können und gemeinsam Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen, entstehen Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Umweltfrieden beschreibt genau diese Verbindung: Frieden zwischen Menschen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen werden zusammengedacht.

Eine Biogasanlage, die im Haus einer der Frauen der Organisation installiert wurde, um Kochgas zu erzeugen und damit die Verwendung von Brennholz zu ersetzen; Bild: privat;

Die Publikation ist frei zugänglich

Wer mehr über die Erfahrungen der Frauen im Magdalena Medio und die Verbindung von Umwelt, Geschlechtergerechtigkeit und Frieden erfahren möchte, kann die Publikation „Wo Frauen das Leben tragen. Umweltfrieden und territoriale Feminismen im Magdalena Medio“ kostenfrei lesen.

Die Veröffentlichung steht in drei Sprachen zur Verfügung: Deutsch, Englisch und Spanisch.

Paola Acosta Carrascal
Rainer Krauß
Veröffentlichung: 15.09.2026

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