Ein wissenschaftliches Poster muss auf kleiner Fläche leisten, wofür Abschlussarbeiten oft mehr als 100 Seiten benötigen: Es soll Forschung verständlich, prägnant und zugleich ansprechend präsentieren. Dass ihm das gelungen ist, bewies Veit Soffner, Absolvent des Masterstudiengangs Angewandte Psychologie an der Hochschule Hof. Beim 26. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin in München setzte sich sein Poster gegen 30 weitere Beiträge renommierter Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch und wurde von der Fachjury ausgezeichnet.

Ausgangspunkt des Posters von Veit Soffner war seine Masterarbeit über den Einfluss digitaler Medien auf den Umgang Jugendlicher mit Drogenkonsum. Die Jury überzeugte dabei nicht nur die wissenschaftliche Relevanz des bislang wenig erforschten Themas, sondern auch dessen verständliche und professionelle Aufbereitung. Doch wie entsteht eigentlich ein wissenschaftliches Poster, das Aufmerksamkeit weckt und gleichzeitig fachlich überzeugt?
Die wichtigste Botschaft zuerst
Der erste Schritt bestand für Soffner nicht darin, Farben oder Layouts auszuwählen, sondern den Kern seiner Forschung herauszuarbeiten. Schließlich muss ein Poster in wenigen Minuten erfassbar sein. „DIN A0 klingt erstmal nach viel Platz. Aber wenn man bedenkt, dass man über 100 Seiten Arbeit zusammenfassen muss, kommt man schnell ins Schwitzen“, gibt er zu bedenken. Deshalb reduzierte er seine Masterarbeit konsequent auf die wesentlichen Inhalte. Gemeinsam mit seiner Betreuerin Prof. Dr. Viktoria Bachmann entwickelte er eine klare Struktur aus Einleitung, Forschungsfrage, Methodik, Ergebnissen, Diskussion und Fazit. Alles, was nicht unmittelbar zur zentralen Aussage beitrug, wurde gestrichen.
Weniger ist oft mehr
Gerade bei wissenschaftlichen Postern besteht die Versuchung, möglichst viele Informationen unterzubringen. Für Veit Soffner lag genau darin eine der größten Herausforderungen. Statt möglichst viel Text unterzubringen, empfiehlt er, den Mut zum Weglassen zu haben. Die Kernbotschaft müsse jederzeit erkennbar bleiben. Auch gestalterisch setzte er auf Zurückhaltung. Dezente Farben, gut lesbare Schriftgrößen und ausreichend Weißraum sorgten dafür, dass sich die Betrachter schnell orientieren konnten. Wichtige Ergebnisse hob er mit wenigen, aussagekräftigen Diagrammen hervor, die zentral auf dem Poster platziert wurden.
Skizzieren, ausprobieren, verwerfen
Bis das endgültige Layout feststand, verging viel Zeit. Mehrere Entwürfe entstanden und wurden wieder verworfen. Allein im kostenlosen Programm Canva sammelten sich zahlreiche verschiedene Varianten an, bevor das finale Design entstand. Für Soffner gehört dieses Experimentieren zum Entwicklungsprozess dazu:
„Erst mit etwas Abstand erkennt man, welche Elemente harmonieren und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.“
Veit Soffner
Unterstützung erhielt er dabei immer wieder von Prof. Dr. Viktoria Bachmann, die ihm Feedback zu Aufbau und Gestaltung gab. Von ihr kommt auch der Tipp:
„Entwürfe ausdrucken und aus der üblichen 3 m Entfernung betrachten – am Rechner sieht es anders aus als aus der Perspektive stehender Betrachtender.“
Prof. Dr. Viktoria Bachmann

Wissenschaft für alle verständlich machen
Ein gutes Poster richtet sich nicht ausschließlich an Spezialistinnen und Spezialisten. Gerade auf Kongressen treffen Forschende unterschiedlichster Fachrichtungen aufeinander. Deshalb müsse wissenschaftliche Präzision mit einer allgemein verständlichen Sprache verbunden werden. „Meine Faustregel bei solchen Arbeiten ist immer: Erkläre es so, dass es jemand versteht, der von der Materie überhaupt keine Ahnung hat“, erläutert Soffner. Diese Herangehensweise half ihm dabei, komplexe Forschung verständlich zu vermitteln, ohne wissenschaftliche Genauigkeit einzubüßen.
Gestaltung und Inhalt gehören zusammen
Neben der inhaltlichen Qualität spielte auch die visuelle Wirkung eine entscheidende Rolle. Farben, Schriftgrößen und insbesondere die Positionierung einzelner Elemente beeinflussen, wie schnell Leserinnen und Leser die Inhalte erfassen können. Ein Poster müsse den Blick führen und neugierig machen, bevor sich das Publikum überhaupt mit den Details beschäftigt:
„Was bringt einem das schönste Poster der Welt, wenn der Inhalt nur Murks ist. Andersrum kann ich eine Nobelpreis-Forschung präsentieren – nur doof, wenn es sich keiner anschaut, weil es langweilig ist.“
Veit Soffner
Tipps für den eigenen Posterwettbewerb
Aus seinen Erfahrungen leitet er einige Empfehlungen für Studierende ab: „Zunächst sollte die zentrale Botschaft eindeutig definiert werden. Anschließend gilt es, Inhalte konsequent zu reduzieren und in eine klare Struktur zu bringen. Mehrere Skizzen und Layoutvarianten helfen dabei, die optimale Gestaltung zu finden. Ebenso wichtig sind Rückmeldungen von Betreuenden oder Kommilitoninnen und Kommilitonen. Und schließlich lohnt sich der Blick auf bereits erfolgreiche Poster sowie entsprechende Online-Tutorials“, so der erfolgreiche Absolvent abschließend.