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Fachhochschule oder Universität? Eine Studie zu Studienwahl und Berufserfolg

Die deutsche Hochschullandschaft wird von zwei Säulen getragen: staatlichen Universitäten und Fachhochschulen (FHs). Zusammen zählen sie rund 2,8 Millionen Studierende, wobei Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften einen beachtlichen Anteil von etwa 38% ausmachen. Doch was bewegt Studieninteressierte zur Wahl der einen oder anderen Hochschulart – und macht diese Entscheidung später im Berufsleben einen Unterschied?

Dr. Felix Bittmann vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. verglich Karriereverläufe von Universitäts- und Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen – und das mit zum Teil überraschenden Ergebnissen; Bild: privat;

Eine Untersuchung von Felix Bittmann vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. liefert hier interessante Einblicke. Sie basiert auf einer Studierendenkohorte von 5.437 Personen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die soziale Herkunft spielt eine entscheidende Rolle. Studierende aus akademischen Elternhäusern wählen häufiger Universitäten als Fachhochschulen. Konkret bedeutet dies: Wenn die Eltern einen Universitätsabschluss haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines FH-Besuchs um etwa 6 Prozentpunkte im Vergleich zu Personen mit Eltern, die keinen Hochschulabschluss aufweisen.

Bei promovierten Eltern beträgt dieser Unterschied sogar 17 Prozentpunkte. Auch der vorherige Bildungsweg ist relevant: Personen, die nicht direkt auf ein klassisches Gymnasium gegangen sind, finden sich tendenziell eher in einer Fachhochschule wieder.

Aber: Macht die Hochschulart einen Unterschied im Beruf?

Hier kommt die überraschende Erkenntnis: Sieben Jahre nach Studienbeginn zeigen sich nur geringe Unterschiede nach Hochschulform – oder sogar andere als man erwarten könnte: So verdienen FH-Absolventinnen und Absolventen tendenziell etwas mehr Geld (+6%) und haben seltener lediglich befristete Arbeitsverträge (-9 Prozentpunkte) als Uni-Absolventinnen und -absolventen.

Für vergleichbare Studierende bringt die Wahl der Hochschulart keine erheblichen Konsequenzen in Bezug auf berufliche Erträge mit sich.

Unterschiede nach Fachbereichen

Bei genauerer Betrachtung der Studienfächer zeigen sich einige nuancierte Muster:

  • Informatik: FH-Absolventen verdienen etwa 9% mehr als Universitätsabsolventen
  • Ingenieurswissenschaften: FH-Absolventen haben eine um ca. 10 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit auf lediglich nur befristete Verträge. Hier macht sich offenbar die starke Praxisorientierung an Fachhochschulen bezahlt, welche in nicht wenigen Fällen zu einer schnellen Integration in betriebliche Strukturen führt.

Geschlechtsspezifische Unterschiede sind dagegen statistisch nicht signifikant: Der Einkommensvorteil für Männer an FHs liegt bei ca. 6%, für Frauen bei ca. 2%, wobei sich die Konfidenzintervalle erheblich überlappen.

Was bedeutet das für Studieninteressierte?

Die Studie liefert somit eine beruhigende Botschaft: Die Entscheidung zwischen Fachhochschule und Universität sollte primär nach persönlichen Präferenzen, Studieninhalten und lokalen Gegebenheiten getroffen werden – nicht aus Sorge um spätere Berufsaussichten. Beide Hochschulwege führen zu vergleichbaren beruflichen Ergebnissen.

Für die Hochschulpolitik unterstreicht dies die gleichwertige Position beider Hochschulformen im deutschen Bildungssystem. Fachhochschulen sind also keine „Alternative zweiter Wahl”, sondern ein gleichberechtigter Pfeiler der akademischen Landschaft.


Quelle: Bittmann, F. (2026): Fachhochschulen als Alternative zu Universitäten in der deutschen Hochschullandschaft: eine Betrachtung von Komposition und Erträgen. doi:10.5281/zenodo.22076703

Rainer Krauß
Veröffentlichung: 24.08.2026

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