Mit dem Ende des Sommersemesters 2026 geht an der Hochschule Hof eine Ära zu Ende: Gleich vier prägende Persönlichkeiten verabschieden sich aus dem aktiven Hochschuldienst. Prof. Dr. Peter Schäfer, Prof. Dr. Richard Göbel, Prof. Dr. Ulrich Entrup und Prof. Dr. Dietmar Boerner haben über viele Jahre hinweg Generationen von Studierenden begleitet, ihre Fakultäten mitgestaltet und die Entwicklung der Hochschule nachhaltig geprägt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Feierstunde blickten sie gemeinsam mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern auf ihre beruflichen Stationen zurück – und richteten zugleich den Blick nach vorne. Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann würdigte die vier scheidenden Lehrenden zunächst einleitend in einem persönlichen Rückblick und kam zum Schluss:
„Sie alle haben sich an unterschiedlichen Stellen erfolgreich für die Reputation unserer Hochschule eingesetzt. Dafür gebührt Ihnen unser großer Dank. Ich wünsche allen für die Zukunft die persönliche Erfüllung.“
Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann, Hochschulpräsident
Prof. Dr. Dietmar Boerner – Der Mensch stets im Mittelpunkt
Nach 17 Jahren an der Hochschule Hof verabschiedet sich Prof. Dr. Dietmar Boerner in den Ruhestand. Seit seiner Berufung im Jahr 2009 prägte er mit seiner Professur für Öffentliches Recht, insbesondere das Recht der öffentlichen Unternehmen und das Sozialrecht, die juristische Ausbildung an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften. Sein fachliches Spektrum reichte vom Staats- und Verwaltungsrecht über Arbeits- und Datenschutzrecht bis hin zum Wirtschaftsprivatrecht. Besonders verbunden war er dem Masterstudiengang „Personal und Arbeit“, dessen Konzept er von Beginn an mitentwickelte und den er seit dem Start im Jahr 2011 als Studiengangleiter entscheidend mitgestaltete. Mehrere erfolgreiche Akkreditierungen, die umfassende Modernisierung des Studiengangs im Jahr 2025 sowie seine intensive Betreuung der Studierenden tragen seine Handschrift. Darüber hinaus baute er über viele Jahre die akademischen Beziehungen zu renommierten Partnerhochschulen in Indien – namentlich der National Law School of India University in Bangalore und der Nirma University in Ahmedabad – aus und förderte damit den internationalen Austausch der Hochschule nachhaltig.
In seiner Abschiedsrede, die er mit Versen des Gedichts „Stufen“ von Hermann Hesse begann und die mehrere literarische Anspielungen und Bonmots enthielt, machte Boerner deutlich, was ihn während seiner gesamten Hochschullaufbahn angetrieben hat: „Die Lehre habe ich besonders geschätzt, weil sie mich als ganze Person gefordert hat.“ Für ihn sei Hochschullehre weit mehr als die Vermittlung von Fachwissen – sie lebe von der Persönlichkeit der Lehrenden und der Begegnung mit den Studierenden. Entsprechend betonte er auch die Verantwortung, die mit dieser Aufgabe verbunden ist:
„Meine drei hauptsächlichen Wirkungskreise – die Lehre, der Masterstudiengang „Personal und Arbeit“ und die Zusammenarbeit mit Hochschulen in Indien – hatten eine Gemeinsamkeit, die mir immer wichtig war: den Umgang mit Menschen.“
Prof. Dr. Dietmar Boerner
Diese Haltung spiegelte sich nicht nur in seiner Lehre, sondern ebenso in seinem Engagement als Studiengangleiter, Mitglied der Prüfungskommission und Ansprechpartner für Studierende wider.

Mit Blick auf den neuen Lebensabschnitt sprach Boerner bewusst nicht vom Ruhestand, sondern augenzwinkernd von einem „Langzeit-Freisemester“, das Raum für Reisen, Natur, Kultur und neue Erfahrungen schaffen soll – ganz im Sinne des von Hermann Hesse zitierten Gedankens, dass „jedem Anfang ein Zauber innewohnt“.
Prof. Dr. Ulrich Entrup – Internationale Rechnungslegung aus der Praxis
Humorvoll als „Prophet der Stundenplanapokalypse“ angekündigt, verabschiedet sich mit Prof. Dr. Ulrich Entrup ein Professor, der akademische Lehre und langjährige Managementerfahrung auf besondere Weise miteinander verband. Nach Studien der Katholischen Theologie und der Betriebswirtschaftslehre sowie einer Promotion an der Universität Frankfurt führte ihn sein Berufsweg zunächst in die Finanzwirtschaft und anschließend in leitende Funktionen der Industrie – unter anderem als Leiter der Konzernrechnungslegung der Degussa AG. Seit 2003 lehrte er an der Hochschule Hof.
Sein Lehrgebiet „Rechnungswesen in internationalen Unternehmen“ vermittelte Studierenden fundiertes Wissen über internationale Rechnungslegung und Unternehmenssteuerung. Seine Erfahrungen aus Corporate Finance, Kapitalmarkt und Konzernrechnungslegung machten ihn zu einem geschätzten Ansprechpartner weit über den Hörsaal hinaus. In seinen Abschiedsworten erinnerte er sich an einen Vortrag der Lyrikerin Hilde Domin und eine ganz besondere Gedichtzeile „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“. Genau so sei es oft bei privaten, aber eben auch bei beruflichen Entscheidungen, die Menschen zu treffen haben: „Nicht immer wissen wir vor notwendigen Entscheidungen alles, was wir gerne wissen möchten – und dennoch leben wir hinterher in aller Regel ganz gut mit eben jenen Entscheidungen.“ Genau so sei dies bei ihm auch gewesen, als er vor 23 Jahren aus Frankfurt in die damals noch kalte Provinz nach Hof wechselte.
„Ich vertraute darauf, dass die Luft tragen würde, und das tat sie. Wenn ich nun den nächsten Schritt gehe und langsam in den Ruhestand wechsele, dann hilft nicht nur die Luft, sondern auch ein Lehrauftrag, um einen langsamen und guten Übergang zu finden. In diesem Sinne: Auf Wiedersehen am Dienstagnachmittag im nächsten Wintersemester!“
Prof. Dr. Ulrich Entrup

Prof. Dr. Richard Göbel – Informatik und Forschung mit Weitblick
Prof. Dr. Richard Göbel gehört zu den Professoren der ersten Generation der Hochschule Hof. Nach seinem Informatikstudium an der Technischen Hochschule Darmstadt und seiner Promotion im Bereich der Künstlichen Intelligenz an der Universität Kaiserslautern sammelte er Erfahrungen in der Industrie sowie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), bevor er 1997 an die Hochschule Hof berufen wurde. Neben seiner Lehrtätigkeit im Bereich Multimediale Informationssysteme prägte er insbesondere die Forschung am Institut für Informationssysteme (iisys). Als Forschungsgruppenleiter beschäftigte er sich unter anderem mit Big Data, Smart Data, Informationssystemen sowie Anwendungen in den Bereichen Mobilität, Industrie und Digitalisierung. Zahlreiche Forschungsprojekte und Kooperationen tragen seine Handschrift.
Richard Göbel begann seinen persönlichen Rückblick, indem er an Fahrgemeinschaften mit Prof. Dr. Franz-Xaver Boos erinnerte, die er 1997 in seinen Anfangszeiten aus Oberbayern kommend, bildete. Und er gab eine besondere Anekdote zum Besten, die deutlich machte, mit welchen Mitteln die Hochschule Hof ehemals startete: „Von Seiten meines ersten Dekans an der Hochschule Hof gab es das Angebot, dass jeder Professor pro Semester 300 Deutsche Mark zur Verfügung gestellt bekommen würde. Ich kam damals vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt und allein mein Reiseetat lag jährlich bei 30.000 DM. Ich wusste wirklich nicht, was ich nun mit den 300 Mark anfangen sollte.“
Das Wichtigste an einer neuen Hochschule seien neue und innovative Studiengänge, in seinem Fall die „Technische Informatik“, die er sich sehr frei gestalten konnte:
„Und genau das war das Schöne: Man hatte einen großen Freiraum für Experimente, was einen enormen Charme hatte. Ich durfte hier tolle 29 Jahre erleben. Es war eine absolut spannende und interessante Zeit und ich habe es nicht einen Augenblick bereut hier zu arbeiten.“
Prof. Dr. Richard Göbel

Prof. Dr. Peter Schäfer – Brückenbauer im Wirtschaftsrecht
Seit 1996 steht Prof. Dr. Peter Schäfer für die Verbindung von juristischer Präzision und internationaler Perspektive. Sein Lehrgebiet umfasste das europäische, internationale und deutsche Wirtschaftsrecht mit einem besonderen Fokus auf das EU-Recht sowie auf Mittel- und Osteuropa. Darüber hinaus engagierte er sich als Behindertenbeauftragter der Hochschule, setzte sich für Chancengleichheit und Barrierefreiheit auf dem Campus ein. Als Initiator des jährlichen Europa-Forums der Hochschule brachte er zudem immer wieder spannende Perspektiven in die Diskussion und erarbeitete sich den Spitznamen „Mr. Europa“, wie auch Hochschulpräsident Prof. Lehmann eingangs erwähnte. Peter Schäfers Lehrveranstaltungen zeichneten sich immer durch den engen Bezug zur Praxis sowie die Vermittlung internationaler Zusammenhänge aus. Viele Studierende werden sich an einen Dozenten erinnern, der juristische Fragestellungen stets im wirtschaftlichen und geopolitischen Gesamtkontext betrachtete.
In seiner Abschiedsrede machte er auch einige Verbesserungsvorschläge zur Organisation der Hochschule und schloss zudem mit einem Aufruf an alle:
„Steht in der Zukunft zu unseren abendländischen Werten. Dazu gehört Demokratie, aber immer auch ein wenig mehr Christlichkeit!“
Prof. Dr. Peter Schäfer
Anschließend griff er selbst zur Gitarre und rockte – begleitet durch die Hochschulband – ein letztes Mal das Audimax.

Ein gemeinsamer Abschied – viele persönliche Erinnerungen
Bei der Abschiedsveranstaltung im Audimax nutzten auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen die Gelegenheit, sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und den gemeinsamen Weg zu bedanken. Als persönliche Laudatoren, die eine Vielzahl von Anekdoten zu Gehör brachten, traten zudem Prof. Dr. Beatrix Weber zusammen mit zwei Studierenden des Masterstudiengangs „Personal und Arbeit“ (für Prof. Dr. Dietmar Boerner), Dekan Prof. Dr. Jens Kirchner (für Prof. Dr. Ulrich Entrup), Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk und Jürgen Ott (für Prof. Dr. Richard Göbel) sowie Prof. Dr. Robert Schönau (für Prof. Dr. Peter Schäfer) ans Mikrofon.












Für eine besondere Überraschung sorgte schließlich Prof. Dr. René Peinl, Leiter des Instituts für Informationssysteme (iisys), der den scheidenden Kollegen mit einem selbst gesungenen „My Way“ von Frank Sinatra ein eigenes musikalisches Dankeschön mit auf den Weg gab.
Der anschließende Empfang bot Raum für persönliche Gespräche, gemeinsame Erinnerungen und viele gute Wünsche für den neuen Lebensabschnitt. Der Abend wurde durch eine eigens zusammengestellte Hochschulband mit Vincent Tischler am Mikrofon begleitet.