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Benvenuto all’ibp, Elia! – Ein Auslandsstudium in Zeiten der Pandemie

Fragt man Akademiker nach Ihren schönsten Momenten während Ihres Studiums, landet der Studienaufenthalt im Ausland meist ganz oben auf der Liste. Studentische Mobilitätsprogramme von Erasmus+ und DAAD leben vom universitären Austausch. In fester Erinnerung bleiben die vielen positiven Geschichten vom Kennenlernen neuer Menschen und deren Kultur – etwas, das man sonst meist nur von Sommerurlauben kennt.

Elia Castagna von der Universität Brescia verbrachte seinen Auslandsaufenthalt in Oberfranken;
Bild: Hochschule Hof;

Natürlich hat die laufende Pandemie auch einen großen Einfluss auf Austauschprogramme, wenn sowohl die Mobilität zur Wunschhochschule als auch die Mobilität vor Ort eingeschränkt sind.

Online-Vorlesungen statt fränkischer Kultur

Keine BOOM-Parties oder Ausflüge in die Stadt, von denen man den KommilitonInnen, Freunden oder der Familie daheim berichten kann. So ist es auch Elia Castagna von unserer Partner-Universität Brescia aus der Lombardei ergangen: Statt Präsenzlehre in den Vorlesungssälen oder Weißwurst mit Brezen in der Cafete gab es Online-Vorlesungen im Zimmer des neu gebauten Wohnheims. Dank der hervorragenden Arbeit des Projektteams Digitalisierung läuft dies bekanntlich völlig reibungslos. Dennoch fehlt natürlich das Zusammenkommen zwischen den Studierenden und das Kennenlernen der Hofer Aushängeschilder wie beispielsweise den Hofer Filmtagen oder der vielen bekannten Feste.

Bewusste Entscheidung für die Hochschule Hof

Elia ist Maschinenbau-Student und hat sich aufgrund des guten Rufes der Hochschule Hof und deren Möglichkeiten bewusst für einen Studienaufenthalt mit Vorlesungen entschieden. Unglücklicherweise konnte aufgrund der aktuellen Situation ein Modul nicht stattfinden und ihm fehlten plötzlich 5 ECTS, um auch zurück in Brescia in seinem Zeitplan zu bleiben. Jörg Noldin vom International Office wusste von meinem guten Netzwerk nach Brescia und fragte mich zu Semesterbeginn, ob wir am ibp nicht gerade ein spannendes Forschungsprojekt hätten, im Rahmen dessen Elia eine fachliche Studienersatzleistung erbringen und sich doch noch die 5 ECTS verdienen konnte. Diese Mail und unser Kennenlernen sollten sich als absoluter Glücksfall erweisen. Wir vereinbarten direkt ein Videomeeting, stellten schnell gemeinsame Leidenschaften wie die Berge und die damit verbundenen Brettsportarten fest.

Weinforschung statt Biertrinken

Auch die Festlegung auf ein Thema, dessen Bearbeitung uns bereichert und ihm Spaß macht, war schnell gefunden. „VINOFOL“, lautete seine Antwort, als er sich die Projekte des ibp auf unserer Homepage ansah. Auch wenn er selbst mehr von den Getränken der Meinel-Schwestern angetan ist, gefiel ihm die Idee, dass sich mit Hilfe reflektierender Folien möglicherweise die Weinqualität in mitteldeutschen Lagen verbessern lässt.

Ziel im Projekt ist die Nutzung indirekter Sonneneinstrahlung durch Reflexion der lediglich für die Reben vorteilhaften Wellenlängen (blaues und rotes Licht). Zusammen mit der Winzervereinigung Freyburg und der Hochschule Anhalt entstand so eine Rebstockkonstruktion mit Folien des ibp in einem Versuchsfeld, die von der Blütezeit im April bis zur Weinlese im September für zusätzliche Sonnenscheineinwirkung sorgt.

Rebstockkonstruktion für bessere Lichtwirkung

Mit ersten Erfolgen: Im Rahmen der getesteten Weine konnten bei den weißen Trauben leicht verbesserte Werte gegenüber den nicht zusätzlich beleuchteten Trauben festgestellt werden.

Ein Blick auf die Konstruktion von Elia Castagna; Bild: Hochschule Hof;

Um die genauen Zusammenhänge zwischen Abstand und Winkel der Lichtquelle sowie Oberfläche und Rezeptur der Folie auf die Wellenlänge und Intensität des reflektierten Lichtes zu untersuchen, war die Entwicklung und Anwendung eines Folienteststandes Inhalt eines zu diesem Zeitpunkt geplanten Arbeitspaketes. Und genau hier kam Elia mit seinen CAD Kenntnissen und Vorliebe fürs Basteln zum goldrichtigen Zeitpunkt: Wir vereinbarten Kennenlernen und Sicherheitseinweisungen unter Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen sowie natürlich die Konkretisierung des Projektziels. Dank dem Studienbüro und Prof. Dr. Reichel war auch die Anmeldung im PRIMUSS für dieses Forschungsprojekt mit einer Bearbeitungszeit von 100 h schnell absolviert.

Hilfe im MakerSpace

Es dauert keine Woche bis Elia uns mit einem ersten Entwurf direkt überzeugte. Ein paar technische Anpassungen und schon konnte uns Elia mittels der Simulation zeigen, was wenige Wochen später in unseren Laboren zum Einsatz kommen sollte. Sämtliche Komponenten konnten fristgerecht bestellt werden. Teile, die aufgrund der einfachen wie genialen Konstruktion nicht bestellbar waren, ließ sich Elia dank des neuen Makerspaces aus dem 3D Drucker herstellen. Eine super Flexibilität, an die wir uns eher noch gewöhnen müssen.

In der Zwischenzeit verfolgte Elia fleißig seine Vorlesungen. Da sein Zimmer direkten Blick aufs Einstein1 hat, wurde er in den Abendvorlesungen immer von der bunten Illumination begleitet. Da das Hofer Land zum Glück auch während des Lockdowns zumindest tagsüber abspaziert werden konnte, konnte Elia so auch noch etwas von der Landschaft seines Wunschstandortes profitieren. Das ließ das Heimweh ins voralpenliche Brescia etwas vergehen.

Projektauftrag gelöst, Bart rasiert

Elia blieb super im Zeitplan und hatte den Versuchsstand bereits Anfang Dezember 2020 fertig zusammengebaut und im Fotostudio (unter der Leitung von Prof. Heym) unter Ausschluss von externen Lichtquellen getestet. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich auch seinen über Jahre gepflegten Vollbart abrasiert, nachdem Bartträgern, wenig überraschend, empfohlen wurde diesen zu stutzen, damit Masken auch Ihre Funktion erfüllen konnten. Zumindest ließ er sich einen Oberlippenbart stehen, was ihn noch sympathischer machte.

Im Projektrahmen blieb noch Zeit um den Test in Betrieb zu nehmen und erste Folien zu testen. Nach ein paar Anpassungen war das Werk vollbracht und alle waren happy. Der abschließende Projektbericht war mit seiner technischen und ästhetischen Genauigkeit noch das Sahnestück auf den ohnehin schon übertroffenen Folienteststand: Grazie Mille, amico mio!

Gute Deutsch-italienische Beziehungen

Die Università degli studi di Brescia ist seit 2015 unser Partner und hat bereits mehrere Studierende der Hochschule Hof von einem Studienaufenthalt überzeugt, die allesamt von der bezaubernden Stadt und den tollen Menschen profitierten. Die 1982 gegründete staatliche Universität zählt 14.000 Studierende und ca. 500 wissenschaftliche Mitarbeiter. Die lieben Kollegen von der Fakultät für Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen sind auch über Forschungsprojekte wissenschaftlich und freundschaftlich eng mit dem ibp verbunden und ein fester Teil der International Teaching week.

Dr. Mirko Rennert

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