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Neue Forschungsprofessuren für die Hochschule Hof – Ein Gespräch mit Vizepräsident Professor Plenk

Das Bayerische Staatsministerium hat mit der Hightech-Agenda (HTA) die Möglichkeit geschaffen, dass Forschungsprofessuren an den bayerischen Hochschulen eingeführt werden können. Im Gespräch erläutert Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk, Vizepräsident Forschung und Entwicklung, diese Entwicklung.

Prof. Dr.-Ing.Valentin Plenk, Vizepräsident der Hochschule Hof. Bild: Hochschule Hof;

Wie hat die Hochschule Hof die Forschungsprofessuren umgesetzt?

“Offizielle Forschungsprofessoren werde auf Stellen berufen, bei denen neben der Lehrtätigkeit auch Forschungsarbeit vorgesehen ist. Der Anteil der Lehrtätigkeit ist dafür reduziert. In Hof haben wir im Rahmen von Stiftungen bereits Professoren mit diesem Status. Mit den Stellen aus der HTA haben wir nun erstmals die Möglichkeit, Professoren auch aus staatlichen Mitteln, mehr Freiraum für die Forschung zu geben. Wir wollten aber nicht nur Neuberufene entsprechend ausstatten, sondern auch und bereits bei uns tätige Professoren beteiligen. Deswegen haben wir uns eine flexiblere Lösung ausgedacht, die bei bewährten alten und engagierten neuen Kollegen durch ein, wie es in unserer internen Sprache heißt, reduziertes Lehrdeputat deutlich mehr Zeit für Forschung gibt als es bisher möglich war.”

Wie viele Forschungsprofessuren gibt es und für welche Themenbereiche stehen sie?

“Die ersten vier Kollegen, die sich diesen Status verdient haben, sind Beatrix Weber, Richard Göbel, Michael Nase und Jörg Scheidt. Frau Weber leitet die Forschungsgruppe „Recht in Nachhaltigkeit, Compliance und IT“ am iisys. Diese Gruppe begleitet und unterstützt andere Forschungsgruppen bei der rechtssicheren Umsetzung innovativer Ideen. Jüngstes Beispiel hier die bayernweite Coronastudie mit dem Kollegen Jörg Scheidt.

Herr Scheidt leitet die Forschungsgruppe „Analytische Informationssysteme“ am iisys, die sich vereinfacht gesagt auf Datenauswertung spezialisiert hat und hier besonders im Bereich medizinischer Studien reüssiert.

Die Inhaber der aktuellen Forschungsprofessuren an der Hochschule Hof: Prof. Dr. Beatrix Weber, Prof. Dr. Michael Nase (oben rechts), Prof. Dr. Jörg Scheidt (unten links) sowie Prof. Dr. Richard Göbel.
Bilder: Hochschule Hof;

Mit Herrn Göbel, dem Leiter der Gruppe „Multimediale Informationssysteme“, ist noch ein Kollege aus dem iisys dabei – diese Häufung erklärt sich daraus, dass zunächst Kollegen mit nachgewiesenen Leistungen in der Forschung ausgewählt wurden und das iisys als ältestes Forschungsinstitut der Hochschule natürlich auch die meisten derartigen Kollegen versammelt. Er beschäftigt sich mit dem Sammeln und Auswerten sehr großer Mengen strukturierter und unstrukturierter Daten. Hier ist noch zu nennen das Projekt MobiDig, das sich mit Bewegungs- und Verkehrsdaten aus Stadt und Landkreis Hof sowie dem Landkreis Wunsiedel beschäftigt hat.

Last but not least der vierte und jüngste im Bunde: Michael Nase, Gründer und Leiter des „Institutes für angewandte Biopolymerforschung (ibp)“, er widmet sich biogenen und biologisch abbaubaren Kunststoffen. Teils um die bisherige Rohstoffe zu substituieren, teils um die Probleme am Ende des Lebenszyklus eines Kunststoffteils durch natürliche Zersetzung zu lösen.”

Was bedeutet das konkret für die einzelnen ForscherInnen?

“Mit dem neuen Status ist eine deutliche Entlastung in der Lehre verbunden, die den KollegInnen den nötigen Freiraum für ihre Forschung gibt.”

Bislang wurden eher Professoren benannnt, die schon länger an der Hochschule Hof sind. Wie schaut es mit Forscher_innen aus, die jetzt neu an die Hochschule kommen?

“Bei den ersten vier mit diesem Status versehenen KollegInnen, die ich oben schon genannt habe, handelt es sich um „alte Hasen“, die sich in der Forschung schon einen Namen gemacht haben. In der nächsten Runde sollen in der Tat auch KollegInnen gefördert werden, die neue Ideen und Ansätze einbringen – mit dem Ziel, diese auf dasselbe (Forschungs-) Niveau zu heben, wie die „alten Hasen“.”

Mit der Forschungsprofessur einher kommt auch die Möglichkeit, dass forschungsstarke Bereiche unserer Hochschule – also z.B. in den Forschungsinstituten – ein eigenes Promotionsrecht erhalten. Wie ist da der Stand der Dinge aktuell?

“Wir müssen hier ein wenig zwischen Theorie und Praxis trennen. In der Theorie beobachten wir als HAWs, speziell in Bayern, eine starke Zurückhaltung bei der Anerkennung unserer Forschungsleistung, die sich auch dadurch ausdrückt, dass das Promotionsrecht momentan noch den Universitäten vorbehalten ist. Durch die geplante Novelle des Hochschulrechts könnte auch dieser alte Zopf abgeschnitten werden.

In der Praxis verfügen unsere „alten Hasen“ bereits heute über gute Netzwerke zu Universitäten – innerhalb und außerhalb Bayerns – und können so allen promotionswilligen und – das muss natürlich ergänzt werden – promotionsfähigen Mitarbeitern eine kooperative Promotion anbieten. Diese Kooperationen sind vom fachlichen her ein Gewinn für alle Beteiligten und auch die Diskussion mit unterschiedlichsten Mitstreitern – begleitende Professoren und Promovendenkollegen in den Graduiertenkollegen – wird geschult. Es schärft den Blick der jungen Leute und selbst die nicht immer ganz einfachen Vorgaben der Promotionsordnung haben ihren Sinn: Wer bald selber Anträge für die Forschung oder in den Unternehmen stellen will, kann sich hier schon in recht formalen Dingen üben.”

Prof. Dr.-Ing. Valentin Plenk
Anne Habbel

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